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Demos in Dortmund1.500 Menschen protestieren gegen Schmähvideo

Mit Plakaten wie „Nein zu Gewalt, Ja zu Toleranz“ protestierten am Samstag 1.500 Menschen gegen das Mohammed-Video in Dortmund. In der islamischen Welt bleibt die Lage weiter angespannt. 22.09.2012 - 16:03 Uhr Artikel anhören

In Dortmund protestierten am Samstag 1500 Personen gegen eine Ausstrahlung des Schmähvideos aus den USA.

Foto: Reuters

Berlin/Dhaka/Dortmund/Islamabad/Kano. In Dortmund haben am Samstag rund 1.500 Menschen gegen das islamfeindliche Mohammed-Video protestiert. Die Demonstration, die am Mittag begann und gegen 14 Uhr mit einer Abschlusskundgebung in der Innenstadt endete, verlief nach Angaben eines Polizeisprechers „absolut störungsfrei und problemlos“. Unter den Teilnehmern seien auch viele Frauen und Kinder gewesen.

Auf Plakaten hieß es „Moses, Jesus, Mohammed sind unsere heiligen Propheten“ oder „Nein zu Gewalt, Ja zu Toleranz“ . Deutsche, libanesische und türkische Fahnen wurde geschwenkt. Unter den Teilnehmern waren auch zahlreiche Kinder und Familien. Die Protestaktion in der Dortmunder Innenstadt war um 12 Uhr gestartet. Eine Privatperson hatte die Demonstration unter dem Motto „Gegen die Beleidigung des Propheten“ angemeldet. Gerechnet wurde mit 200 bis 1.000 Teilnehmern. Erst am Freitagabend hatten 600 Menschen in Münster protestiert.

Am Freitag hatten bereits rund 1000 Menschen in Freiburg und Münster gegen das Schmähvideo demonstriert. Weitere Protestkundgebungen sollen am Wochenende in Karlsruhe und Hannover stattfinden. Auch in der islamischen Welt gingen die Demonstrationen weiter.

Gegen den Film „Die Unschuld der Muslime“, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird, gibt es seit mehr als anderthalb Wochen Proteste vor allem in der islamischen Welt. In Pakistan waren am Freitag zehntausende Menschen auf die Straße gegangen, bei Ausschreitungen wurden dort mindestens 17 Menschen getötet und 200 verletzt.

Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) forderte, die Ausstrahlung des Videos in Deutschland zu verbieten. „So einen Film darf man nicht zeigen. Wir sollten nicht zusätzlich Öl ins Feuer gießen“, sagte er der „Bild“ vom Samstag. Er sei zwar ein Freund der Meinungsfreiheit, wisse aber, dass diese Grenzen habe. „Derjenige, der sich in dieser Frage auf grenzenlose Meinungsfreiheit beruft, hat keine Ahnung, welche Konflikte dadurch noch provoziert werden können“, mahnte Niebel.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) verurteilte jegliche Gewalt im Namen der Religion. „Die größte Beleidigung für eine Religion ist es, in ihrem Namen Gewalt auszuüben“, sagte er der Zeitung. „Deswegen müssen wir uns gemeinsam gegen die islamistische Terrorideologie wehren: selbstbewusst und mit einem klaren Bekenntnis zu unseren freiheitlichen Werten.“

Der Journalist und Schriftsteller Günter Wallraff forderte derweil die Veröffentlichung weiterer Mohammed-Karikaturen. „Solange sich nur einzelne Individuen oder Medien an dieser Demonstration von Freiheit beteiligen, wird nicht viel erreicht“, sagte er dem Berliner „Tagesspiegel“ vom Samstag. „Man müsste im Grunde die Zeitungen, Illustrierten, Magazine jetzt überschwemmen mit Karikaturen – und zwar zu allen Religionen. Das wäre eine deutliche Botschaft.“ Sich jetzt wegzuducken „ermutigt gerade diejenigen, die mit Drohungen, Einschüchterungen und mordlüsternen Aktionen Terrain gewinnen wollen“, sagte er.

In Frankreich waren am Samstag jegliche Protestaktionen verboten. In der Bevölkerung stoßen die bitterbösen Mohammed-Karikaturen auf ein geteiltes Echo. Nach einer Umfrage der Tageszeitung „Sud-Ouest“ sind 51 Prozent der Franzosen dafür. 47 Prozent der Befragten glauben, die Veröffentlichung könnte in der aktuellen Situation zu neuen Spannungen führen.

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Foto: AFP
Mohammed-Karikatur

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Nach neuen antiwestlichen Massenprotesten gegen die Beleidigung des Propheten Mohammed mit vielen Toten und Verletzten bleibt die Lage in der islamischen Welt angespannt. In Pakistan herrschte am Samstag erhöhte Alarmbereitschaft, nachdem bei Unruhen nach dem Freitagsgebet laut Zeitungsberichten mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen waren. In Bangladesch rief eine Allianz von zwölf islamischen Parteien für Sonntag zu einem landesweiten Generalstreik auf.

Die Wut der Massen entzündet sich an einem Schmähvideo aus den USA, das den Propheten Mohammed verunglimpft. Seit eineinhalb Wochen kommt es in islamischen Ländern deswegen rund um den Globus zu Massenprotesten mit etlichen Toten. Der explosiven Lage zum Trotz goss das Pariser Satiremagazin „Charlie Hebdo“ weiter Öl ins Feuer und veröffentlichte seitenweise neue Mohammed-Karikaturen.

In Pakistan, wo die Ausschreitungen mit Abstand am blutigsten waren, blieb es am Samstag nach Polizeiangaben zunächst ruhig. Premierminister Raja Pervez Ashraf hatte den Freitag zum landesweiten Feiertag zu Ehren des Propheten erklärt. Sowohl in der Hauptstadt Islamabad als auch in Lahore, Karachi und Peshawar versuchten aufgebrachte Muslime, mit Gewalt in die besonders gesicherten Bereiche um die ausländischen Botschaften und Konsulate einzudringen. Zeitungen berichteten von mehr als 200 Verletzten.

Auch im muslimisch geprägten Bangladesch war es am Freitag zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. In der Hauptstadt Dhaka wurden nach Polizeiangaben mindestens 100 Protestierer verletzt. Nach Polizeiangaben kam es zu Zusammenstößen, als die Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Dhaka versuchten, eine Demonstration zu beenden. Die Beamten setzten Tränengas und Schlagstöcke ein, um die Menge aufzulösen. Augenzeugen zufolge setzten die Demonstranten mehrere Fahrzeuge in Brand. An den Protesten beteiligten sich Mitglieder zahlreicher islamischer Gruppierungen. Aus Protest gegen die Polizeiaktion riefen die Demonstranten für Sonntag zu einem landesweiten Generalstreik auf.

Im libyschen Bengasi, wo vor zehn Tagen ein wütender Mob das US-Konsulat angegriffen und den US-Botschafter Chris Stevens sowie drei weitere Amerikaner getötet hatte, demonstrierten am Freitagabend Tausende gegen Gewalt und islamistische Milizen. Einige Protestierer stürmten nach Angaben von Aktivisten ein Camp der Miliz Ansar al-Scharia. Die Islamisten stehen im Verdacht, an dem Angriff auf das Konsulat beteiligt gewesen zu sein.

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Auch in Nigeria demonstrierten am Samstag zehntausende Menschen gegen den Film. Der Protestzug erstreckte sich über mehrere Kilometer durch die Stadt Kano, wie ein AFP-Reporter berichtete. „Tod Amerika, Tod Israel, Tod den Feinden des Islam“, riefen sie dabei. Die Organisatoren des Protests forderten die US-Regierung auf, Schmähungen des Islam zu unterbinden. Kano ist die zweitgrößte Stadt des Landes und liegt im Norden Nigerias, in dem vor allem Muslime leben.

Das Außenministerium des Sudan verurteilte inzwischen erstmals den Sturm auf die deutsche Botschaft in Khartum vor einer Woche. Der Angriff verstoße gegen die Ideale und die Ethik des Islam, heißt es in einem Schreiben an Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP), das der „Welt am Sonntag“ vorlag. Der Sudan werde sich an der Beseitigung der Schäden am Botschaftsgebäude finanziell beteiligen.

afp, dapd, dpa
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