Analyse: Die große Entfremdung: Wie Trump das deutsch-amerikanische Verhältnis nachhaltig schädigt
Seit 2018 verschlechtert sich die Beziehung zwischen dem US-Präsidenten und Deutschland.
Foto: ReutersWashington. Der erste Gruß, den das Weiße Haus nach Donald Trumps Entlassung aus der Klinik verschickte, ging an Deutschland. Der US-Präsident gratulierte zum „German-American-Day“ am 6. Oktober, der die 45 Millionen US-Bürger mit deutschem Einwanderungshintergrund würdigt. Trump ist einer von ihnen, stammt doch sein Großvater Fred aus der Pfalz.
Doch die freundliche Geste kann über die transatlantische Entfremdung nicht hinwegtäuschen. Seit zweieinhalb Jahren war Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht mehr in Washington. Der spärliche Kontakt ist nicht nur mit der Corona-Pandemie zu erklären, denn die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA haben sich unter Trump rapide verschlechtert.
Die Transatlantikexpertin Constanze Stelzenmüller von der Washingtoner Denkfabrik Brookings spricht von einem „sehr persönlich grundierten Animus“, den der Präsident gegen Deutschland hegt. Auch Trumps Ex-Sicherheitsberater John Bolton beschreibt eine „negative Obsession des US-Präsidenten mit Deutschland“.
Die Ablehnung hat tiefe Spuren hinterlassen, die auch die Zeit nach den Präsidentschaftswahlen in Washington prägen dürften. Dokumentiert sind unzählige Auslassungen, auf Twitter oder Wahlkampfbühnen, gegen deutsche Exporte, das Verteidigungsbudget, die deutsch-russische Pipeline Nord Stream 2 oder Merkels Flüchtlingspolitik. „Die Zukunft gehört nicht den Globalisten, sondern den Patrioten“, bekräftigte Trump im vergangenen Jahr vor den Vereinten Nationen. Merkel hörte von den hinteren Reihen im Saal zu.