Klimawandel: Klimaneutralität im Verkehr bis 2045 ist Experten zufolge gefährdet
Abgase kommen aus dem Auspuff eines Autos. Foto: dpa
Berlin.
Ob bei der Elektromobilität oder dem Ausbau des Schienenverkehrs: Aus Sicht von Verkehrsexperten
ist die scheidende Bundesregierung bei der Verkehrswende nicht weit genug vorangekommen.
„Die Gesamtbilanz fällt ernüchternd aus und vor allem unzureichend“, sagte Christian
Hochfeld, Direktor der Agora Verkehrswende. Die gemeinnützige Organisation setzt sich
für Klimaneutralität im Verkehr ein. Hochfeld warnt: „Die Klimaneutralität des Sektors
bis 2045 ist gefährdet.“
So habe sich die inzwischen beendete Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP unter
anderem das Ziel gesetzt, den E-Auto-Bestand in Deutschland bis 2030 auf rund 15 Millionen
Fahrzeuge zu erhöhen. Werde auf weitere Maßnahmen verzichtet, werde dieses Ziel um
rund sechs Millionen Fahrzeuge verfehlt, schreibt die Organisation in einer vorläufigen
Bilanz zur Arbeit der Regierung. Mitte dieses Jahres gab es im Bestand gut 1,5 Millionen
reine E-Autos.
Notwendig seien neue Förderprogramme, um insbesondere Haushalten mit niedrigeren und
mittleren Einkommen den Kauf eines E-Autos zu ermöglichen und somit neue Kundengruppen
zu erschließen. Für Schienen und Straßen in Deutschland seien zudem eine langfristige
Finanzierung erforderlich, damit die Baubranche ihre Kapazitäten hochfahren könne.
Hochfeld befürwortete einen Infrastrukturfonds, in den auch Mittel aus einer einzuführenden
Pkw-Maut fließen könnten.
Aufgehobene Klimaziele
Deutlich kritisierte er, dass im überarbeiteten Klimaschutzgesetz sektorspezifische
Klimaziele aufgehoben wurden. Seither müssen die einzelnen Ministerien nicht mehr
nacharbeiten, wenn die CO2-Reduktionsziele in ihrem Bereich verfehlt werden. Im Verkehr
ist das seit Jahren der Fall. „Dass der Verkehrssektor aus der Pflicht genommen wurde,
hat aus unserer Sicht dazu geführt, dass noch weniger Emissionen eingespart werden“,
sagte der Agora-Verkehrswende-Direktor.
Um das Ziel Klimaneutralität im Verkehr bis 2045 noch zu erreichen, schlägt die Organisation
für die nächste Bundesregierung mehrere Schwerpunkte vor, darunter eine Mobilitätsgarantie
für Menschen, die etwa wegen eines fehlenden Führerscheins keinen Zugang zur Autonutzung
haben - auch durch den Ausbau des Nah- und Regionalverkehrs auf dem Land.