Klima: Diese Regionen sind stark von der Industrietransformation betroffen
Berlin. Die Transformation der Industrie zur Klimaneutralität macht zusätzliche Infrastrukturen erforderlich. Damit verbunden sind zahlreiche Eingriffe in die Umgebung, mitunter für den Bau eines Wasserstoff-Kernnetzes, für die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid und auch für Energie aus erneuerbaren Quellen.
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat ermittelt, welche Regionen von diesen Veränderungen und Bauvorhaben besonders stark betroffen sein werden. Sortiert sind die Ergebnisse nach Postleitzahlen. Das Handelsblatt macht die am stärksten betroffenen Regionen in einer Grafik anschaulich.
Ausschlaggebend für die Bewertung ist die ganze Bandbreite der Transformationstechnologien. Berücksichtigt wurde, was in den kommenden Jahren voraussichtlich an zusätzlicher Infrastruktur gebraucht wird: Neben einem Netz für den Transport von Wasserstoff, mit dessen Bau schon begonnen wurde, werden Elektrolyseure für die Produktion von grünem Wasserstoff gebaut.
Zusätzlich müssen Leitungen für den Transport von CO2 entstehen: Unternehmen aus Branchen wie Zement oder Kalk werden künftig bei der Produktion frei werdendes CO2 auffangen und zu unterirdischen Lagerstätten transportieren. Dazu ist ein eigenes Leitungsnetz vonnöten. Hinzu kommen Wind- und Photovoltaikparks.
Dabei stechen die Industrieregionen Deutschlands hervor. Stark von der Transformation betroffen sind die Postleitzahl-Bezirke entlang der Rhein-Schiene, das Ruhrgebiet, das ostdeutsche Chemie-Dreieck oder etwa Grenzregionen zu den Niederlanden, wo Wasserstoffleitungen und Stromtrassen gebaut werden. Diese Maßnahmen sind mit teils massiven Eingriffen in die Natur verbunden.
Knapp die Hälfte der Deutschen befürwortet den Umbau der Industrie
Das IW hat Menschen deshalb auch befragt, wie sie zur Transformation stehen. Das Ergebnis: Knapp die Hälfte der Menschen in Deutschland befürwortet den Umbau der Industrie hin zur Klimaneutralität. Das gilt der Umfrage zufolge auch dann, wenn die Transformation im unmittelbaren Wohnumfeld stattfindet.
Laut IW lebt ein Viertel der Bevölkerung in Regionen, in denen in den nächsten Jahren größere Infrastrukturprojekte für die klimaneutrale Umgestaltung der Industrie geplant sind. Etwa 18 Prozent der Menschen bewerten die Veränderungen negativ. Jeder Siebte lehnt den Umbau ab. Gleichzeitig unterschätzen fast 70 Prozent der Menschen, wie stark ihre Region betroffen ist.
Ein Viertel der Menschen lebt in stark betroffenen Regionen
Entscheidend sei, die Bewohnerinnen und Bewohner einzubeziehen: „Eine frühzeitige und transparente Information über infrastrukturelle Veränderungen stärkt die Akzeptanz, besonders bei Unentschlossenen“, heißt es beim IW.
„Die Politik darf keine Angst haben, in den Dialog zu gehen und das Ausmaß der infrastrukturellen Veränderung transparent zu kommunizieren“, sagte IW-Experte Matthias Diermeier. So lasse sich der Gefahr entgegenwirken, dass kritische Minderheiten lokale Meinungsführerschaften erringen und die notwendigen Anstrengungen auf dem Weg zur Klimaneutralität torpedieren.