Donald Trump: Wenn der US-Kongress sich selbst abschafft
San Francisco. Es ist der 23. Tag des Government Shutdowns in Washington, und während im Kongress eine gespenstische Ruhe herrscht, lässt Donald Trump Taten sprechen. Bis zum Donnerstagnachmittag war der gesamte East Wing des Weißen Hauses von Bulldozern abgerissen worden, um Platz zu schaffen für einen 27.000 Quadratmeter großen Ballsaal, ganz nach dem Geschmack des Präsidenten.
Amerikas Architekturhistoriker zeigten sich entsetzt, ihr Dachverband äußerte „große Besorgnis über den geplanten Anbau“. Im East Wing sind traditionell die Büros der First Lady untergebracht, die in Person von Melania Trump jedoch nie ins Weiße Haus eingezogen ist. Trump selbst hatte versprochen, der Ballsaal werde den Flügel „nicht beeinträchtigen“: Sein 300-Millionen-Dollar-Projekt zeige „totalen Respekt vor dem bestehenden Gebäude.“ Was folgte, war der totale Abriss.
Die Symbolik ist schwer zu übersehen: Trump reißt nicht nur das historische Gebäude, sondern auch die institutionellen Normen nieder, die das politische Washington prägen. Das sagen seine Kritiker. Und besonders auffällig ist das Schweigen der Gewalt, die dem Präsidenten eigentlich Einhalt gebieten sollte: der Kongress.