Start-ups: Wie Deutschland das Tech-Potenzial von Migrantenkindern vergeudet
Hierzulande stoßen Kinder von Migrantinnen und Migranten immer noch auf große Karrierehindernisse.
Foto: HandelsblattBerlin. Wenn Iskender Dirik sich bei seiner Arbeit als Tech-Manager und Investor über eine E-Mail ärgert oder ihn ein Meeting stresst, wandert sein Blick oft hinüber zu der Chipstüte auf seinem Schreibtisch. Die Packung der Marke Funny-frisch liegt ausgestellt in einem Glaskasten in seinem Büro. Sie ist für den 40-Jährigen mehr als nur ein eingeschweißter Snack.
Es handelt sich um jene Sorte Chips, die sich Dirik als Junge nach dem Schwimmunterricht nie leisten konnte – seine Klassenkameraden aber schon. „Das hilft mir wertzuschätzen, wo ich jetzt bin, und nicht zu vergessen, wo ich herkomme“, sagt Dirik. Er ist heute Hauptgeschäftsführer des Websitebauers Wix für Deutschland und Österreich.
Diriks Kindheit in den 1980er-Jahren als Sohn türkischer Gastarbeiter im Hamburger Arbeiterviertel Wilhelmsburg war seiner Erinnerung nach geprägt von Geldsorgen, aber auch einem tiefgehenden Gemeinschaftsgefühl. Um es von dem Jungen, der sich keine Chips leisten konnte, zu einem erfolgreichen Tech-Manager zu schaffen, musste Dirik viele Um- und auch Irrwege in Kauf nehmen. Jemanden, der ihn dabei hätte leiten können, hatte er lange Zeit nicht.