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WasserstoffBund schiebt weitere Wasserstoff-Projekte mit Milliarden an

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat Förderbescheide für 22 Wasserstoff-Infrastrukturprojekte übergeben. Ein bedeutendes Projekt geht vorerst jedoch leer aus.Klaus Stratmann 15.07.2024 - 11:34 Uhr
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck am Hochofen von Thyssen-Krupp neben NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur. Foto: Oliver Berg/dpa

Berlin. Mit den Projekten verbinden Politik und Industrie große Hoffnungen: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat am Montag 22 Förderbescheide für Wasserstoffvorhaben übergeben – sie sollen den Hochlauf einer Wasserstoff-Wertschöpfungskette beschleunigen.

Gefördert werden der Bau von Elektrolyseuren, in denen mit Strom aus erneuerbaren Quellen grüner Wasserstoff hergestellt wird, der Aufbau eines Wasserstoff-Pipelinenetzes, die Entwicklung von Wasserstoffspeichern und von Terminals zum Import von Wasserstoff.

Habeck sagte bei Übergabe der Bescheide, mit der Förderung von Wasserstoffprojekten gehe man einen wichtigen Schritt hin zu einer klimaneutralen und nachhaltigen Wirtschaft in Europa und darüber hinaus. „Wir geben den Startschuss für die Errichtung von Elektrolyseuren der dreistelligen Megawatt-Klasse und ermöglichen damit wichtige Fortschritte bei der inländischen Produktion von grünem Wasserstoff. Eine leistungsfähige Wasserstoffinfrastruktur spielt eine Schlüsselrolle, um die Dekarbonisierung der Industrie und des Energiesektors zu ermöglichen“, sagte Habeck.

Finanzierung von Wasserstoff-Projekten: Bund und Länder machen gemeinsame Sache

Mit einer Kofinanzierung von 30 Prozent durch die beteiligten Bundesländer sehen Bund und Länder gemeinsam eine Förderung von 4,6 Milliarden Euro für die Projekte vor. Die Unternehmen selbst investieren nach Angaben des Ministeriums zusätzlich 3,3 Milliarden Euro. Damit beläuft sich das Volumen der Gesamtinvestitionen auf 7,9 Milliarden Euro.

Ein 23. Projekt erhielt am Montag noch keinen Förderbescheid, aber immerhin die Genehmigung für den vorzeitigen Maßnahmenbeginn.  Das heißt: Die Initiatoren dürfen auf eigenes Risiko mit der Arbeit beginnen und haben Aussicht darauf, den Förderbescheid später zu bekommen. Wahrscheinlich erhalten sie ihn noch in diesem Sommer, hieß es aus Ministeriumskreisen. Über die Gründe wurde zunächst nichts bekannt. Bei dem 23. Projekt handelt es sich um „Aquaductus“, ein Wasserstoff-Pipeline-Projekt in der Nordsee.

Diese Wasserstoff-Projekte kommen für Förderung infrage

Die Projekte sind Teil der „dritten Welle“ von Wasserstoffprojekten, die als sogenannte IPCEI-Vorhaben eingestuft wurden. IPCEI steht für Important Projects of Common European Interest. Projekte, die von der EU-Kommission als IPCEI-Vorhaben anerkannt werden, dürfen von den EU-Mitgliedstaaten großzügig gefördert werden, die strengen beihilferechtlichen Bedingungen gelten hier nicht. Das IPCEI-Instrument wird auch für andere Vorhaben eingesetzt, etwa zur Förderung der Mikroelektronik oder für den Aufbau einer Batteriezellfertigung.

Bereits im Februar 2024 hatte die EU-Kommission die Projekte bekannt gegeben, denen Habeck nun die Förderbescheide überreichte. Sie laufen unter der Überschrift „Hy2Infra“. Neben den 23 Vorhaben aus Deutschland sind acht weitere aus anderen EU-Staaten Teil der dritten IPCEI-Förderung von Wasserstoffprojekten. Die EU-Kommission hatte den EU-Mitgliedstaaten im Februar erlaubt, insgesamt bis zu 6,9 Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln zu bewilligen. Dadurch sollen zusätzlich private Investitionen im Umfang von 5,4 Milliarden Euro mobilisiert werden.

Mit der Übergabe der Förderbescheide endet ein mehrstufiges Verfahren, das sich über drei Jahre hinzog. Viele Projekte mussten im Laufe dieser Zeit immer wieder angepasst werden, weil sich die Bedingungen geändert hatten. Für die Unternehmen entwickelte sich das zur Geduldsprobe.

Deutschlands Firmen erstmals stark bei Förderung vertreten

Die Versorgung mit klimaneutralem Wasserstoff soll die Abhängigkeit von Erdgas verringern und der Industrie helfen, klimaneutral zu werden. Damit gehört der Aufbau einer Wasserstoff-Wertschöpfungskette zu den wichtigsten Bestandteilen des europäischen Green Deals.

Bereits im Juli 2022 hatte die Kommission die erste Gruppe von IPCEI-Vorhaben genehmigt. Schwerpunkt war damals die Entwicklung von Wasserstofftechnologien. Die zweite Gruppe wurde von der Kommission im September 2022 genehmigt und betraf Wasserstoffanwendungen in der Industrie.

In der ersten Welle kamen lediglich vier von 41 Projekten aus Deutschland, in der zweiten Welle befand sich unter den 35 Projekten keines aus Deutschland. In der dritten Welle bilden nun Projekte aus Deutschland die große Mehrheit.

Die IPCEI-Förderung ist ein wesentlicher Baustein, mit dem die Transformation der Industrie zur Klimaneutralität vorangebracht werden soll. Der Schwerpunkt liegt auf der Investition in Anlagen und Infrastruktur.

17 Gebote für Klimaschutzverträge eingegangen

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Parallel dazu arbeitet das Bundeswirtschaftsministerium daran, den Betrieb von wasserstoffbasierten Anlagen zu ermöglichen, deren Betriebskosten voraussichtlich noch über Jahre höher liegen werden als die Betriebskosten konventioneller Anlagen. Entscheidendes Element sind dabei Klimaschutzverträge.

Ende vergangener Woche endete die erste Pilotauktion für solche Verträge. Unternehmen der energieintensiven Industrie konnten sich um eine 15-jährige Förderung für ihre Transformationsprojekte bewerben. Nach einer vorläufigen Auswertung des Bundeswirtschaftsministeriums wurden 17 Gebote mit einem Volumen von 5,3 Milliarden Euro eingereicht. Für die erste Gebotsrunde der Klimaschutzverträge steht ein Fördervolumen von bis zu vier Milliarden Euro zur Verfügung. In den kommenden Wochen folgt die Auswertung der Gebote.

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