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Argentinien-Krise Die IWF-Chefin Kristalina Georgiewa steht vor einer großen Bewährungsprobe

Kristalina Georgiewa muss die Argentinien-Krise lindern, die ihre Vorgängerin Lagarde mitverursacht hat. Erfahrungen als Krisenmanagerin hat die Bulgarin.
21.02.2020 - 16:45 Uhr Kommentieren
Die Bulgarin gilt als bodenständig. Quelle: dpa
Kristalina Georgiewa

Die Bulgarin gilt als bodenständig.

(Foto: dpa)

Washington Es sind zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Christine Lagarde, die ehemalige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), und ihre Nachfolgerin Kristalina Georgiewa. Lagarde, inzwischen Präsidentin der Europäischen Zentralbank, ist eine Frau mit aristokratischer Attitüde, ebenso elegant wie unnahbar, mitunter sogar herrschsüchtig, wie böse Stimmen ihr nachsagen.

Ganz anders dagegen Georgiewa: Die Bulgarin pflegt einen offenen Umgang, gilt als bodenständig und ist stolz, sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet zu haben. Mit ihrer Ernennung zur IWF-Chefin im Oktober 2019 sei eine neue Kultur in das Haus eingezogen, sagen Mitarbeiter des Fonds.

Was die beiden Frauen verbindet: ein Problem, das Lagarde ihrer Nachfolgerin eingebrockt hat. Und es „Problem“ zu nennen scheint fast noch untertrieben. Gerade erst wenige Monate im Amt, könnte es womöglich zur größten Bewährungsprobe für die 66-jährige Bulgarin werden.

Die Französin Lagarde hatte dem dauerpleitegefährdeten Argentinien einen 56-Milliarden-Dollar-Kredit zugestanden. Das war nicht nur das größte Darlehen, das der IWF jemals in seiner Geschichte vergeben hat. Lagarde hatte den Kredit auch gegen erheblichen Widerstand in den eigenen Reihen durchgesetzt. Georgiewa hat nun offiziell feststellen lassen, dass das südamerikanische Land überschuldet ist und die privaten Gläubiger Verzicht üben müssten.

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    Das ist gleich aus drei Gründen heikel: Erstens galt das Land schon vor Vergabe des IWF-Kredits als hoffnungslos überschuldet. Zweitens waren die Auflagen, also das Reformprogramm, das der Fonds damals vereinbarte, laut Kritikern viel zu lasch. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis dem Krisenland das Geld ausgehen würde. Argentinien leidet unter einer Rezession und Inflationsraten von mehr als 50 Prozent und ist vor allem im Ausland hochverschuldet.

    Drittens: Der IWF fordert nun einen Beitrag der Gläubiger zur Entschuldung, nimmt sich selbst aber davon aus. Der Fonds, teilte Georgiewa mit, dürfe aus rechtlichen Gründen nicht auf die Rückzahlung von Schulden verzichten. Das ist richtig – einerseits. Andererseits steht auch die Reputation des IWF als Krisenmanager auf dem Spiel, wenn es die Schuldendynamik einer Volkswirtschaft derart falsch einschätzt und die Konsequenzen – ein möglicher Zahlungsausfall – so harsch sind.

    Gegenspieler Donald Trump

    Die Lage ist für Georgiewa umso schwieriger, weil ein mächtiger Mann, der ein paar Häuserblocks weiter im Weißen Haus residiert, den IWF zunehmend kritisch sieht. Donald Trump ist kein Fan multilateraler Institutionen und repräsentiert als Präsident der USA den mit Abstand größten Anteilseigner des Fonds.

    Wird Georgiewa, die an den amerikanischen Eliteuniversitäten Yale und Harvard sowie der London School of Economics Volkswirtschaft lehrte, diese Situation meistern?

    Erfahrungen als Krisenmanagerin hat sie: Anfang der 90er-Jahre begann Georgiewa ihre Karriere als Umweltökonomin bei der Weltbank. Gleich zwei Mal war sie EU-Kommissarin, unter anderem zuständig für den 160 Milliarden Euro schweren Haushalt.

    Nach sieben Jahren in Brüssel kehrte sie 2017 zur Weltbank zurück – als Geschäftsführerin und Vizedirektorin. In dieser Funktion organisierte sie unter anderem die Kapitalerhöhung um 13 Milliarden Dollar.

    Kaum beim IWF gestartet, setzte die Konservative Akzente. Sie warnte vor den gravierenden Folgen der Handelskonflikte, was als Kritik an Trump verstanden werden kann. Die Welt befände „sich in einer Phase der synchronen Abschwächung“, sagte Georgiewa. Sie kritisierte, anders als ihre Vorgängerin, die Nullzinspolitik der Notenbanken: „Wenn die Akteure von dauerhaft niedrigen Zinsen sprechen, jagt mir das einen Schauer über den Rücken“, sagte sie im Januar in Davos. Ein Großteil der Liquidität ströme an die Börsen.

    Und sie wagte sich an umstrittene Personalentscheidungen. So muss der langjährige und angesehene Vizechef David Lipton den Fonds Ende Februar verlassen, ebenso wie Carla Grasso, die zu den stellvertretenden Direktoren gehört. Die Entscheidung war auch umstritten, weil Trump das entscheidende Wort bei Liptons Nachbesetzung hat. Gerüchte, der Präsident selbst habe die Absetzung betrieben, bestätigten sich nicht.

    Im Fonds heißt es, Georgiewa habe ein operatives Amtsverständnis und nicht wie Lagarde ein eher repräsentatives. Lipton, der als großer Manager des IWF galt, werde daher nicht mehr gebraucht.

    Operativ tätig werden muss Georgiewa jetzt vor allem im schwierigen Argentinien-Fall. Es heißt, wenn die Bulgarin weitreichende Entscheidungen zu treffen habe, höre sie Beethovens Fünfte. Nicht unwahrscheinlich, dass ihre Mitarbeiter die wuchtige Symphonie demnächst häufiger hören werden.

    Mehr: Vom Ostblock zur Weltbank – Wie Kristalina Georgiewa Karriere machte

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