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OECD-Studie Nur in einem Land zahlen Singles mehr Abgaben als in Deutschland

Fast nirgendwo auf der Welt müssen Ledige ohne Kinder so hohe Steuern und Abgaben zahlen wie hierzulande. Besser sieht es für Familien aus, allerdings aus einem fragwürdigen Grund.
30.04.2020 - 11:08 Uhr 8 Kommentare
Single-Haushalte in Deutschland müssen deutlich mehr an den Staat abgeben als Familien. Quelle: dpa
Steuererklärung

Single-Haushalte in Deutschland müssen deutlich mehr an den Staat abgeben als Familien.

(Foto: dpa)

Berlin Kinderlose Singles in Deutschland können sich mit einem fragwürdigen Titel schmücken: Beim Steuern und Abgaben zahlen sind sie Vizeweltmeister. Singles müssen fast genau die Hälfte ihres Einkommens an den Staat abtreten. Nur in Belgien ist die Belastung höher als hierzulande. Dies geht aus der Studie „Taxing Wages“ der Industrieländerorganisation OECD hervor, die die Steuer- und Abgabenlast international vergleicht.

Die Belastung eines Durchschnittsverdieners betrug in Deutschland demnach im Vorjahr 49,4 Prozent. Zum Vergleich: Im OECD-Schnitt waren es nur 36 Prozent. Unter den 36 untersuchten Staaten lag nur belgische Singles mit 52,2 Prozent vor deutschen.

Das gleiche Bild ergibt sich für alleinstehende Arbeitnehmer, die relativ wenig oder relativ viel verdienen. Auch sie werden in Deutschland außergewöhnlich stark zur Kasse gebeten.

Die Zahlen der OECD werden alljährlich für Forderungen nach Steuerentlastungen genutzt. Für Singles ist die Belastung ohne jeden Zweifel hierzulande auch besonders hoch.

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    Ein anderes Bild ergibt sich aber bei Familien. Hier liegt Deutschland mit einer Belastung in Höhe von 34,3 Prozent zwar auch deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 26,4 Prozent. Aber Deutschland rangiert damit nicht an der Belastungs-Spitze, sondern belegt unter den 36 Ländern den siebten Rang.

    Die Gründe dafür: Die starke steuerlicher Förderung von Familien in Deutschland über Grundfreibeträge für Kinder sowie das deutsche Ehegattensplitting. Beides sorgt für eine niedrige Steuerbelastung von Ehepaaren.

    Ehegattensplitting umstritten

    Das Ehegattensplitting kritisiert die OECD allerdings schon lange. Es sorgt dafür, dass eine Familie steuerlich umso stärker profitiert, je höher der Einkommensunterschied zwischen den Ehepartnern ist. Dies setze den Fehlanreize, dass ein Partner – meist die Frau – zuhause bleibt oder in Teilzeit arbeitet, weil sich das steuerlich rechnet.

    Grafik

    Aus der Studie geht zudem auch hervor: In Deutschland kommt die hohe Belastung weniger durch hohe Steuern als durch hohe Sozialabgaben zu Stande. Wenn die Politik die Bürger entlasten will, wären daher die Sozialabgaben der wirksamere Hebel.

    Zudem taugen die OECD-Zahlen nur bedingt als Vergleich. In den USA etwa ist die Belastung von Singles mit knapp 30 Prozent zwar viel geringer als in Deutschland. Allerdings bietet dafür der Sozialstaat auch deutlich weniger Absicherung als hierzulande. Das spüren die Menschen in der Coronakrise gerade besonders deutlich.

    Allerdings schneiden auch vergleichbare Staaten besser ab als Deutschland, darunter die skandinavischen Länder. Sie haben einen ähnlich starken Sozialstaat wie Deutschland, die Abgabenlast ist dort aber überall geringer.

    Zudem ist die Steuerlast in Deutschland trotz des fast zehn Jahre andauernden Aufschwungs kaum gesunken, obwohl die Steuereinnahmen sprudelten und die Steuereinnahmen gemessen am Bruttoinlandsprodukt außergewöhnlich hoch sind.

    Internationale Organisationen wie die OECD fordern deshalb schon lange von Deutschland die Steuern zu senken – gerade für untere Einkommen. Union und SPD zogen sogar mit identischen Konzepten in den letzten Wahlkampf - und konnten sich am Ende in den Koalitionsverhandlungen dennoch nicht auf Entlastungen einigen.

    Mehr: SPD-Chef Walter-Borjans will Gutverdiener stärker zur Rentenkasse bitten.

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    Mehr zu: OECD-Studie - Nur in einem Land zahlen Singles mehr Abgaben als in Deutschland
    8 Kommentare zu "OECD-Studie: Nur in einem Land zahlen Singles mehr Abgaben als in Deutschland"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das Höchststeuerland Deutschland hat kein Einnahmenproblem. Das Problem des Höchststeuerlandes Deutschland sind die Ausgaben!

      Viele Milliarden, wenn nicht sogar Billionen, wurden in den letzten Jahrzehnten in alle Welt verschenkt! Dazu zählen auch "Darlehen" mit endlosen Laufzeiten zu 0% Zins (Target-Salden!)

      Deutsche Steuerzahler werden bis an die Grenze des erträglichen ausgequetscht, während Steuerzahler anderer Staaten über uns lachen! Allein das Thema Schenkungs- und Erbschaftsteuer im internationalen Vergleich spricht Bände! Andere Staaten fordern von Deutschland Solidarität, ein anderes Wort für GELD, während sie ihr eigenes Volk mit Steuervergünstigungen überschütten.

      Deutschlands "Solidarität" muß da aufhören, wo andere Staaten geringere Steuerlasten haben als das Höchststeuerland Deutschland. So lange Solidarität einfordernde Staaten geringere Steuern haben als Deutschland, so lange sind alle Solidaritätszahlungen auszusetzen. Bedingungslos!

      Es ist im höchsten Maß ungerecht und unsozial, dass ein Volk mit Höchststeuern noch mehr belastet wird, während andere Völker immer mehr Solidarität von diesem Volk fordern.

      Die Forderungen der Sozialisten, die im Höchststeuerland immer noch mehr und höhere Steuer und Abgaben fordern, zeigen Wirkung. Der Millionärs- und Milliardärsexodus nimmt an Fahrt auf! Nahezu alle Staaten dieser Erde bieten günstigere Steuern und Abgaben als das Höchststeuerland Deutschland. Ab 50% Staats- oder auch Steuerquote spricht man auch von Sozialismus!

      Die Millionäre nehmen nicht nur ihr Geld und damit Konsum und Kaufkraft mit, sie nehmen oft auch Unternehmen, Know-How und sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze mit.

      Der Ruf nach noch höheren Steuern und zusätzlichen (Vermögens-)Abgaben dürfte den Exodus der Leistungsträger nur noch weiter befeuern! Nicht derjenige, der Geld von anderen fordert um es dann zu verteilen ist sozial, sondern derjenige, der das Geld verdienen erst ermöglicht.

    • @ Manfred Finken:

      Wenn alle in die Sozialsysteme einzahlen (gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung) ist das sehr wohl eine spürbare Entlastung. Für Singles, kleine Einkommen und auch für Arbeitgeber, deren Abgabenanteil dann sinkt.
       
      Und alle einzahlen heißt ja nicht nur, das auch Millionäre einzahlen. Sondern alle Großverdiener, deren Einkommen in den letzten 20 Jahren im Vergleich zum Durchschnitt ohne Zweifel enorm zugelegt haben. In Management Tätigkeiten oder mit Finanzmarkt Aktivitäten und das bei einem gesenktem Ek-Steuer Höchstsatz: von einstmals 56% bis 2000, dann bis 2005 sukzessive auf 42%, derzeit ab 270TE 45%.

      Spürbare Entlastung, weil z.B. 200 Euro mehr Netto für kleine Einkommen / Singles ein erheblicher Zuwachs sind, der zudem den Konsum befeuern würde - für "Reiche" ist die Relevanz solcher Beträge vielleicht nicht vorstellbar. Und gleichzeitig werden die Lohnnebenkosten für die Unternehmen gesenkt. Das sind je nach Unternehmen Millionen Kosteneinsparung und eine Ertrags- oder Standort-Verbesserung im globalen Wettbewerb! 

      Mehr belastet werden die "Reichen". Aber mal ehrlich: Kann man hohen Einkommen nicht zumuten, durch eine generelle Versicherungspflicht - maßvoll progressiv gestaffelt - einen angemessenen Beitrag zu leisten, für den sie selbstverständlich auch eine Leistung erhalten? Das ist doch keine nutzlose Abgabe. Und es ist keine Steuererhöhung - sondern ein verhältnismäßiger solidarischer Beitrag.

    • Bei einem Kernhaushalt der Sozialversicherungssysteme von über 700 Milliarden Euro im Jahr 2019 (so die amtliche Statistik) müssten besagte "Millionäre" schon gewaltige Beiträge einzahlen, damit am anderen Ende der Einkommensskala eine spürbare Entlastung erzielt werden könnte. Wie realistisch das ist, kann jeder selbst beurteilen. Eine "einfache" Lösung gibt es nicht. Der Kern des Problems liegt darin, welche Leistungen wir als Bürger vom Staat erwarten und was wir im Gegenzug bereit sind, an Abgaben zu zahlen. Ein umfassender Wohlfahrtsstaat(" von der Wiege bis zur Bahre") ist teuer. Wer die Abgaben, gleich ob Steuern oder Sozialabgaben, deutlich senken will, wird das nicht über höhere Einnahmen erreichen, sondern vor allem durch eine Beschränkung der Ausgaben, verbunden mit einer zielgenaueren und effizienteren Steuerung der staatlichen Leistungen. Heute werden zu viele Wohltaten mit der Gießkanne verteilt. Dass sich daran allerdings etwas grundlegend ändert, wage ich angesichts der Schwerfälligkeit unseres politischen Systems und der "Kurzsichtigkeit" unserer Entscheidungsträger(was nutzt mir bei der nächsten Wahl?) zu bezweifeln.

    • Die Lösung ist einfach: Jeder müsste in die Sozialsysteme einzahlen. Auch der Millionär.

      Dann würden die Abgaben für Singles und kleinere Einkommen drastisch sinken. Und das Sozialsystem wäre tatsächlich sozial, weil solidarisch.

      Man muss kein Linker sein um zu Erkennen, dass dies der einzig vernünftige Weg ist ein erstklassiges Sozialsystem am Leben zu halten und eine dringend notwendige sinnvolle Vermögenspolitik einzuleiten. Eine große Mehrheit der Bevölkerung - und auch eine Mehrheit der "Reichen" - wird einem echten Solidaritätssystem zustimmen, das ja eine zusätzliche private Vorsorge für Gesundheit und Alter nicht ausschließt. 

      Das Problem ist die Feigheit der Politik vor der Wahrheit.

      Politiker sind vom Sozialsystem selbst nicht tangiert. Sie fürchten den Jobverlust durch Abstrafung von einzelnen Wählergruppen (Beamte) bei der nächsten Wahl. Und sie lassen sich von den Lobbyisten in ihrer Feigheit bestärken.

    • Steuern senken für einfache Bürger - davon sind wir leider heute noch viel weiter entfernt, als ja zuvor. Als Allein-Erziehende kann ich davon ein lied singen. Es gehen immer rund 50% meines Einkommens an den Staat und Kranken-& Sozialkassen - die im Versicherungsfall nicht zahlen, was ich faktisch brauche !!! (Brillen, Zahnersatz, Medikamenten und solchen mitteln, die ich brauche, aber als Medikament nicht gezählt werden, Untersuchungen aller Art (nicht nur Vorsrge !!!) undganz zu schweigen von notwendigen (!!) Behandlungen von Krankengymnastik & co)

      Im Gegenteil: demnächst muss ich wahrscheinlich Behandlungen über mich ergehen lassen (Impfungen), die meiner Gesundheit schaden.

      Der Staat kriegt uns alle mehr und mehr in dern Griff.

      Und - sehr geehrter Herr Lixewnfeld - wenn "wir" der Staat wären, dann hatten wir auch ein Mitspracherecht - und zwar nicht nur per Krauzchen alle 4 Jahre. Derzeit beklagen wir ja genau, dass "wir" Steuerzahler eben nicht mehr gehört werden !!! Das hat mit wirtschaftsliberalität nicht zu tun ! Und auch nicht mit sozialer Marktwirtschaft. - leider ! Letzteres wäre sehr begrüßenswert ...

    • Eheleute werden steuerlich wie eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts behandelt. Es wird das gemeinsam erwirtschaftete Einkommen zu Grunde gelegt und entsprechend besteuert. Die Aufteilung im Innenverhälntis, sprich, wer welche Tätigkeiten wie vergütet erhält, ist unerheblich. Man könnte auch die Steuerklassen abschaffen und dann das jährlich erarbeitete Einkommen besteuern.
      Insgesamt ist die Balstung in Deutschland aber zu hoch, bzw. es kommt zu wenig an den Normalbürger zurück. Die Infrastruktur, Schulen etc. sind marode. Die Steuergelder werden in Großprojekten versenkt etc. Steuerverschwendung ist an der Tagesordnung.

    • Die hohen Steuern sind das Problem nicht das Ehegattensplitting

    • Die Sprache des Autors spricht Bände über sein Gesellschaftsverständnis. "Singles müssen fast genau die Hälfte ihres Einkommens an den Staat abtreten"... Das klingt so, als sei der Staat jemand Aussenstehendes, dem wir ungerechtfertigter Weise Tribut zollen müssen. Mal zur Info: Wir alle sind dieser Staat, auch der Autor ist ein Teil dieses Staates. Und wir treten nichts ab, sondern wir bezahlen für Verhältnisse, von denen wir alle massiv profitieren.
      Und vielleicht sollte der Autor - und dieses ganze Zeitung - auch mal über den immer wieder strapazierten Begriff der "Steuerlast" nachdenken. Warum sind Steuern eine Last, also eine Belastung, also etwas, das man unbedingt loswerden sollte? Wenn es diese ganze "Last" nicht gäbe, dann könnte der böse böse Staat jetzt nicht die vielen Wünsche nach Rettung und Linderung aus der "freien" Wirtschaft erfüllen, oder?
      (...) Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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