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Coronavirus Wie die Reisenden auf der Diamond Princess bei Laune gehalten werden

Seit gut einer Woche steht das Kreuzfahrtschiff Diamond Princess wegen des Coronavirus unter Quarantäne. Ein Spaziergang an Deck ist nur erlaubt, wenn das Schiff ablegt.
08.02.2020 - 16:10 Uhr Kommentieren
Die Quarantäne auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess wird wohl um weitere 14 Tage verlängert. Quelle: Reuters
Diamond Princess

Die Quarantäne auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess wird wohl um weitere 14 Tage verlängert.

(Foto: Reuters)

Yokohama Der Kreuzfahrtschiff-Anleger im Hafen von Yokohama ist verwaist. Die Diamond Princess, auf der fast 3700 Passagiere und Crewmitglieder seit dem 3. Februar wegen des Coronavirus in Quarantäne leben, ist am Vormittag in See gestochen. Auch zehn Deutsche seien unter den Passagieren meldet die Botschaft in Tokio. Aber nur, weil der Virus auf dem Schiff umgeht, muss es nicht die ganze Zeit an der Kaimauer liegen.

Regelmäßig läuft es aus, zuletzt am Mittwoch. An diesem Samstag wird nun eine kleine Rundreise die Passagiere erst entlang der Izu-Halbinsel und dann in einem großen Bogen bis Sonntag früh zurück nach Yokohama führen. Die See werde recht ruppig, entschuldigt sich der Kapitän. Man werde wieder die Stabilisatoren einsetzen, um die Bewegungen zu minimieren.

Der Brite David Abel verzieht während der Ansprache kurz das Gesicht. Mit seiner Frau ist der Rentner durch seine Liveberichten und Postings auf Facebook zu einem Internetstar geworden. So berichtet er auch an diesem Samstagmorgen von dem Schiff. Mehrfach pro Tag geht er online, um sich zu beschäftigen und die Stimmung der Gefangenen des Coronavirus zu heben. Und das ist auch notwendig, denn die Crew wird an diesem Tag noch schlechte Nachrichten an die Passagiere überbringen.

Bei drei weiteren Passagieren wurde das Coronavirus festgestellt. Damit sind insgesamt 64 Virusträger auf dem Schiff, 20 von ihnen sind bereits in Krankenhäuser an Land gebracht worden. Und Abel weiß, was nun dem Rest der Passagiere droht: „Das bedeutet, dass die Quarantäne-Uhr auf Null zurückgestellt wird“, erklärt er in einem späteren Post.

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    Das dürfte für viele Reisende ein Schock sein. Denn damit verlängert sich die Quarantäne nach den bisherigen Regeln um weitere 14 Tage. Der Kapitän kündigt in seiner kurzen Rede an, dass ab diesem Tag eine Hotline für Passagiere eingerichtet werde. Damit will das Team offenbar Lagerkoller und Verzweiflung vorbeugen, die durch die immer neuen Verlängerungen der Quarantäne ausgelöst werden könnten. Denn nicht alle haben wie Abel eine Außenkabine.

    Reisende mit einer Außenkabine können an die frische Luft oder auch mit Nachbarn reden. Quelle: AFP
    Passagiere auf der Diamond Princess

    Reisende mit einer Außenkabine können an die frische Luft oder auch mit Nachbarn reden.

    (Foto: AFP)

    Er kann oft Freiluft schnuppern und sich sogar mit Kabinennachbarn austauschen. Aber viele Passagiere sehen die Welt nur durch Fenster oder gar nicht, wenn sie eine preiswertere Innenkabine gebucht haben. Die Crew versucht daher, die Gefangenschaft so angenehm und abwechslungsreich wie möglich zu gestalten.

    Das Fernsehprogramm sei erweitert worden, erklärt die Reederei. Eltern berichten, dass es Unterhaltungspakete für den Nachwuchs gegeben habe, mit Malkreide, Schminke und einer Gesichtsmaske. Als Sportprogramm wird über das Schiffsnetz auch chinesische Taiji-Gymnastik ausgestrahlt.

    Außerdem wird bei der Ausfahrt den Eingesperrten Freigang gewährt. In Gruppen von 50 Personen dürfen sie sich für mehr als eine Stunde auf den Decks die Füße vertreten – mit einer Gesichtsmaske gegen die Virusgefahr und warmer Kleidung gegen den kalten Winterwind. Auch diese Freizeitbeschäftigung überträgt Abel bei Facebook.

    Die Diamond Princess bietet für diese Art des Freizeitvergnügens genügend Platz. 2004 lief der 116.000-Tonnen-Kreuzer der britisch-amerikanischen Kreuzfahrtgesellschaft Princess Cruises in Japan vom Stapel. Er gehört damit zur Grand Class, der zweitgrößten Klasse des Reiseriesen, der mit 18 Schiffen einer der größten Kreuzfahrtanbieter der Welt ist. Die größere Royal Class verdrängt noch einmal 30.000 Tonnen mehr Wasser.

    Aber trotz des Reiseluxus belasten die Einschränkungen und die Unklarheit, wann die „Gefangenschaft“ enden wird, viele Reisende auch. Yardley Wong, die mit ihrem sechsjährigen Sohn auf dem Schiff gefangen ist, deutet das Leid an. Man solle mal versuchen, 72 Stunden in einer kleinen Kabine ohne Fenster zu leben, schreibt sie auf Twitter. „Absolute Isolation.“

    Ihr Sohn steckt dies aber offenbar bisher gut weg. „Er sagt, er habe die beste Zeit seines Lebens“, teilte sie noch am Freitag mit. Aber sie sorge sich um die Senioren. Ältere amerikanische Passagiere berichteten dem US-Sender FoxNews, dass sie schon versucht hätten, sich von ihrer Versicherung retten zu lassen. Aber die Regierungen in den USA und Japan sind bisher gegen den Bruch der Quarantäneprotokolle.

    Chefin der Linie ist nach Japan geflogen

    Ob diese zeitlich offene Massenisolation auf einem Schiff allerdings bis zum Ende durchgeführt werden kann, muss sich noch zeigen. Schon schwirren Gerüchte herum, dass die USA mit Hilfe ihrer Marine auf See ihre 428 Bürger von dem Kreuzfahrer bergen werden, um die Betroffenen dann an Land zu beobachten.

    Die Krise hat inzwischen auch Jan Swartz, die Chefin der Linie, mobilisiert. Sie ist am Freitag in Japan eingetroffen und kündigte an, die Hilfe für die Passagiere zu verstärken, zum Beispiel durch multilinguale Informationen zur neuartigen Viruserkrankung aus China. Immerhin sind Menschen aus 56 Ländern an Bord.

    In einer Videobotschaft hat sie zudem den Passagieren gedankt, Mitgefühl aus- und Mut zugesprochen. Sie habe auch gesagt, dass sie jetzt gerne bei ihren Kunden wäre, berichtet Abel. Aber in Wahrheit dürfte sie wohl froh sein, nicht an Bord zu dürfen, merkt der Brite humorig an. Er und seine Frau scheinen auf jeden Fall entschlossen zu sein, sich nicht unterkriegen zu lassen. Er hat angefangen, neue Fotos von der Kreuzfahrt und alte Fotos aus seinem Archiv auf Facebook mit der Welt zu teilen. Nun will er einen Fotokurs für seine neuen Follower beginnen.

    Mehr: Chinesische Zentren testen bereits verfügbare Wirkstoffe der US-Firmen Gilead und Abbvie. Grundlegende Neuentwicklungen gegen das Corona-Virus würden viel zu lange dauern.

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