Libanon: Neue Einzelheiten: Wie der Mossad den Angriff auf die Hisbollah vorbereitete
Düsseldorf. Die Vorbereitungen für die kürzliche Attacke des israelischen Geheimdienstes Mossad auf die Hisbollah-Miliz sollen schon 2015 begonnen haben. Dies berichtet die „Washington Post“ unter Berufung auf ungenannte israelische, arabische und US-Sicherheitsdienste. Der Mossad soll demnach auch bei der Aktion verwendeten und zur Explosion gebrachten Kommunikationsgeräte selbst entwickelt und heimlich in Israel hergestellt haben. Bisher hatte es geheißen, die Geräte stammten aus Taiwan oder Ungarn. Eine offizielle Bestätigung für den Bericht gab es zunächst nicht.
Mitte September waren mindestens 39 Menschen getötet und mehr als 3000 teils schwer verletzt worden, als Pager und Funkgeräte zur Explosion gebracht wurden, über die die Hisbollah kommunizierte. Die Attacke gilt als bisher erfolgreichste Geheimdienstaktion zur direkten Schwächung eines Gegners sowie als Aktion mit enormer psychologischer Wirkung. Der Angriff traf überwiegend Hisbollah-Mitglieder, forderte aber auch zivile Opfer.
Die Hisbollah ist mit Israels Erzfeind Iran eng verbündet und bekämpft den jüdischen Staat seit Jahrzehnten Jahren. Nach dem Terrorüberfall der Hamas auf Israel vor knapp einem Jahr verschärfte auch die Hisbollah ihre Attacken und feuerte immer wieder Raketen und Granaten auf Israel.
Laut „Washington Post“ soll der Mossad schon 2015 verfolgt haben, dass die Hisbollah ihre Kommunikation zunehmend von Mobiltelefonen auf schwer abhörbare Walkie-Talkies verlagerte. Daraus sei der Plan gereift, Funkgeräte zu produzieren und bei der Hisbollah einzuschleusen, die neben Energiezellen auch einen kleinen Sprengsatz enthalten sollten.
Ab 2022 soll die Grundidee dann weiterentwickelt worden sein. Das Ziel: ein digitales Kommunikationsmittel, das nicht abzuhören war und verschlüsselte Kommunikation ermöglichte. Dies mündete in der Produktion kleiner, leichter Pager, die man stets bei sich tragen konnte.
Die Hisbollah soll die Pager letztlich von einer taiwanesischen Firma gekauft haben. Weder diese, noch eine andere Firma, die die Geräte an die Taiwanesen, häten demnach etwas über die tatsächliche Herkunft gewusst – ebenso ein Unternehmen in Ungarn, das offenbar bei der Abwicklung des Geschäfts mithalf.
Ab Februar dieses Jahres sollen die Pager ausgeliefert worden sein. Im Spätsommer soll der Mossad dann laut der „Washington Post“ befürchtet haben, die Hisbollah könne die Sprengsätze entdecken. Regierungschef Benjamin Netanyahu habe daraufhin die Attacke angeordnet.
Am 17. September seien die Pager schließlich durch eine verschlüsselte Nachricht zur Explosion gebracht worden.
Ziel: Möglichst beide Hände verletzen
Pikantes Detail: Für die Entschlüsselung der Nachricht habe man zwei Knöpfe zugleich drücken müssen – der Mossad wollte demnach möglichst beide Hände verletzen und den Empfänger damit kampfunfähig zu machen.
Die nur einen Tag nach den Pagern zur Explosion gebrachten Walkie-Talkies seien laut Washington Post schon seit 2015 bei der Hisbollah in Benutzung gewesen und hätten Israel in Echtzeit Informationen aus der Organisation geliefert.