Interview: Ian Bremmer: „Europa ist der große Verlierer von Trump II“
Ian Bremmer prägte bereits den Begriff der „geopolitischen Rezession“, als die Weltlage längst noch nicht so fragil war wie derzeit. Der Gründer und Präsident der Eurasia Group, des weltweit führenden Beratungsunternehmens mit Schwerpunkt globale politische Risiken, weist auf die erstaunliche Diskrepanz in den USA hin: einerseits die unglaubliche Stärke der Wirtschaft, anderseits die frappierende Schwäche des politischen Systems. Amerika erlebe die tiefste politische Krise seit 150 Jahren. Und die Welt sei auf eine zweite Amtszeit Donald Trumps mitnichten vorbereitet, sagt Bremmer.
Lesen Sie hier das vollständige Interview:
Herr Bremmer, nach dem Start der Vorwahlen überlegt sich die halbe Welt, was eine zweite Amtszeit Donald Trumps bedeutet? Manche glauben, die westliche Führungsmacht werde zu einer Diktatur, andere warnen vor einem Bürgerkrieg. Was glauben Sie, ist das übertrieben?
Übertrieben scheint mir zunächst die Annahme, dass Trump diese Wahlen schon so gut wie gewonnen hat. Es ist noch viel Zeit, vieles kann noch passieren.
Wie schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit eines Wahlsiegs Trumps ein?
Vielleicht 60:40, aber wie gesagt, wir haben noch fast zehn Monate. Fest steht aber: Die US-Demokratie steckt in einer tiefen Krise. Das politische System ist zunehmend dysfunktional, dysfunktionaler als in jedem anderen großen Industrieland.