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Staatliche Förderung Erfolg ohne Staatshilfe: Subventionen für Business-Angels bringen wenig

Wer als Investor jungen Unternehmen hilft, bekommt dafür eine steuerliche Förderung. Eine Anfrage legt nah, dass deren Wirksamkeit überschaubar ist.
27.01.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Start-ups: Subventionen für Business-Angels bringen wenig
„Business-Angels“

Die erfahrenen Geschäftsengel fördern mithilfe von Investitionen – und Ratschlägen – junge Unternehmen.

Frankfurt Damit gute Geschäftsideen nicht an Kapitalmangel scheitern, hilft vielerorts der Staat. Allerdings wollen Regierungen weder Geld in windige Geschäftsideen versenken, noch selbst auswählen, was erfolgversprechend ist. Sie verlassen sich vielmehr auf das Urteil derer, die mit Beteiligungen an Start-ups ihr eigenes Geld riskieren.

Sie fördern Investitionen von Wagniskapitalgebern in der Hoffnung, damit den Zugang junger Unternehmen zu Eigenkapital zu erleichtern. Idealerweise ist mit der Investition auch Hilfe bei der Unternehmensführung verbunden, nämlich dann, wenn die Investoren sogenannte Business-Angels sind, die sich als erfahrene Brancheninsider auch mit Rat und Tat engagieren.

In Deutschland gibt es seit 2013 das Programm „Invest“. Vermögende Privatpersonen oder kleine Beteiligungsgesellschaften mit bis zu sechs Gesellschaftern bekommen vom Staat ein Fünftel ihrer Investitionssumme erstattet. Zusätzlich können sie sich im Erfolgsfall bei Verkauf ihrer Anteile die Steuer auf den Gewinn pauschal erstatten lassen.

Das Programm hat allerdings ein Problem: Das Geld fließt nicht recht ab. Wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage von FDP-Abgeordneten hervorgeht, wurde von den jeweils 46 Millionen Euro, die für 2017 und 2018 bereitgestellt waren, weniger als die Hälfte abgerufen. Eine Evaluation soll klären, woran das liegt.

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    Aktuelle Studien aus dem angelsächsischen Raum können wertvolle Hinweise geben. Sabrina Howell von der Stern School of Business und Filippo Mezzanotti von der Kellogg School of Management haben ähnliche Förderprogramme von US-Bundesstaaten untersucht.

    Keine Wirkung auf relevante Zielgrößen

    Dabei machten sie sich unterschiedliche Einführungszeiträume zunutze, um die Wirkungen der Programme zu untersuchen. Sie stellten fest, dass zwar das Auflegen eines Förderprogramms zu mehr Angel-Investments in junge Unternehmen führt.

    Sie konnten aber keine Wirkung auf die relevanten Zielgrößen im jeweiligen Bundesstaat ermitteln. Weder erhöhte sich die Beschäftigung in jungen Unternehmen noch die Anzahl der Start-ups in den relevanten Branchen. Dabei haben die Förderprogramme einen beträchtlichen Gesamtumfang, und die Mittel fließen tatsächlich ab.

    Letzteres liegt maßgeblich an einem wichtigen Unterschied zum deutschen Förderprogramm. Unternehmensinsider sind nicht von der Förderung ausgeschlossen. Die beiden Forscher stellten fest, dass mindestens ein Drittel der Fördermittel an Investoren ging, die eine Führungsposition in den begünstigten Unternehmen innehatten. Der tatsächliche Anteil der geförderten Insider dürfte noch größer sein, da deren Identifizierung schwierig war.

    Im Vergleich zu Insidern liegen den Außenstehenden nur wenige objektive Informationen über das junge Unternehmen vor. Ihr Risiko ist damit deutlich größer – das ist die Hauptrechtfertigung für die deutschen Förderprogramme. Allerdings darf man davon ausgehen, dass das Geld der Insider auch ohne Förderung in das Unternehmen investiert würde.

    Aus diesem Grund sind Unternehmensinsider in Deutschland von der Förderung ausgeschlossen. Dieser Ausschluss scheint die geringe Nachfrage nach der Förderung zu erklären. Jedenfalls haben Juanita Gonzalez-Uribe und Daniel Paravisini von der London School of Economics bei der Evaluation eines britischen Förderprogramms, das ebenfalls Insider ausschließt, auch einen geringen Mittelabfluss festgestellt.

    Zu hoher Aufwand

    Sie erklären das geringe Interesse damit, dass der Aufwand, den die Beteiligung zusätzlicher Investoren am Unternehmen gerade für Start-ups verursacht, sehr hoch sei. Nur wegen der Förderung werde man das jedoch selten ins Auge fassen.

    Wenn Eigenkapitalinvestoren hereingeholt werden, dann sei das oft ohnehin geplant, und die Förderung werde nur mitgenommen – oft von Einmalinvestoren, die mit den Unternehmensgründern verbunden sind. Echte Business-Angel-Investoren fänden dagegen oft den Verwaltungsaufwand für die Förderung zu hoch.

    Neben den Insider-Investoren fanden Howell und Mezzanotti in der US-Studie auch über ein Drittel geförderte Unternehmen, die vorher schon von anderer Seite Kapital aufgenommen hatten. Diese wären vermutlich auch ohne Förderung an weiteres Kapital gekommen. Solche Unternehmen sind auch in Deutschland nicht von der Förderung ausgeschlossen.

    Die Autoren verglichen die Entwicklung von geförderten und nicht geförderten, aber grundsätzlich förderfähigen Unternehmen. Sie stellten fest, dass Unternehmen mit geförderten Investoren sich nicht besser entwickelten als solche, die Kapital nur aus anderer, nicht geförderter Quelle hereingeholt hatten.

    Besonders hilfreich für die korrekte Interpretation von Evaluierungsergebnissen des deutschen Invest-Programms könnte eine weitere, ganz aktuelle Studie aus den USA sein. Christian Catalini, Jorge Guzman und Scott Stern von den Universitäten MIT und Columbia legen eine verbreitete Verzerrung von Wirkungsanalysen offen.

    Sie entsteht, wenn die Entwicklung von Unternehmen, in die Risikokapitalgeber investiert haben, mit der von allen anderen jungen Unternehmen verglichen wird. Tut man das, wird man wahrscheinlich eine erheblich bessere Entwicklung bei Ersteren feststellen.

    Erfolg auch ohne Wagniskapital

    Das kann aber daran liegen, dass die Wagniskapitalgeber Unternehmen mit dem besten Geschäftsmodell aussuchen, die auch ohne Wagniskapital besonders hohe Erfolgschancen hätten. Will man wissen, wie wichtig das Wagniskapital für diese Unternehmen war, ist das nicht der richtige Vergleich.

    Stattdessen ermittelten die drei anhand einer Datenbank aller gegründeten Unternehmen, welche Aspekte diese interessant für Wagniskapitalgeber machen. Die Definition von Wagniskapitalgeber schließt dabei Fonds und andere institutionelle Anleger ein. Die wichtigsten Kriterien waren Gründung als Kapitalgesellschaft und Gründung in Delaware, wo es zwar teuer ist, aber die Steuern und die Regulierung gering sind. Wichtig ist außerdem ein kurzer Name, der nicht der Name des Gründers ist, und der Besitz von Patenten oder eingetragenen Handelsmarken.

    Obwohl diese Informationen über die Start-ups sehr grob sind und aus der Gründungszeit stammen, nicht vom Zeitpunkt der Wagniskapitalinvestition, reichen sie aus, das meiste des vermeintlich positiven Effekts von Wagniskapital als Auswahleffekt zu enttarnen. Denn im Vergleich nur zu Start-ups, die diese Eigenschaften auch haben, aber ohne Wagniskapital auskommen mussten oder wollten, schneiden die Start-ups mit Wagniskapital nur wenig besser ab.

    Mehr: Finanz-Start-ups haben sich längst einen festen Platz in der Finanzwelt gesichert und 2019 etliche Rekorde gefeiert. Doch auf dem Weg zum dauerhaften Erfolg lauern Hürden.

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