Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Der Start-up-Verband präsentiert sich schlagkräftiger denn je

Die neue Führung des Start-up-Verbands hat das Potenzial, Deutschland zu einer Gründerrepublik zu machen. Die Prominenz in der Spitze gibt der Lobbyarbeit ein großes Gewicht.
19.12.2019 - 10:48 Uhr Kommentieren
Die Übernahme von Miele kommt nun gerade noch rechtzeitig, meint Larissa Holzki. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Christian Miele

Die Übernahme von Miele kommt nun gerade noch rechtzeitig, meint Larissa Holzki.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Der Neustart beim Bundesverband Deutsche Start-ups ist eine starke Botschaft nach außen. 38 Gründer, Investoren und Business-Angel hat der Investor Christian Miele künftig als oberste Vertreter der deutschen Gründerszene um sich herum aufgestellt. Mit Beirat und Kuratorium sind es sogar 51. Am Dienstag hat die Mitgliederversammlung das Team geschlossen und einstimmig gewählt. Das ist keine Führungsspitze mehr, das ist eine Führungsfront.

Alle Vertreter haben Erfahrung im Klinkenputzen, wovon sie heute profitieren. Sie haben prominente Namen: Felix Haas, der für seine Gründermesse Bits & Pretzels gerade den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama nach München geholt hatte, Lea-Sophie Cramer und Sebastian Pollok, deren Sexspielzeug-Gründung zuletzt 9,6 Millionen Gewinn gemacht hat, Oliver Samwer von Rocket Internet, Hakan Koc von Auto1, Jochen Engert von Flixbus. Mieles Truppe verkörpert die Gegenwart und Zukunft des deutschen Unternehmertums.

Egal ob Politiker, Unternehmer, Bankier oder ganz normaler Bürger: Ab sofort kennt jeder einen Unternehmer, der sich offiziell als Sprachrohr der deutschen Start-ups vorstellt – oder zumindest seine Gründung.

Es gibt Verbände, die gleichen Selbsthilfegruppen. Der Start-up-Verband, der über mangelnde Finanzierung, fehlende Fachkräfte und schwierige Wettbewerbsbedingungen jammern könnte, inszeniert sich bewusst anders.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Jedem soll klar sein: Wenn schon diese Menschen von Problemen berichten und Wettbewerbsnachteile anprangern, dann hat es nicht an Potenzial und Einsatz gefehlt. Dann muss wirklich etwas getan werden, auch um international mithalten zu können bei neuen Technologien und Geschäftsmodellen.

    Wenn die gewählten Vertreter mit dem gleichen Elan Lobbyarbeit machen, mit dem sie ihre Unternehmen aufgebaut haben, hauchen sie Deutschland nicht nur Gründergeist ein, sondern machen es zur Start-up-Republik.

    Ein noch stärkeres Zeichen als nach außen ist der Neustart beim Start-up-Verband jedoch nach innen. Ein Verband gibt Menschen eine Stimme, die alleine nicht gehört werden würden. Deshalb gibt es vom Bausachverständigenverband bis zum Bundesverband des Deutschen Fliesenfachhandels so unzählige Verbände.

    Aber weil das sehr nach Protokoll und Sitzungsordnung und nicht nach Skalierbarkeit und Risikokapital klingt, hielten viele Gründe einen Start-up-Verband lange für absurd und unnötig. Welch ein Irrtum.

    Miele kommt zur richtigen Zeit

    Die Übernahme von Miele kommt nun gerade noch rechtzeitig. Denn nach sieben Jahren Aufbauarbeit, in denen die Branche sich noch geformt und gefunden hat, war der Verband ins Schlingern geraten – auch weil ein Verband sich nicht führen lässt wie ein Start-up, das erstmal Schulden machen darf.

    Ein Branchenverband, der sich verkalkuliert und zu dessen Events nur wenige Leute kommen, ist eine Katastrophe für die Außenwirkung der Start-up-Szene. Der Neustart kommt, bevor sich Mitglieder distanzieren.

    Miele führt die Szene zu einem neuen Selbstbewusstsein. Er hat in sein Team Leute geholt, die dabei sein wollen und solche, die aus seiner Sicht dabei sein sollen. Unter seinen Vorständen sind die Hälfte Frauen. Er hat auch Menschen mit an Bord gebracht, die gescheitert und aufgestanden sind, neben Promis auch Gründer, die von ihnen lernen können.

    Ein Start-up kann vieles sein zwischen Ein-Mann- und Einhorn-Unternehmen. Die meisten Gründer begreifen erst jetzt, dass sie gemeinsame Interessen haben, wie Wachstumskapital und Anreize für Mitarbeiter, und dass sie eher zusammen als allein beim Gründen Hilfe bekommen im Wettbewerb mit all den anderen etablierten Branche.

    Doch die neue Aufstellung birgt auch Gefahren. Bei so vielen Gründern mit eigenem Kopf und eigenem Stolz sind Streitigkeiten und verletzte Eitelkeiten eine Frage der Zeit. Schnell könnte es Stress darum geben, wer auf welchem Podium sitzen und wer welche Einladung annehmen darf.

    Es wird unterschiedliche Meinungen geben, wie viel Vertreter auf Bühnen und in Hinterzimmern über die Verbandsinteressen und wie viel sie über ihre eigenen Unternehmen sprechen dürfen. Klar ist: Neben ihren Verbandsaufgaben, die fast alle ehrenamtlich sind, haben viele auch ein Unternehmen zu führen, dem sie sich als Gründer immer zuerst verpflichtet fühlen.

    Die Führung ist so aufgestellt, dass die einen ihren Namen geben und andere die meiste Arbeit erledigen. Wenn der Glamour in den Gremien dazu führt, dass die weniger Bekannten in den Hintergrund geraten, ist vielleicht wieder Schluss mit dem Gemeinschaftsgefühl. Und manche Vertreter werden sich in der Masse der Verantwortlichen alsbald verstecken.

    Ein solches Alle-Mann-an-Bord-Modell kann nur für eine Konsolidierungsphase dienlich sein. Wenn die Führungsriege zu groß ist, wird die einfache Mitgliedschaft entwertet.

    Miele sagt, wenn jeder Vorstand einen Abend im Monat zu einem Empfang geht, nimmt der Verband jeden Tag ein Dinner mit. Doch um überall dabei zu sein, sollte er darüber nachdenken, einfach für alle Mitglieder Visitenkarten mit Verbandsaufschrift drucken lassen. Das dürfte effizienter sein und leichter zu organisieren als ein Vorstand, der größer ist als eine Schulklasse.

    Mehr: Investor Frank Thelen sagt im Interview mit dem Handelsblatt, warum er die TV-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ verlässt, spricht über seine Zukunftspläne – und erklärt, auf welche Technologien Deutschland setzen sollte.

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Der Start-up-Verband präsentiert sich schlagkräftiger denn je
    0 Kommentare zu "Kommentar: Der Start-up-Verband präsentiert sich schlagkräftiger denn je"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%