Vierte Impfung: Wann sollte eine erneute Booster-Impfung gegen Corona erfolgen?
Seit Mitte Februar rät die Stiko Menschen ab 70, Bewohnern von Pflegeeinrichtungen sowie Menschen mit Immunschwäche ab fünf Jahren zu einer zweiten Boosterimpfung.
Foto: dpaDie Virusvariante Omikron verursacht im Vergleich zu anderen Varianten mildere Krankheitsverläufe. Ältere Personen und schwer immungeschwächte Menschen sind jedoch weiterhin dem Risiko ausgesetzt, schwer an Covid-19 zu erkranken und zu versterben. Karl Lauterbach (SPD) plädiert daher seit Wochen für eine zweite Booster-Impfung. In der Debatte um eine vierte Impfung liegen nun Daten aus Israel vor.
Wie ist die aktuelle Studienlage rund um die vierte Impfung gegen Corona?
Eine israelische Studie untersuchte die Wirksamkeit der vierten Corona-Impfung mit Biontech/Pfizer bei knapp 1,25 Millionen Menschen über 60 Jahren. Das Ergebnis: Nach etwa sechs Wochen konnten im Vergleich zu den Dreifach-Geimpften nur noch minimale Unterschiede in Hinblick auf den Schutz vor einer Infektion festgestellt werden.
Der Schutz vor einer schweren Erkrankung ließ während des Studienzeitraums (10. Januar bis 2. März 2022) allerdings nicht nach. Im Gegenteil: Das Risiko einer schweren Covid 19-Erkrankung wurde durch die vierte Dosis nochmal deutlich verringert. Wie lange der Schutz vor einer schweren Erkrankung anhält, lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht gesichert sagen.
Wie äußert sich die Europäische Arzneimittelbehörde zur vierten Corona-Impfung?
Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hält derzeit eine vierte Corona-Impfung für alle Bürger nicht für notwendig. Für eine generelle Empfehlung sei es momentan zu früh, teilte die EMA in Amsterdam gemeinsam mit der EU-Gesundheitsbehörde ECDC mit.
Eine vierte Dosis könnte aber für Menschen ab 80 Jahren sinnvoll sein angesichts des höheren Risikos einer schweren Covid-Erkrankung in dieser Altersgruppe.
„Für Erwachsene ab 60 Jahre mit einem normalen Immunsystem gibt es zur Zeit keine schlüssigen Beweise, dass der Impfschutz gegen eine schwere Erkrankung abnimmt und dass eine vierte Dosis einen Mehrwert hat”, erklärten die Behörden. Es gebe aber auch keine Sicherheitsbedenken gegen eine zweite Auffrischungsimpfung.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hatte sich erst kürzlich in Brüssel für eine vierte Corona-Impfung für alle ab 60 Jahren eingesetzt. Die EU-Staaten erklärten, sie wollten in dieser Frage einheitlich vorgehen. Für die Entscheidung hatten sie die Empfehlung ihrer Gesundheitsbehörden abgewartet.
Bisher werden die meisten Corona-Impfstoffe in zwei Dosen verabreicht. Da der Schutz aber nach einigen Monaten abnimmt, empfehlen die Behörden eine dritte Dosis, den sogenannten Booster oder die Auffrischung.
Vierte Impfung: Was empfiehlt die Ständige Impfkommission?
Seit Mitte Februar rät die Ständige Impfkommission (Stiko) nur bestimmten Gruppen zur Viertimpfung: Menschen ab 70, Bewohnern von Pflegeeinrichtungen sowie Menschen mit Immunschwäche ab fünf Jahren. Wegen der Ausbruchsgefahr sind auch Beschäftigte von Einrichtungen wie Kliniken und Pflegeheimen einbezogen. Bei gesundheitlicher Gefährdung rät die Stiko, die zweite Auffrischung frühestens drei Monate nach der ersten vorzunehmen. Bei Gesundheits- und Pflegepersonal soll es mindestens ein halbes Jahr Abstand sein.
Welche Impfstoffe kommen für eine vierte Impfung derzeit infrage?
Die Stiko empfiehlt eine zweite Auffrischimpfung mit den in der EU zugelassenen mRNA-Impfstoffen – Biontech oder Moderna. Zu bevorzugen sei der mRNA-Impfstoff, der bei der Grundimmunisierung bzw. der ersten Booster-Impfung zum Einsatz kam. Das geht aus den Covid-19-Impfempfehlungen des Instituts vom 17. Februar 2022 hervor.
Zur Wirksamkeit des Impfstoffs Nuvaxovid gegen Omikron können derzeit keine Aussagen getroffen werden, erklärt das Robert Koch-Institut. Nuvaxovid, ein Impfstoff auf Proteinbasis der Firma Novavax, ist seit Dezember 2021 in der EU für die Grundimmunisierung gegen Covid-19 zugelassen. Die Stiko empfiehlt die Grundimmunisierung mit Nuvaxovid jedoch nur für Personen, die älter als 18 Jahre sind.
Mit Agenturmaterial