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GriechenlandArbeitslosigkeit in Griechenland fällt unter Vorkrisenniveau

Die Arbeitslosenquote nähert sich erstmals seit 14 Jahren wieder einstelligen Werten. Aber bei den Einkommen wirken die Folgen der Finanzkrise weiter nach.Gerd Höhler 07.11.2023 - 14:17 Uhr Artikel anhören

Feuerwehrleute mit Zeitverträgen fordern auf einer Demo in Athen im September bessere Arbeitsbedingungen.

Foto: AP

Athen. Der Wirtschaftsaufschwung in Griechenland macht sich positiv auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Nach den neusten Angaben des staatlichen Statistikamts Elstat ging die Arbeitslosenquote im September auf zehn Prozent zurück. Das war der niedrigste Stand seit September 2009, als die Quote 10,1 Prozent betrug.

Damals hatte sich bereits die griechische Staatsschuldenkrise abgezeichnet. Auf ihrem Höhepunkt erreichte die Arbeitslosigkeit im Juni 2013 einen historischen Rekordwert von 28,1 Prozent. In der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen waren damals sogar 57,5 Prozent der Arbeitsuchenden ohne Beschäftigung.

Seit Mitte 2013 geht die Arbeitslosigkeit kontinuierlich zurück, unterbrochen nur von einem starken Anstieg im Coronajahr 2020. Seither hat sich die Arbeitslosenquote in nur zweieinhalb Jahren nahezu halbiert. Analysten erwarten, dass sie bis zum Jahresende erstmals seit 2009 unter die Zehnprozentmarke fallen wird.

Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt spiegelt die starke Konjunktur wider. Griechenlands Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte in den beiden vergangenen Jahren insgesamt um 14 Prozent zu. Eine Rezession ist nicht in Sicht. Dieses Jahr erwartet die Regierung ein Plus von 2,3 Prozent. Für 2024 rechnet Wirtschafts- und Finanzminister Kostis Hatzidakis sogar mit drei Prozent Wachstum.

In ihrem dieses Jahr der EU vorgelegten Stabilitätsprogramm setzt die Regierung bis 2026 einen Rückgang der Arbeitslosenquote auf 8,4 Prozent an. Das ist zwar im EU-Maßstab immer noch ein sehr hoher Wert. Die Quote bewegte sich seit Anfang der 1980er-Jahre bis zum Beginn der Schuldenkrise zwischen sieben und zwölf Prozent.

Wegen des wirtschaftlichen Nord-Süd-Gefälles in der EU verzeichnen Länder wir Griechenland, Italien, Spanien und Portugal traditionell höhere Arbeitslosenzahlen. Auch die Folgen der Euro-Krise wirken in den Südländern auf dem Arbeitsmarkt immer noch nach.

Auswanderung von Fachkräften belastet die Wirtschaft

Mit jetzt zehn Prozent verzeichnet Griechenland die zweithöchste Arbeitslosenquote in der EU nach Spanien, das im September zwölf Prozent meldete. Der EU-Durchschnitt liegt bei sechs Prozent.

Trotz der positiven Entwicklung bei der Arbeitslosenquote zeigen die jüngsten Daten der Statistikbehörde Elstat aber auch, dass Griechenland immer noch an den Folgen der Schuldenkrise der 2010er-Jahre laboriert. So ist die Zahl der Beschäftigten seit September 2009 von 4,55 auf 4,23 Millionen zurückgegangen.

Der Rückgang spiegelt nach Einschätzung von Arbeitsmarktexperten vor allem den Exodus während der Krisenjahre wider: Damals wanderten Hunderttausende Griechinnen und Griechen aus, weil sie in ihrer Heimat keine berufliche Zukunft sahen. Vor allem junge, gut ausgebildete Fachkräfte und Akademiker wie Ärzte, Ingenieure und Naturwissenschaftler kehrten Griechenland den Rücken. Deshalb haben viele Unternehmen große Schwierigkeiten, qualifizierte Beschäftigte zu finden.

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Der Verlust gut bezahlter Jobs während der Krise erklärt auch, warum Griechenland trotz des Wirtschaftsbooms der vergangenen zwei Jahre bei den Einkommen schlecht abschneidet. Der durchschnittliche Bruttolohn lag 2022 nach Berechnungen der griechischen Eurobank bei 16.000 Euro im Jahr. Das waren 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr, aber immer noch fast ein Viertel weniger als im Vorkrisenjahr 2009. Damals betrug der jährliche Bruttolohn im Schnitt 21.000 Euro.

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