Deindustrialisierung: Deutsche Firmen streben wieder nach Osteuropa
Berlin. Die hartnäckigen Probleme am Standort Deutschland veranlassen Unternehmen mit Osteuropa-Erfahrung dazu, Produktionsverlagerungen zu prüfen. Das geht aus einer aktuellen Auswertung der Unternehmensberatung KPMG und des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft hervor, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.
Demnach gaben 22 Prozent der befragten Unternehmen an, ihre Produktionsaktivitäten 2025 möglicherweise aus Deutschland nach Mittel- und Osteuropa zu verlegen.
Für besonders geeignet halten die Befragten Polen, Rumänien und die Ukraine. An der Studie teilgenommen haben 133 Unternehmen, die bereits in Mittel- und Osteuropa aktiv sind oder es zuvor waren.
Bis Februar 2026 erwägen 19 Prozent eine Produktionsverlagerung. Erst bei drei Prozent sei die Entscheidung schon gefallen.
Michael Harms, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, geht davon aus, dass das Interesse an möglichen Verschiebungen von Produktionsstätten über die Befragten hinausgeht. Das Interesse sei ihm zufolge „nicht nur auf die Unternehmen mit Osteuropaerfahrung begrenzt“. Grund sind der Erhebung zufolge „bekannte Standortschwächen Deutschlands“.
Die Länder, an denen die Unternehmen besonderes Interesse zeigen, würden mit kompetenten Arbeitskräften und kosteneffektiven Produktionsmöglichkeiten punkten, ist Harms überzeugt.