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KI-DurchbruchWie der Deepseek-Erfolg Chinas Staatsführung hilft

Deepseek ist zweifellos ein technologischer Erfolg für die Volksrepublik. Aber auch aus propagandistischer Sicht ist der Hype hilfreich für Peking.Martin Benninghoff 08.02.2025 - 15:57 Uhr Artikel anhören
Liang Wenfeng: Der Deepseek-Chef (re.) wird von der chinesischen Staatsführung hofiert. Foto: CCTV

Shanghai. Deepseek hat der Technologiebranche weltweit einen Schock versetzt – vor allem dem großen Rivalen USA. Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur spricht von einem „Tsunami“, der über die Tech-Community hereingebrochen sei. Der Erfolg und die weltweite Aufmerksamkeit haben das erst vor zwei Jahren gegründete chinesische Start-up in den vergangenen Wochen fast überrollt.

Nach dem Ende der chinesischen Neujahrswoche, in der viele Geschäfte geschlossen hatten und viele Arbeitnehmer im Urlaub waren, standen am vergangenen Mittwoch Reporter aus verschiedenen Ländern vor den Toren der Firmenzentrale in Hangzhou, etwa eine Autostunde von Shanghai entfernt.

Doch der neue Star am Tech-Himmel, Gründer Liang Wenfeng, gab keine Interviews; auch sonst zeigte sich das Unternehmen zugeknöpft: Mails und Anrufe, auch vom Handelsblatt, blieben schon die Tage zuvor unbeantwortet. Kein Wunder, galt der Deepseek-Gründer doch bereits vor dem Hype als verschwiegen – jetzt dürfte auch die schiere Zahl der Kontaktaufnahmen zu viel gewesen sein.

Viele Medien zitierten deshalb aus den wenigen Interviews, die Liang zuvor gegeben hatte. Augenzeugen berichteten von Schaulustigen, die vor der Firmenzentrale ein Foto machen wollten.

Das chinesischsprachige Onlinemagazin Zaobao aus Singapur berichtete sogar von Arbeitssuchenden, die nach Hangzhou gereist waren, in der Hoffnung, dort einen Job zu finden. Derzeit soll das Unternehmen etwa 150 Mitarbeiter beschäftigen, expandiert aber angesichts des Erfolgs. Nach Angaben der chinesischen Finanzzeitung China Fund News hat Deepseek nahezu 50 offene Stellen in Hangzhou und Peking zu vergeben.

Viel Lob für das Start-up aus Hangzhou

Chinas Tech-Szene ist voll des Lobes für das Start-up: „Das ist ein ganz hervorragendes Modell, das weltweit große Aufmerksamkeit erregt hat“, schrieb ein Mitarbeiter des chinesischen Tech-Unternehmens iFlytek aus Hefei in der Provinz Anhui dem Handelsblatt am Freitag über den Messengerdienst Wechat. „Wir hoffen, dass Deepseek-Modelle in Zukunft noch mehr Nutzern und Unternehmen helfen und generell die Entwicklung von KI-Modellen unterstützen werden.“

Für China kommt der Hype um Deepseek zur rechten Zeit. Die Volksrepublik kämpft noch immer mit den Folgen einer langanhaltenden Immobilienkrise; die Preise auf dem Wohnungsmarkt fallen, wenn auch leicht gebremst. Um der Konsumflaute entgegenzuwirken, hat die Regierung kürzlich die heimischen Anbieter von Elektrogeräten, Smartphones, Tablets und Laptops aufgefordert, die Kunden mit Rabattaktionen zum Kauf zu animieren.

Allein in der an sich prosperierenden Wirtschaftsmetropole Shanghai sollen nach einer vermutlich unvollständigen Zählung der malaysischen Foodbloggerin Rachel Gouk, die seit mehr als einem Jahrzehnt über Shanghais Restaurantszene schreibt, 2024 mehr als 70 Restaurants geschlossen haben.

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Mehr noch als die ebenfalls beeindruckende, aber langfristige und weniger überraschende Erfolgsgeschichte des Elektromobilitäts-Branchenprimus BYD bieten Deepseek und sein Gründer die Zutaten für einen echten Knüller: Der Underdog aus Hangzhou darf – offiziell zumindest – wie alle Unternehmen aus China wegen Sanktionen nicht auf Hochleistungschips von Nvidia zurückgreifen.

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Dass es dennoch möglich ist, KI-Modelle wie Deepseeks V3 und R1 zu entwickeln, passt in ein Narrativ, das beispielsweise auch das sanktionierte Tech-Unternehmen Huawei aus Shenzhen verbreitet: dass die US-Sanktionen Chinas Tech-Szene erst richtig groß gemacht hätten.

Chinas Staatspresse bringt das Prinzip auf den Punkt: „Von der Technologie bis zur Vision hat Deepseek immer den schwierigen, aber prinzipientreuen Weg gewählt“, heißt es bei Xinhua. Mit Blick auf die effizientere Kostenstruktur des Start-ups meint die staatliche Nachrichtenagentur, dass „Nachzügler trotz des Vorsprungs anderer Länder in der KI noch eine Chance haben“.

Firmenzentrale von Deepseek in Hangzhou: Weltweite Aufmerksamkeit und Erfolg haben das vor zwei Jahren gegründete chinesische Start-up in den  vergangenen Wochen nahezu überrollt. Foto: AFP

Das soll Optimismus verbreiten, weckt jedoch mit dem Hinweis auf „schwierige, aber prinzipientreue“ Wege auch gemischte Erinnerungen an die Zeiten chinesischer Mangelwirtschaft und staatlich gelenkter Kampagnen zur Modernisierung der Industrie.

Die Ärmel hochkrempeln, quasi aus dem Nichts etwas schaffen – das ist in China ein bekannter Topos. Nicht wenige Tech-Großunternehmer kommen aus „kleinen“ Verhältnissen, Deepseek-Gründer Liang Wenfeng stammt aus dem kleinen Dorf Mililing nahe der Stadt Zhanjiang in der südchinesischen Provinz Guangdong, seine Eltern waren Lehrer.

Schaulustige im Heimatdorf des Shootingstars

Ein Video im Internet zeigt, wie die Dorfbewohner dem 40-jährigen Tech-Superstar zum chinesischen Neujahrsfest einen gebührenden Empfang bereiten. In den sozialen Medien wird behauptet, dass sogar organisierte Reiseveranstalter Touristen in das Dorf bringen – was sich nach Recherchen in China nicht bestätigen lässt.

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Ohnehin stellt sich die Frage, wie viel Aufmerksamkeit der Deepseek-Gründer auf sich ziehen will. Im Zuge der staatlichen Regulierungskampagne gegen Chinas Tech-Unternehmen vor wenigen Jahren mussten Firmen wie Tencent oder Alibaba hohe Millionenstrafen zahlen – Alibaba-Gründer Jack Ma musste sich nach Kritik an der Staats- und Parteiführung aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Auch deshalb ziehen es viele Erfolgreiche in China vor, weiterhin erfolgreich zu sein – aber lieber im Stillen.

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