Der letzte Brief von James Foley: „Wir sehnen uns nach der eigenen Freiheit“
„Ich bete für Euch, dass Ihr stark bleibt“ – diese Botschaft sendet Jim Foley an seine Familie.
Foto: apJames „Jim“ Foley ist tot. Enthauptet von einem Henker der Terrormiliz IS. Das Video seiner Hinrichtung ging um die Welt. Fast zwei Jahre war der 40-jährige Journalist in Gefangenschaft. Nun haben seine Eltern seinen letzten Brief veröffentlicht.
Dabei hatten die Geiselnehmer Foley eigentlich verboten, mit der Außenwelt Kontakt aufzunehmen. Alle seine Schreiben seien konfisziert worden, heißt es auf der Facebook-Seite „James Foley 1973 - 2014“. Allerdings erklärte sich ein Mitgefangener bereit, Folyes Botschaft auswendig zu lernen. Als dieser in Freiheit war, diktierte er folgenden Brief an Foleys Familie:
Liebe Familie und Freunde,
Ich erinnere mich noch daran, wie ich mit Dad ins Einkaufszentrum gegangen bin, an eine lange Radtour mit Mom. Ich erinnere mich an so viele schöne Augenblicke mit der Familie, die mich aus diesem Gefängnis davontragen. Träume von der Familie und Freunden tragen mich davon, und Freude erfüllt mein Herz.
Ich weiß, ihr denkt an mich und betet für mich. Und ich bin sehr dankbar. Ich kann euch alle fühlen, vor allem, wenn ich bete. Ich bete für euch, dass ihr stark bleibt und weiter glaubt. Ich spüre, dass ich euch selbst in dieser Dunkelheit berühren kann.
18 von uns werden zusammen in einer Zelle gehalten, was mir hilft. Wir haben uns, um lange Gespräche über Filme, Nichtigkeiten und Sport zu führen. Wir spielen Spiele, die wir aus Abfällen in unserer Zelle gebastelt haben… Wir haben Wege gefunden, Dame, Schach und Risiko zu spielen… Und wir machen Wettbewerbe, für die wir ein paar Tage lang Strategien vorbereiten. Die Spiele und gegenseitiges Unterrichten helfen dabei, dass die Zeit vergeht. Sie sind eine große Hilfe. Wir erzählen uns immer wieder die gleichen Geschichten und lachen, um die Spannung zu verringern.
Ich habe schwache und starke Tage. Wir sind so dankbar, wenn jemand freikommt. Aber natürlich sehnen wir uns nach unserer eigenen Freiheit. Wir versuchen, uns zu ermutigen und die Kraft zu teilen. Wir werden inzwischen besser und täglich mit Essen versorgt. Wir haben Tee, manchmal Kaffee. Ich habe fast alles Gewicht, das ich im vergangenen Jahr verloren hatte, wieder zugenommen.
Ich denke sehr viel an meine Brüder und an meine Schwester. Ich erinnere mich daran, wie ich mit Michael in der Dunkelheit Werwolf gespielt habe und an so viele andere Abenteuer. Ich denke daran, wie ich Mattie und T um die Küchenzeile herumgejagt habe. Es macht mich glücklich, an sie zu denken. Wenn auf meinem Konto noch Geld übrig ist, möchte ich es an Michael und Matthew geben. Ich bin so stolz auf Dich, Michael, und dankbar für meine glücklichen Kindheits-Erinnerungen – und Kristie, für die glücklichen Erinnerungen als Erwachsene.
Und Big John, wie sehr ich es genossen habe, Dich und Cress in Deutschland zu besuchen. Danke, dass ihr mich bei euch hattet. Ich denke viel an RoRo und versuche mir vorzustellen, wie Jack so ist. Ich hoffe, er hat RoRos Charakter!
Und Mark… auch auf Dich bin ich sehr stolz, Bro (Bruder - d. Red.). Ich denke an Dich an der Westküste und hoffe, Du bist ein bisschen snowboarden und campen. Besonders erinnere ich mich daran, wie wir zusammen im Comedy Club in Boston waren und an unsere große Umarmung danach. Die besonderen Momente lassen mich hoffnungsvoll bleiben.
Katie, bin sehr stolz au Dich. Du bist die Stärkste und Beste von uns allen!! Ich denke an Dich, wie Du hart arbeitest und als Krankenschwester Menschen hilfst. Ich bin sehr froh, dass wir uns noch SMS geschrieben hatten, kurz bevor ich gefangen genommen wurde. Ich bete, dass ich zu Deiner Hochzeit kommen kann… jetzt höre ich mich schon an wie Granny (Oma - d. Red.)!!
Granny, bitte nimm Deine Medikamente, gehe spazieren und weiter zum Tanzen. Ich habe vor, Dich zu Margarita`s auszuführen, wenn ich nach Hause komme. Bleib stark, weil ich Dich dabei brauchen werde, mein Leben wieder zurückzugewinnen.
Jim