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Erdbeben in ThailandChinesischer Baukonzern nach Hauseinsturz unter Druck

Ermittler gehen davon aus, dass an der Unglücksbaustelle in Bangkok minderwertiger Stahl zum Einsatz kam. Der tödliche Vorfall bringt einen der wichtigsten Baukonzerne Chinas in Bedrängnis.Mathias Peer 02.04.2025 - 17:04 Uhr Artikel anhören
Bagger arbeiten an dem eingestürzten Hochhaus in Bangkok: Noch immer werden Dutzende Menschen unter den Trümmern vermisst. Foto: Carola Frentzen/dpa

Bangkok. Mindestens 15 Menschen sind tot, Dutzende werden weiterhin unter den Trümmern der in Bangkok eingestürzten Hochhausbaustelle vermisst. Mehrere Tage nach dem verheerenden Erdbeben, das am vergangenen Freitag Südostasien erschüttert hat, schwindet in der thailändischen Hauptstadt die Hoffnung, in dem Berg aus Stahl und Beton noch Überlebende zu finden. Gleichzeitig wächst der Druck auf einen chinesischen Staatskonzern, der für die Unglücksbaustelle verantwortlich war.

Eine Tochtergesellschaft der China Railway Engineering Corporation (CREC) – einer der größten Baukonzerne der Welt – war zusammen mit einer lokalen Firma mit dem Bau des 30 Stockwerke hohen Gebäudes beauftragt worden, das während des Bebens mit Epizentrum im benachbarten Myanmar binnen Sekunden in sich zusammenbrach.

Erste Erkenntnisse von Ermittlern legen nun nahe, dass bei dem Bauprojekt offenbar minderwertige Materialien zum Einsatz kamen. Chinas Bauindustrie, die in Asiens Schwellenländern stark expandiert, droht ein erheblicher Reputationsschaden.

Bei der Suche nach der Unglücksursache fanden die thailändischen Behörden laut Industrieminister Akanat Promphan mehrere Stahlstangen, deren Qualität den Bauanforderungen laut ersten Testergebnissen nicht genügt. Sie stammen thailändischen Medienberichten zufolge von einem weiteren chinesisch kontrollierten Unternehmen, dessen Fabrik aufgrund von Produktionsmängeln bereits im Dezember von den Behörden zwangsweise geschlossen wurde.

Akanat kündigte weitere Untersuchungen der Baumaterialien an. Sein Ministerium ging in den vergangenen Monaten gezielt gegen Hersteller von minderwertigem Stahl vor und ordnete die Schließung von insgesamt sieben Fabriken an. „Viele dieser Fabriken verwendeten ein altes Produktionsverfahren und aus China verlagerte Anlagen“, sagte der Minister.

Vier chinesische Staatsbürger festgenommen

Das Gemeinschaftsunternehmen von CREC und der lokalen Baufirma ITD bestritt jegliches Fehlverhalten. Man habe alle Vorschriften eingehalten, um Qualität und Sicherheit zu gewährleisten, hieß es in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Unterdessen teilte Thailands Justizministerium mit, wegen des Verdachts des Einsatzes minderwertiger Materialien zu ermitteln. Außerdem gebe es Hinweise auf Verstöße gegen Vorschriften, die den ausländischen Anteilsbesitz an Baufirmen regeln.

Laut der Zeitung „Bangkok Post“ durchsuchte die Polizei am Mittwoch ein Gebäude, das von der CREC-Tochter genutzt worden sei. Bereits am Wochenende waren vier chinesische Staatsbürger im Zusammenhang mit dem Einsturz festgenommen worden. Sie hätten sich laut thailändischen Behörden unerlaubt Zutritt zum Unglücksort verschafft und versucht, von dort Dokumente mitzunehmen.

Die Regierung verspricht, das tödliche Unglück konsequent aufzuklären. „Wir müssen eine Antwort auf die Frage finden, was den Einsturz verursacht hat“, sagte Thailands Premierministerin Paetongtarn Shinawatra. „Wir müssen den Menschen und der Welt sagen, was in Thailand passiert ist.“

Das Beben der Stärke 7,7 vom vergangenen Freitag verursachte besonders große Schäden in Myanmar, wo nach Behördenangaben knapp 3000 Menschen getötet wurden.

In Bangkok war der von CREC mitverantwortete Hochhausrohbau das einzige Gebäude, das komplett zerstört wurde. Der Bürokomplex, der künftig das staatliche Rechnungsprüfungsamt hätte beheimaten sollen, hatte einen Auftragswert von umgerechnet etwa 57 Millionen Euro.

Naturkatastrophe

Zahl der Toten bei schwerem Erdbeben in Myanmar steigt auf 2886

CREC ist in Thailand an einer Reihe weiterer Bauprojekte beteiligt, darunter ein Passagierterminal an einem Flughafen im Süden des Landes. Regierungschefin Paetongtarn kündigte an, alle Vorhaben mit Beteiligung des chinesischen Konzerns einer Überprüfung zu unterziehen.

CREC ist mit mehr als 300.000 Mitarbeitern eines der wichtigsten Infrastrukturunternehmen Chinas und an einer Reihe von internationalen Bauprojekten im Rahmen von Chinas Seidenstraßeninitiative beteiligt.

Wachsende Skepsis gegenüber chinesischen Baufirmen

Chinas Botschaft in Thailand bemühte sich angesichts öffentlicher Kritik um Schadensbegrenzung. Sie teilte mit, die Regierung in Peking weise ihre im Ausland tätigen Unternehmen konsequent an, „sich strikt an die lokalen Gesetze und Vorschriften zu halten“. „Wir fordern das betreffende chinesische Unternehmen auf, bei den Ermittlungen der thailändischen Regierung uneingeschränkt zu kooperieren.“

14
Menschen
starben 2024 in Serbien, als ein Dach eines Bahnhofs einstürzte, der von CREC-Tochtergesellschaften errichtet wurde.

Der Einsturz in Bangkok ist nicht der erste tödliche Zwischenfall mit Verbindung zu CREC. Im vergangenen Jahr stürzte in Serbien das Dach eines Bahnhofs ein, der von CREC-Tochtergesellschaften errichtet wurde. 14 Menschen starben bei dem Vorfall. Der Konzern war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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Beobachter erwarten, dass chinesische Bauunternehmen nach dem Unglück in Bangkok kritischer gesehen werden. Tzeng Wei-Feng, der am Institut für Internationale Beziehungen der National Chengchi University in Taiwan forscht, kommentierte: „Die südostasiatischen Länder dürften nun ihre Zusammenarbeit mit chinesischen Unternehmen überdenken und die Projekte sorgfältiger prüfen.“

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