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Schleswig-HolsteinDrohnen sollen kritische Infrastruktur ausgespäht haben

Die Drohnen, die zuletzt in Schleswig-Holstein gesichtet wurden, haben einem Bericht zufolge wohl kritische Infrastruktur vermessen. Die Bundeswehr dementiert einen Teil des Berichts. 02.10.2025 - 12:24 Uhr aktualisiert Artikel anhören
TKMS-Werk in Kiel: Zwei Drohnen haben offenbar das Werksgelände überflogen. Foto: dpa

Düsseldorf. Einem Medienbericht zufolge haben die in der vergangenen Woche in Schleswig-Holstein gesichteten Drohnen gezielt kritische Infrastruktur ausgespäht. Dem „Spiegel“ zufolge überflogen die Drohnen ein Kraftwerk, das Universitätsklinikum Kiel (UKSH) und den Sitz der Landesregierung an der Kiellinie. Auch kam es zu Vorfällen über militärischen Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Behörden gehen dem Verdacht nach, dass die unbemannten Flieger in Schleswig-Holstein gezielt Einrichtungen überflogen haben, um diese zu vermessen, berichtet der „Spiegel“. Thyssen-Krupp-Marinetochter TKMS bestätigte einem Bericht der „Waz“ zufolge den Vorfall: „Wir können bestätigen, dass es diesen Drohnen-Überflug gegeben hat, dazu stehen wir in engem Austausch mit den Behörden.“ Dem Bericht zufolge habe man keine Kenntnisse über die Herkunft der Drohnen. Außerdem habe der Vorfall auf die Abläufe in der Werft „keinerlei Auswirkungen gehabt“, heißt es dem Bericht zufolge.

Einem internen Behördenvermerk zufolge schwebten demnach am Donnerstag kurz nach 21 Uhr zunächst zwei kleine Drohnen über dem Werksgelände der Marinesparte von Thyssen-Krupp (TKMS). Kurz darauf sei über dem Universitätsklinikum ein „Drohnenverbund mit Mutterdrohne“ gesichtet worden. Nach 22 Uhr sei eine ähnliche Formation über dem Küstenkraftwerk und am Nord-Ostsee-Kanal aufgetaucht.

Über der Kieler Förde wurden dem „Spiegel“-Bericht nach später eine große stationäre Drohne und mehrere kleine Flugobjekte beobachtet. Auch das Landeshaus Kiel, der Sitz des Landtags, wurde überflogen, berichtete das Magazin unter Berufung auf Sicherheitskreise. Zudem sei die Raffinerie Heide überflogen worden.

Nach Informationen des „Spiegels“ wurden ebenfalls am Donnerstag verdächtige Drohnen über dem Bundeswehrstandort Sanitz in Mecklenburg-Vorpommern gesichtet. Einen Tag später habe es einen ähnlichen Vorfall über dem Marinekommando in Rostock gegeben.

Die in Sanitz beheimatete Flugabwehrraketengruppe 21 (FlaRakGrp 21) verneinte den Bericht. „Am Standort Sanitz sowie an den weiteren Standorten der FlaRakGrp 21 gab es entgegen den Medienberichten keine registrierten Drohnenüberflüge“, teilte eine Sprecherin mit. „Ein detailliertes Lagebild zu eventuellen Vorfällen benachbarter Verbände liegt hier nicht vor.“

Merz: Drohnen kommen vermutlich aus Russland

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte an diesem Montag unter anderem mit Blick auf die Drohnenüberflüge über Dänemark und Schleswig-Holstein erklärt: „Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind auch nicht mehr im Frieden.“

Die Überflüge seien eine besorgniserregende Entwicklung, sagte Merz. Bis jetzt handele es sich offenbar um unbewaffnete Drohnen, die aber mit Spähtechnik ausgestattet seien und bis zu acht Meter Spannweite hätten. „Wir wissen auch noch nicht genau, wo sie wirklich herkommen. Die Vermutung liegt nahe, dass sie von Russland kommen.“

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt stuft die Bedrohung infolge der zahlreichen Sichtungen unbekannter Flugkörper mittlerweile als „hoch“ ein. Daher will der CSU-Politiker ein Drohnenabwehrzentrum einrichten.

Friedrich Merz: Der Bundeskanzler ist angesichts wiederholter Drohnenüberflüge alarmiert. Foto: Michael Kappeler/dpa

Aufspüren, abfangen und abschießen seien die Grundlagen für die Drohnenabwehr. Sich neu aufzustellen, sei ein dringendes Projekt, erläuterte Dobrindt. Das Drohnenabwehrzentrum soll nach seinen Worten die Kompetenzen von Bundespolizei, Bundeskriminalamt und den Polizeibehörden der Länder bündeln.

Drohnen über Dänemark: Anspannung vor EU-Gipfel in Kopenhagen

Die dänische Polizei nimmt derweil nach dem wiederholten Drohnenalarm an Flughäfen und weiterer kritischer Infrastruktur im Land verstärkt auch die Grenzregion zu Deutschland in den Blick. „Wir sind an der dänisch-deutschen Grenze in Süderjütland hinsichtlich des möglichen Transports von Drohnen über die Grenze besonders wachsam“, kündigte die Polizei von Süd- und Süderjütland – dem Teil Dänemarks, der direkt nördlich von Schleswig-Holstein liegt – auf der Plattform X an.

Am Mittwoch beraten die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder in Kopenhagen über gemeinsame Anstrengungen für bessere Abschreckung und Verteidigung. Mit Spannung wird erwartet, ob es Dänemark gelingt, größere Störfälle bei den Spitzentreffen zu verhindern.

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In dem Land gibt es seit Anfang vergangener Woche immer wieder Drohnenalarm. Wer hinter den Vorfällen steckt, ist bislang unklar. Russland weist den Verdacht einer Verwicklung als „bodenlos“ zurück.

jsb
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