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Coronakrise Unternehmertätigkeit in Russland sinkt auf Rekordtief seit Beginn der Putin-Ära

Klein- und Mittelständler in Russland sind bedroht: Die Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit sind im zweiten Quartal deutlich zurückgegangen.
04.08.2020 - 14:38 Uhr Kommentieren
Seit dem Amtsantritt des Kremlchefs ist die Unternehmertätigkeit in Russland zurückgegangen. Quelle: dpa
Präsident Wladimir Putin

Seit dem Amtsantritt des Kremlchefs ist die Unternehmertätigkeit in Russland zurückgegangen.

(Foto: dpa)

Moskau Die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise haben in Russland im zweiten Quartal insbesondere Unternehmer zu spüren bekommen: Erst mussten Restaurants, Cafés und Hotels schließen, dann ordnete Präsident Wladimir Putin landesweite Betriebsferien bei Lohnfortzahlung an – für alle Unternehmen, die nicht als strategisch wichtig galten.

Die nun von der Statistikbehörde Rosstat vorgelegten Zahlen zeigen nun, wie stark die Unternehmertätigkeit in Russland in dieser Zeit zurückgegangen ist: Der Anteil unternehmerischer Einnahmen an den Gesamteinkünften der Bevölkerung ist im Frühjahr auf 3,5 Prozent gefallen.

Zum Vergleich: Im ersten Quartal lag der Anteil immerhin noch bei 5,9 Prozent der Gesamteinkünfte. Das entspricht nun einem Rückgang von 40 Prozent. Der Anteil markiert damit ein Rekordtief seit Beginn der Putin-Ära.

Und selbst diese Zahl sagt nicht die ganze Wahrheit. Denn gleichzeitig sind trotz der Putin’schen Forderung nach Lohnfortzahlung und erhöhter Sozialtransfers auch die Realeinkommen der Russen massiv gesunken. Der Einbruch von acht Prozent ist der schärfste Rückgang seit 1999. Damals durchlebten die Russen gerade die Folgen des Staatsbankrotts und der damit einhergehenden Rubelentwertung.

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    Das monatliche Pro-Kopf-Einkommen der Russen lag laut Statistik im zweiten Quartal bei 32.854 Rubel – umgerechnet also bei weniger als 400 Euro. Unternehmer haben demnach im zweiten Quartal fast die Hälfte ihrer Einkünfte verloren. Eine schwere Belastung speziell für Klein- und Mittelständler.

    So wie für Anastasija Tatulowa. Ende März hatte sich die Besitzerin der Kindercafé-Kette Anderson bereits an Putin gewandt. „Vor zwei Wochen war ich noch Mittelständlerin, jetzt gehöre ich zu den Kleinstunternehmern“, sagte sie. Tatulowa forderte Unterstützung für die Wirtschaft und prognostizierte anderenfalls, dass viele Unternehmen aus dem Dornröschenschlaf, in den sie wegen der Krise verfielen, nicht mehr aufwachen würden.

    Corona beschleunigt Trend

    Tatulowa konnte ihr Geschäft schließlich durch den Verkauf von Anteilen an den Bankier Alexander Lebedjew retten. Doch viele andere Unternehmer sind auf der Strecke geblieben. Andere sind in die Schattenwirtschaft gewechselt.

    Corona hat diesen Trend beschleunigt, der ohnehin seit Putins Amtsantritt im Gang ist. Der Anteil von Unternehmereinkünften an der Gesamtstruktur der Bevölkerungseinnahmen ist seit Jahren rückläufig, auch weil der Kreml große Teile der Wirtschaft verstaatlicht hat. Inzwischen sind rund 70 Prozent der Wirtschaft wieder in staatlicher Hand.

    Die Vergrößerung des Staatsanteils in der Wirtschaft geht dabei keineswegs nur auf Kosten der Oligarchen, auch wenn die Enteignung des Yukos-Konzerns oder der Verkauf von TNK-BP an Rosneft international die größten Schlagzeilen gemacht haben. Der Anteil der Klein- und Mittelständler (KMU) am Gesamtaufkommen der Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren ebenfalls immer geringer geworden. 2017 erwirtschafteten KMU 22 Prozent des russischen Bruttoinlandsprodukts (BIP), 2018 nur noch 20,2 Prozent. Experten erwarten für 2019 ebenfalls einen Rückgang. Die offiziellen Zahlen veröffentlicht Rosstat zum Jahresende 2020. Für das laufende Jahr wird ein noch stärkerer Einbruch erwartet.

    Der Politologe Iwan Preobroschenski bezeichnete angesichts der Zahlen russische Unternehmer als „aussterbende Art“. Zumindest hat die Bedeutung des Unternehmertums in Russland in den vergangenen 20 Jahren deutlich abgenommen. Als Putin im Jahr 2000 die Amtsgeschäfte übernahm und die Daten erstmals erhoben wurden, lagen die Einnahmen aus unternehmerischer Tätigkeit nämlich noch bei 14,7 Prozent der Gesamteinnahmen der Bevölkerung.

    Mehr: Deutsche Unternehmen sind Krisengewinner in Russland.

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