Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Großbritannien Johnson rät von Pub-Besuchen ab – aber Schulen bleiben offen

Nach langem Zögern fordert Boris Johnson nun die Briten auf, Sozialkontakte und Reisen stark einzuschränken. Sanktionen allerdings gibt es nicht.
16.03.2020 - 20:56 Uhr Kommentieren
Statt Pubs zu schließen und Massenveranstaltungen zu untersagen, baut Johnson darauf, dass die Briten auf die Regierung hören und einfach nicht mehr hingehen. Er kalkuliert, dass die Besitzer und Veranstalter dann von sich aus zumachen. Quelle: AP
Boris Johnson

Statt Pubs zu schließen und Massenveranstaltungen zu untersagen, baut Johnson darauf, dass die Briten auf die Regierung hören und einfach nicht mehr hingehen. Er kalkuliert, dass die Besitzer und Veranstalter dann von sich aus zumachen.

(Foto: AP)

London Die britische Regierung verschärft ihren Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Alle Einwohner sind aufgerufen, Pubs, Clubs, Restaurants, Kinos und Theater zu meiden. Auch soll jeder, wenn möglich, nicht mehr ins Büro fahren, sondern zuhause arbeiten. Reisen sollen ebenfalls vermieden werden.

Menschen mit bestimmten Gesundheitsproblemen sollen zudem ab kommenden Wochenende für drei Monate komplett zuhause bleiben und allenfalls zu Spaziergängen nach draußen gehen.

Alle Briten sollten ihre Sozialkontakte auf ein Minimum reduzieren, erklärte Premierminister Boris Johnson am Montag in einer Pressekonferenz. Das gelte besonders für die Über-70-Jährigen, die besonders gefährdet seien. Daher solle man von „nicht notwendigen“ Altersheimbesuchen absehen.

Wer bereits Symptome wie Fieber und Husten hat, soll 14 Tage zuhause bleiben – mitsamt allen Mitbewohnern des Haushalts. Niemand solle das Haus verlassen, nicht einmal zum Einkaufen, sagte Johnson. Für Alleinwohnende gilt weiterhin die Regel, sieben Tage zuhause zu bleiben.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Empfehlungskatalog markiert eine gewisse Kehrtwende. Bisher hatte die britische Regierung keinerlei Einschränkungen des Alltags für nötig gehalten. Während im Rest Europas das öffentliche Leben zum Stillstand kam, hatte Johnson stets gesagt, für Vorschriften sei es noch zu früh.

    Dass er nun handelt, hat zwei Gründe: Zum einen wirkte Großbritannien mit seinem Sonderweg in Europa zunehmend isoliert, der öffentliche Druck daheim wuchs. Zum anderen steigen die Opferzahlen rapide. Am Montag erreichte die Zahl der Toten schon 53. Am Donnerstag waren es noch zehn gewesen.

    „Ohne drastisches Handeln könnten sich die Fälle alle fünf bis sechs Tage verdoppeln“, sagte Johnson. Deshalb brauche man nun eine „erhebliche Änderung“ des Verhaltens im Alltag.

    Keine Verbote, sondern Empfehlungen

    Doch fallen Johnsons Ankündigungen immer noch weit hinter die Notfallmaßnahmen auf dem Kontinent zurück. Zum einen handelt es sich nicht um Verbote, sondern nur um Empfehlungen. Statt Pubs zu schließen und Massenveranstaltungen zu untersagen, baut Johnson darauf, dass die Briten auf die Regierung hören und einfach nicht mehr hingehen. Er kalkuliert, dass die Besitzer und Veranstalter dann von sich aus zumachen. Man sei schließlich eine „reife Demokratie“, sagte er. Menschen würden auf Empfehlungen hören, Sanktionen seien deshalb nicht notwendig.

    Zum anderen scheut er weiterhin davor zurück, die Schulen zu schließen. Man folge der Maxime, „die richtigen Maßnahmen zur rechten Zeit“ einzuführen, sagte Johnson. „Wir denken, im Moment ist es besser, die Schulen noch offenzuhalten.“ Die Regierung will vermeiden, dass die Kinder bei ihren Großeltern landen und diese anstecken. Auch will sie den Mitarbeitern des staatlichen Gesundheitssystems keine zusätzlichen Probleme aufbürden. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass die Osterferien verlängert werden.

    Auch das Parlament bleibt vorerst offen – trotz mehrerer Corona-Infektionen unter den Abgeordneten. Nur die älteren Abgeordneten, darunter auch Oppositionsführer Jeremy Corbyn, sind angehalten, zuhause zu bleiben.

    Die große Frage ist, ob die Empfehlungen die gewünschte Wirkung erzielen, wenn sie nicht verpflichtend sind. Viele Senioren haben bereits angekündigt, dass sie sich nicht monatelang einsperren lassen werden. „Ich bin 70, habe gerade vier Sätze Tennis gespielt, bin sechs Meilen geradelt und gestern einen Parklauf unter 29 Minuten gelaufen“, twitterte der Autor Christian Wolmar. „Glaubt die Regierung allen Ernstes, Leute wie ich sollten vier Monate lang zuhause sitzen?“

    Bei allen Maßnahmen müsse man darauf achten, dass sie nachhaltig seien, betonte der medizinische Chefberater der Regierung, Chris Whitty. Es gehe nicht darum, für zwei Wochen etwas zu verbieten. Die Empfehlungen müssten möglicherweise mehrere Monate lang befolgt werden. „Dies ist ein Marathon, kein Sprint.“

    Nach scharfer Kritik an ihrer Kommunikationspolitik will die Regierung fortan täglich in einer Pressekonferenz über den Stand der Epidemie und weitere Maßnahmen berichten. Es sei eine sich sehr schnell ändernde Lage, sagte der wissenschaftliche Berater der Regierung, Patrick Vallance. Man lerne ständig dazu.

    Mehr: Die neuesten Entwicklungen im Coronavirus-Newsblog

    Startseite
    Mehr zu: Großbritannien - Johnson rät von Pub-Besuchen ab – aber Schulen bleiben offen
    0 Kommentare zu "Großbritannien: Johnson rät von Pub-Besuchen ab – aber Schulen bleiben offen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%