Handelskrieg: Das Dollar-Komplott
New York, Berlin, Frankfurt, Düsseldorf. Um Amerikas Ausstieg aus der Globalisierung zu verkünden, lässt sich Präsident Donald Trump eine Tafel überreichen. Argumentationshilfe für eine historische Entscheidung. „Ausländische Plünderer haben den amerikanischen Traum zerstört“, zürnt Trump, es dauert nicht lange, bis der Brachialrhetoriker im Rosengarten des Weißen Hauses Betriebstemperatur erreicht hat.
Das ist er also, der „Tag der Befreiung“, den die US-Regierung versprochen hatte. Wobei weiterhin nicht klar ist, wer eigentlich wovon befreit wird. Die meisten US-Bürger dürften es bisher nicht als Akt der Unterdrückung empfunden haben, wenn Supermarktregale mit französischem Wein, deutschem Bier und Schweizer Käse zu erschwinglichen Preisen bestückt wurden.
Aber Trump ist sich seiner Sache sicher. Er will Aufklärungsarbeit leisten, hantiert mit dem sperrigen Schaubild, das fast genauso groß ist wie sein Podium. Amerikas Handelspartner sind darauf verzeichnet. Alles Abzocker, meint Trump. Das Prinzip, das von nun an gelten soll, lautet: Auge um Auge. Altes Testament trifft auf moderne Ökonomie.
Reziproke Zölle nennt Trump seine Politik. Die handelspolitischen Vergehen, die er anderen Nationen vorwirft, sind allerdings größtenteils herbeifantasiert. Die Zollquoten, die seine Tafel vermerkt, sind nicht einmal grobe Schätzungen, sie wurden nach dem Prinzip Pi mal Daumen kalkuliert.