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„Managed Legal Services“ Wie Rechtsabteilungen von Unternehmen Aufgaben outsourcen

Rechtsabteilungen von Unternehmen lagern immer mehr zeitaufwendiges Massegeschäft an alternative Anbieter aus. Das bringt nicht nur Vorteile.
18.11.2019 - 17:54 Uhr Kommentieren
Rechtsabteilungen geraten in wachsendem Maße unter Druck. Sie lagern zunehmend zeitaufwendige Aufgaben an Externe aus. Quelle: dpa
Anwälte

Rechtsabteilungen geraten in wachsendem Maße unter Druck. Sie lagern zunehmend zeitaufwendige Aufgaben an Externe aus.

(Foto: dpa)

Berlin Immer mehr rechtliche Anfragen aus dem Unternehmen, komplexe Gesetze, zunehmende Regulierung im In- und Ausland – Rechtsabteilungen geraten in wachsendem Maße unter Druck. Zugleich schrumpfen Personal und Budgets eher, als dass sie aufgestockt werden. Als Heilsbringer werden „Managed Legal Services“ gepriesen.

Hierbei übernehmen alternative Anbieter etwa das Beteiligungs- oder Vertragsmanagement, regeln Kreditvereinbarungen oder Datenzugriffsanfragen. Ihr Versprechen: Wird zeitaufwendiges Massegeschäft ausgelagert, kann es mit neuen Technologien (Legal Tech) deutlich effizienter bearbeitet werden. In dem Feld tummeln sich vor allem die „Big Four“-Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deloitte, EY, KPMG und PwC, aber auch spezialisierte Firmen wie United-Lex.

Doch ist das Angebot wirklich so gut, wie die smarten Präsentationen der Anbieter glauben machen wollen? Berichte aus der Praxis klingen zuweilen skeptisch, wie auf der Herbsttagung des Bucerius Center on the Legal Profession in Hamburg deutlich wurde.

So berichtete Claudia Junker, die bei der Telekom die Rechtsabteilung leitet, von ihren Bemühungen, einen Teil der Arbeitslast mit Managed Legal Services in den Griff zu bekommen. Mit den Führungskräften des Dax-Konzerns organisierte sie eine Workflow-Analyse und durchforstete alle Abteilungen danach, welche Aufgaben und Prozesse übertragen werden könnten. „Wir haben insgesamt 32 Aufgaben identifiziert, die ein Volumen von 900 Stunden im Monat ausmachten“, so Junker. Einige Standards wie der Forderungseinzug seien schon zuvor ausgelagert worden.

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    In der Sache fiel ihr Fazit eindeutig aus: „Die meisten Anwälte denken, dass nur das umfassende Know-how, die jahrelange Erfahrung und das Studium an den exzellentesten Unis dieser Welt dazu führen, in Situationen die richtige Antwort zu finden.“ Dabei seien viele Aufgaben repetitiv und könnten leicht mit einem Entscheidungsbaum abgebildet werden.

    Bei der Umsetzung plagten Junker dann aber doch zu viele Zweifel. So hätte die Telekom „Play Books“ als Basis für die zu automatisierenden Prozesse schreiben und laufend aktualisieren müssen. „Da ist man die Arbeit nicht wirklich los“, fand Junker.

    Festlegung auf externe Plattform sei fragwürdig

    Auch eine Haftung hätten die Anbieter weitgehend abgelehnt. Die Festlegung auf eine externe Plattform sei ebenfalls fragwürdig: „Wenn man sich dann doch trennt, weil die internen Kunden unzufrieden sind oder sich doch nicht die erhofften Einsparungen ergeben, dann hängt man in einer Falle.“ Lizenzmodelle hätten die Anbieter zurückgewiesen. Auch hätten sie die 900 Stunden als zu gering bezeichnet.

    Junkers Kollege, Chris Fowler von British Telecom, berichtete indes von einem vollzogenen Outsourcing: Nach einem Wettbewerb unter 26 Anbietern hat das Unternehmen kürzlich die weniger komplexe Prozessführung und das Beteiligungsmanagement an die Firma DWF ausgelagert.

    43 Mitarbeiter wechselten zum externen Anbieter. „Für uns haben wir ein kleineres, leistungsstärkeres Team angestrebt“, sagte Fowler. „Wir fokussieren uns nun auf Schadensersatz, Datenschutz und Sicherheit.“ Zugleich mahnte der Leiter der Rechtsabteilung, man könne nicht mit Managed Legal Services „flirten“. Es handele sich um eine Langzeitbeziehung, um die man sich kümmern müsse.

    Christian Rau, Ex-Chefjurist des Industriegasekonzerns Linde und nun beim Medizintechnik- und Kamerahersteller Olympus, sieht bei komplexen Produkten jenseits des Massenmarkts nur eingeschränkte Möglichkeiten für Managed Legal Services. „Standardisierung ist nicht so offenkundig, und die Skaleneffekte werden nicht so deutlich“, erklärte Rau. Von den Anbietern forderte er vor allem Vertraulichkeit: Es gehe um Geschäftsgeheimnisse. Eine zeitgleiche Tätigkeit für einen direkten Wettbewerber wolle darum keiner.

    Mehr: Rechtsdienstleistungen in Deutschland digital neu zu erfinden, ist schwer. Das Anwaltsmonopol schottet den Markt ab – und der Staat verweigert sich der Digitalisierung.

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