Killerroboter: Die Krieger der Zukunft
Spezielle völkerrechtliche Beschränkungen für den Einsatz von Kampfrobotern gibt es bislang nicht.
Foto: QinetiQ NAGenf. An der Grenze Südkoreas zu Nordkorea hat die Kriegsführung der Zukunft begonnen. Killerroboter bewachen im Auftrag Südkoreas den Todesstreifen zwischen den verfeindeten Staaten. Die von Samsung konstruierten Apparate beobachten Gebiete, identifizieren Eindringlinge und können das Feuer eröffnen. Alles automatisch – alles autonom. Menschen sind in die Entscheidung über Leben und Tod nicht eingebunden.
Schon bald könnten Roboter, die selbstständig kämpfen und töten, auch in andere Konflikte eingreifen – und die gesamte Kriegsführung in unheimlicher Weise revolutionieren.
Das jedenfalls befürchten Experten wie die Abrüstungschefin der Vereinten Nationen, Izumi Nakamitsu: „Es besteht die reale Gefahr, dass die technologische Innovation der zivilen Kontrolle entgleitet.“ Der Missbrauch der künstlichen Intelligenz habe „potenziell katastrophale Konsequenzen“.
Killerroboter gibt es als fest installierte Systeme etwa auf Kriegsschiffen oder an Grenzen, als mobile Systeme und als Drohnen. Ihre Entwicklung stößt bislang an keine völkerrechtliche Grenze. „So weit sind wir noch nicht“, erläutert Amandeep Gill, der Botschafter Indiens für Abrüstung in den Vereinten Nationen. Gill leitet in dieser Woche eine UN-Konferenz von Regierungsexperten in Genf. Ihr Auftrag: Sie sollen die militärischen und ethischen Dimensionen der „Tödlichen autonomen Waffensysteme“ ausloten. Eine Empfehlung an die Staatengemeinschaft, über ein Verbot dieser Rüstungsgüter zumindest zu verhandeln, steht nicht zur Debatte.
Das nächste Treffen aller 125 Vertragsstaaten der Konvention über konventionelle Waffen ist für den 22. November angesetzt. Die Konvention verbietet bereits eine Reihe von Kriegsgeräten, wie blindmachende Laserwaffen oder Sprengfallen, um damit „übermäßige Leiden“ zu verhindern.
Hinter den diplomatischen Kulissen versuchen genau jene Länder ein Verbot der Killerroboter zu verhindern, die bei der Verschmelzung von Künstlicher Intelligenz und Kriegsgeräten weit gekommen sind: USA, Israel, Russland und Südkorea.
Deutschland setze sich für eine Ächtung „vollautomatisierter Waffensysteme“ ein, „die dem Menschen die Entscheidung über den Waffeneinsatz entziehen“, heißt es beim Auswärtigen Amt in Berlin. Auch Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch drängen darauf: „Maschinen dürfen nicht über Leben und Tod von Menschen entscheiden“, heißt es. Und Technik- und KI-Experten warnen bereits vor einem unkontrollierten Wettrüsten bei den Tötungsmaschinen. Tesla-Chef Elon Musk und mehr als 100 andere Fachleute malten in einem offenen Brief ein düsteres Szenario: Killerroboter seien die dritte Revolution der Kriegsführung – nach der Erfindung des Schießpulvers und der Atomsprengköpfe. In den Händen von Despoten und Terroristen würden sie den totalen Schrecken bedeuten.
Bonnie Docherty, Waffenexpertin bei Human Rights Watch, betont: Da den Killerrobotern menschliches Feingefühl und emotionale Intelligenz fehlt, „können sie nicht zwischen Soldaten und Zivilisten unterscheiden“. Die Roboter seien ebenso außerstande zu erkennen, ob Soldaten verletzt sind oder nicht. Zivilisten und kampfunfähige Soldaten genießen aber den besonderen Schutz des Völkerrechts. Ebenfalls dürfte es den Maschinen schwerfallen, die Verhältnismäßigkeit von Angriffen oder Gegenangriffen richtig einzuschätzen.
Zudem würden die Apparate so eingestellt, dass sie in aussichtslosen Lagen immer weiter kämpfen. In einem Bericht der UN von 2013 heißt es bereits: Die „nimmermüden Kriegsmaschinen“ hätten das Zeug, Konflikte zu Endloskriegen ausarten zu lassen.