Pandemie: Lauterbach warnt vor BA.2 – Wie die Omikron-Untervariante die Infektionszahlen treibt
Der Minister zeigt sich angesichts der erneut steigenden Infektionszahlen in Deutschland besorgt.
Foto: dpaBerlin. Angesichts der sich wieder zuspitzenden Coronalage hat Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mit drastischen Worten vor dem weiteren Pandemieverlauf gewarnt. „Wir sind in einer kritischen Situation“, sagte Lauterbach am Freitag in Berlin.
Als Grund nannte er die Omikron-Untervariante BA.2, die immer mehr an Bedeutung gewinne. „Das ist ein Problem für die Krankenhausauslastung und für die Menschen, die an Covid versterben“, sagte der Minister.
Die Lage sei objektiv schlechter als die Stimmung im Land. Pro Tag würden noch 200 bis 250 Menschen sterben. „Wir können nicht zufrieden sein.“
Das RKI meldete am Donnerstag eine Rekordzahl an Corona-Neuinfektionen: Binnen 24 Stunden registrierte die Behörde 262.752 Fälle und damit erstmals mehr als 250.000 Neuinfektionen an einem Tag. Am Freitag lag die Zahl der neuen Infektionen mit dem Coronavirus bei 252.836.
Die Untervariante sei „leichter übertragbar“, warnte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, in Berlin. Was bislang über die Omikron-Subvariante bekannt ist – und was nicht.
Wie weit verbreitet ist BA.2 in Deutschland?
Der Anteil von BA.2 an den Neuinfektionen wächst laut RKI kontinuierlich und ist teilweise für den erneuten Anstieg der Covid-19-Fälle verantwortlich. Bis Ende Februar sei der Anteil der Untervariante an den Neuinfektionen auf 48 Prozent gestiegen, heißt es im Corona-Wochenbericht vom Donnerstagabend. In der Woche zuvor hatte der Wert noch bei 38 Prozent gelegen.
Wie ist die Lage auf den Intensivstationen?
Laut RKI werden derzeit rund 2000 Covid-Patienten auf den Intensivstationen behandelt. „Die Zahl geht kaum zurück“, sagte Wieler. Zudem seien in den vergangenen vier Wochen mehr als 4200 Menschen an einer Infektion gestorben, aktuell gebe es 1000 Todesfälle pro Woche.
86 Prozent der Verstorbenen seien älter als 70 Jahre. „Nach wie vor erkranken viel zu viele Menschen schwer an Covid und nach wie vor sterben auch zu viele Menschen an dieser Erkrankung“, sagte Wieler. Der Infektionsdruck sei durch BA.2 weiter sehr hoch.
Macht BA.2 schwerer krank?
Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist bisher keine Zunahme der Krankheitsschwere bei einer Coviderkrankung beobachtet worden, auch wenn es im Tierversuch Hinweise darauf gegeben hatte. Die Beobachtungen kommen allerdings aus Ländern mit vielen Geimpften und Genesenen wie Südafrika, Großbritannien und Dänemark.
Der Virologe Christian Drosten sagte kürzlich, er hoffe auf Erkenntnisse aus Hongkong, wo viele Ältere sehr zögerlich mit der Impfung gewesen seien und wo sich in dieser Gruppe durch Omikron eine hohe Krankheitslast zeige. Auch in Deutschland sorgen sich Experten vor allem um die relativ große Gruppe älterer Menschen ohne Impfschutz.
Wie wirkt sich BA.2 auf das weitere Infektionsgeschehen aus?
Fachleute befürchten seit Wochen, dass die Ausbreitung von BA.2 die Omikron-Welle verlängern und den Rückgang der Fallzahlen verlangsamen könnte. So sprach der Berliner Modellierer Kai Nagel von einer Überlagerung zweier Wellen: Unterhalb der abflachenden BA.1-Welle deute sich ein erneuter Anstieg durch den Subtyp BA.2 an. Den Höhepunkt der BA.2-Welle gebe es demnach erst Anfang April.
Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, warnte kürzlich vor einem „Corona-ist-vorbei"-Gefühl bei einer gleichzeitigen Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen. „Das macht es dem Virus natürlich leichter, wieder mehr Menschen anzustecken.“
Ist der Scheitelpunkt der aktuellen Welle erreicht, würden die Inzidenzen eher langsam sinken und bis in den Sommer hinein auf einem höheren Niveau verharren als im vergangenen Jahr, vermutet Watzl.
Mit welchen Maßnahmen reagiert die Politik auf die Untervariante?
Zuvorderst sollen die meisten Coronamaßnahmen ab dem 20. März fallen. Nach einem Gesetzesentwurf für einen Basisschutz nach Ende der Einschränkungen sollen allerdings weitergehende Eingriffsmöglichkeiten in „Hotspots“ mit kritischer Infektionslage möglich sein.
Lauterbach sagte, er erwarte wegen der Infektionslage solche „Hotspots“ in zahlreichen Bundesländern. Bereits in wenigen Tagen würden die künftig vorgesehenen Maßnahmen daher sehr schnell eingesetzt werden müssen. Er forderte die Landesregierungen auf, sich nicht mit Kritik an dem Gesetz aufzuhalten, sondern sich auf die Umsetzung der Maßnahmen vorzubereiten.
Mehrere Länder fordern weitere durch das Gesetz mögliche Schutzinstrumente. In den Hotspots wären dem Entwurf nach Zugangsbeschränkungen (2G- und 3G-Regel) sowie die Maskenpflicht in Innenräumen wie Geschäften und Schulen möglich. Regeln wie das Abstandsgebot wären allerdings nicht erlaubt.
Mit Agenturmaterial.