Neue DGB-Chefin im Porträt: Yasmin Fahimi: „Wenn Unfähigkeit und Klugscheißerei zusammenkommen, dann kann ich giftig werden“
„Lasst euch bloß nicht den Unsinn erzählen von einer Lohn-Preis-Spirale.“
Foto: DPA [M]Hannover, Berlin. Yasmin Fahimi vermisst den guten alten VW Bulli. Vor ihr steht der ID.Buzz, der erste vollelektrische VW-Bus, der bald in den Vorverkauf gehen soll. Das Neueste vom Neuesten, was man hier im Werk von Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover besichtigen kann. Die Zukunft.
Doch Fahimi träumt sich am letzten Märztag dieses Jahres kurz zurück in die Hippievergangenheit. Der Bulli, sagt sie, sei doch immer ein Symbol des freien Lebens gewesen, Schlafsack rein und los. Im ID.Buzz sieht sie dagegen vor allem ein großes Familien-SUV. Ob man wenigstens das Dach aufmachen oder eine Matratze reinschieben könne, will sie wissen. „Was ist mit dem alten Weltenbummlerkonzept?“
Der Besuch bei VW, wo sie sich gemeinsam mit anderen Parlamentariern durch die gigantischen Werkhallen fahren lässt, gehört zum Pflichtprogramm im alten Leben der Hannoveraner SPD-Bundestagsabgeordneten Fahimi. Am Montag beginnt das neue Leben der 54-Jährigen.
Dann stellt sie sich beim Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zur Wahl als neue Vorsitzende und Nachfolgerin von Reiner Hoffmann, der sich nach acht Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Nun also, mehr als 70 Jahre nach der Gründung, rückt endlich die erste Frau an die Spitze des Dachverbands mit seinen acht Einzelgewerkschaften und ihren insgesamt noch gut 5,7 Millionen Mitgliedern.