Gegenspionage: Die unheimliche Macht im Hintergrund – Wie der ukrainische Geheimdienst arbeitet
Der ukrainische Sicherheitsdienst ist auch militärisch aktiv.
Foto: APKiew. Über die Frage, welche Rolle Geheimdienste spielen sollen und dürfen, diskutieren selbst gefestigte Demokratien in Friedenszeiten leidenschaftlich. In der Ukraine ist das freiheitliche System noch jung, dazu befindet sich das Land im Krieg gegen Russland – ein Staat, der seit Jahrzehnten die „Kunst“ perfektioniert, auch mithilfe seiner Geheimdienste die politischen Führungen seiner Nachbarn zu schwächen oder zu stürzen. Die Gegenspionage verantwortet der SBU, der Sicherheitsdienst der Ukraine – ein ebenso mächtiger wie intransparenter Koloss mit 27.000 Angestellten.
Seit Kriegsbeginn meldet der SBU regelmäßig, Netzwerke aufgedeckt und zerschlagen zu haben, in denen sich Kollaborateure und russische Spione gegen die Ukraine verschworen haben. Der Inlandsgeheimdienst ist auch in den jüngst befreiten Gebieten aktiv, jagt mutmaßliche Verräter, spielt eine militärische Rolle und bekämpft Korruption. Der SBU leidet allerdings unter einem massiven Vertrauensdefizit.
Zu Beginn des Krieges leistete er sich umfangreiche Verfehlungen. So floh die SBU-Führung unter ungeklärten Umständen von Kiew nach Lwiw. Die Eroberung Chersons im Süden gestaltete sich für die russischen Truppen deutlich leichter, da sich die lokalen Geheimdienstkommandanten ohne Erlaubnis absetzten. Ein SBU-General hatte die Ukraine bereits am 23. Februar verlassen. Er wurde später in Serbien mit viel Bargeld und Diamanten im Auto verhaftet.