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Mehrere Männer tragen während einer Black-Lives-Matter-Demonstration in Washington T-Shirts mit der Aufschrift „I can't breathe“

Zehntausende gingen in der US-Hauptstadt am Samstag auf die Straßen.

(Foto: AFP)

Nach Tod von George Floyd Zehntausende auf den Straßen: Neue Massenproteste gegen Rassismus in den USA

Zehntausende haben in den USA friedlich gegen Rassismus, Diskriminierung und Polizeigewalt demonstriert. Washington hat sich zu einem Zentrum der Proteste entwickelt.
07.06.2020 - 09:17 Uhr Kommentieren

Washington Der brutale Tod von George Floyd wird für immer Teil der US-Geschichte sein. Jetzt gehen die Menschen massenhaft auf die Straßen – und fordern Veränderungen.

In Philadelphia, New York, Washington, Atlanta und weiteren Städten gingen am Samstag Zehntausende Menschen in ausgelassener Stimmung auf die Straße. Sie forderten Gerechtigkeit für den Afroamerikaner George Floyd, der vor knapp zwei Wochen bei einem brutalen Polizeieinsatz getötet worden war. Allein in Philadelphia waren örtlichen Medienberichten zufolge Zehntausende auf der Straße.

In der Hauptstadt Washington demonstrierten am Samstag (Ortszeit) Tausende Menschen unter anderem vor dem Weißen Haus, dem Kapitol und am Lincoln Memorial. Vor dem Protestmarsch sperrten Militärfahrzeuge und Beamte in Tarnanzügen den größten Teil des Zentrums von Washington für den Verkehr.

In der Umgebung der verbarrikadierten Regierungszentrale, die mit zusätzlichen Zäunen befestigt worden war und andere Sicherheitsvorkehrungen ergriffen hatte, hielten Demonstranten Schilder mit Aufschriften wie „Kein Frieden ohne Gerechtigkeit“, „Stoppt Rassismus jetzt“ oder „Ich kann nicht atmen“ in die Höhe – letzteres hatte Floyd mehrfach verzweifelt gesagt, als ihm ein weißer Polizist sein Knie in den Nacken drückte. Es gab auch mehrere Plakate mit der Aufschrift „Weißes Schweigen ist Gewalt“.

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    Vor dem Protestmarsch sperrten Militärfahrzeuge und Beamte in Tarnanzügen den größten Teil des Zentrums von Washington für den Verkehr. Quelle: Reuters
    Proteste in Sichtweite des Weißen Hauses in Washington

    Vor dem Protestmarsch sperrten Militärfahrzeuge und Beamte in Tarnanzügen den größten Teil des Zentrums von Washington für den Verkehr.

    (Foto: Reuters)

    Polizeichef Peter Newsham hatte vorab erklärt, die Proteste könnten zu den größten zählen, die er bislang gesehen habe. Ein Magnet der Demonstrationen war eine erst am Freitag zum „Black Lives Matter“-Platz benannte Kreuzung vor dem Weißen Haus.

    Unter den Demonstranten brach Jubel aus, als Bürgermeisterin Muriel Bowser diesen Abschnitt der 16. Straße entlangging, den sie hatte umbenennen lassen, um die gleichnamige Bewegung (Schwarze Leben zählen) zu würdigen. Auf einer dorthin führenden Straße prangte in riesigen gelben Buchstaben geschrieben ebenfalls das Motto „Black Lives Matter“ – auf Deutsch in etwa: „Schwarze Leben zählen“.

    In riesigen gelben Buchstaben steht dort „Black Lives Matter“ auf dem Asphalt geschrieben. Quelle: AFP
    Luftbild von der 16. Straße in Washington nahe dem Weißen Haus

    In riesigen gelben Buchstaben steht dort „Black Lives Matter“ auf dem Asphalt geschrieben.

    (Foto: AFP)

    Großproteste unter dem Eindruck von Floyds Tod gab es am Samstag außerdem in Metropolen wie London, Paris, Berlin und Sydney. In der britischen Hauptstadt kam es zum Ende der Kundgebung nahe der Downing Street zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Beamten.

    In Raeford im Bundesstaat North Carolina – in der Nähe von Floyds Geburtsort Fayetteville – fand am Samstag eine Gedenkveranstaltung statt. Viele Menschen erwiesen dem in einem goldfarbenen Sarg aufgebahrten Floyd ihre letzte Ehre. Er soll am Dienstag im texanischen Houston beerdigt werden, wo er aufgewachsen war.

    Washington wiederum hat sich zu einem Zentrum der Proteste entwickelt – auch weil sich ein Teil der Wut gegen US-Präsident Donald Trump richtet. Trump hat Floyds Tod am 25. Mai mehrfach verurteilt und das Recht auf friedliche Proteste betont. Ihm wird jedoch vorgeworfen, sich nicht klar gegen Rassismus zu positionieren und kaum Verständnis zu zeigen für den Zorn über Diskriminierung und Ungerechtigkeit im Land.

    Das Weiße Haus war unter anderem mit zusätzlichen Zäunen abgesichert worden. Quelle: Reuters
    Demonstranten in Washington

    Das Weiße Haus war unter anderem mit zusätzlichen Zäunen abgesichert worden.

    (Foto: Reuters)

    Ganz anders der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, Joe Biden: Er sprach den Demonstranten seine Unterstützung aus und versprach ihnen, sich künftig für Polizeireformen und gegen Rassismus zu engagieren.

    Es brauche „längst fällige konkrete Maßnahmen“, um dem „systematischen Rassismus“ in den USA ein Ende zu bereiten, forderte Biden in einem Gastbeitrag in der „Los Angeles Times“. Biden versprach, als Präsident in seinen ersten 100 Tagen im Amt eine Kommission für Polizeireformen einzusetzen. Zudem solle der Kongress schon jetzt handeln und umstrittene Polizeimethoden wie Würgegriffe bei Festnahmen verbieten.

    George Floyd dürfe nicht nur einfach ein weiterer Hashtag werden, schrieb Biden auf Twitter. „Wir brauchen Gerechtigkeit und wir brauchen wirkliche Polizeireformen, um sicherzustellen, dass das nie wieder passiert.“ Anstatt wie Präsident Trump das Land zu spalten und „Hass“ zu schüren, werde er sich darum bemühen, die Wunden des Rassismus zu heilen, versprach Biden.

    Trauerfeier in Minneapolis: Menschen gedenken George Floyd

    Floyd war bei einer Festnahme in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota gestorben. Ein weißer Polizeibeamter hatte sein Knie fast neun Minuten lang in den Nacken des am Boden liegenden Floyd gedrückt – trotz aller Bitten des 46-Jährigen, ihn atmen zu lassen.

    Der Beamte und drei weitere beteiligte Polizisten wurden nach Bekanntwerden des Vorfalls entlassen. Sie wurden inzwischen festgenommen und angeklagt. Floyd war wegen des Verdachts, in einem Laden mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben, festgenommen worden.

    Floyds Tod hat das Land erschüttert und bereits zu Veränderungen in vielen Bereichen geführt. Die Stadt Minneapolis kündigte umfassende rechtlich bindende Polizeireformen an, darunter ein Verbot von Würgegriffen und Fixierungen des Nackens. Auch die Bundesstaaten New York und Kalifornien kündigten an, ähnliche Polizeireformen beschließen zu wollen.

    Die Demonstrationen in Amerika haben in den vergangenen Tagen nicht an Umfang und Dynamik eingebüßt, sind aber bedächtiger geworden. In deren Frühphase nach dem Tod Floyds waren sie häufig noch von Unruhen und Gewaltexzessen überschattet.

    Der Tod Floyds hat nach Ansicht des früheren US-Präsidenten Barack Obama eine „ehrliche“ Debatte über Rassismus in den USA ausgelöst. Die von Floyds Tod ausgelöste Bewegung sei „inspirierend“, sagte der 58-jährige Ex-Präsident in einem Videochat.

    „Es hat in der vergangenen Woche in diesem Land so viel ehrliche Gespräche zum Thema Rassismus gegeben wie nie zuvor in der Zeit, an die ich mich erinnern kann“, sagte Obama. Nicht nur von Seiten einer Minderheit, sondern von „einem großen Teil des Landes“.

    Trump zieht Nationalgarde aus der Hauptstadt

    Nach erneut friedlich verlaufenen Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt in Washington hat US-Präsident Donald Trump den Rückzug der Nationalgarde aus der Hauptstadt angeordnet. Die Reservisten würden nach Hause gehen, könnten aber schnell wieder aktiviert werden, teilte Trump am Sonntag auf Twitter mit.

    Als Grund führte er an, dass in der Hauptstadt jetzt „alles unter perfekter Kontrolle“ sei. Am Samstagabend seien „viel weniger Demonstranten erschienen als erwartet“. Tausende Demonstranten hatten am Samstag vor dem Weißen Haus und andernorts in Washington protestiert.

    Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser hatte Trump in einem offenen Brief am Donnerstag dazu aufgefordert, alle Soldaten und Sicherheitskräfte der Bundesregierung aus ihrer Stadt abzuziehen. Trumps Regierung hatte am Montagabend eine Demonstration vor dem Weißen Haus gewaltsam auflösen lassen, damit der Präsident vor einer Kirche an dem Platz mit einer Bibel für Kameras posieren konnte. Dabei war unter anderem Militärpolizei zum Einsatz gekommen. Das Vorgehen sorgte für scharfe Kritik.

    Mehr: Bundesweit Demos gegen Rassismus in Deutschland.

    • ap
    • dpa
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