Naher Osten: Raketen, Drohnen, Schnellboote – das bedrohliche Arsenal der Huthis
Berlin. Die vom Iran unterstützte Huthi-Terrorgruppe hat mit ihren Angriffen auf Schiffe vor der jemenitischen Küste in den vergangenen Wochen ihre militärischen Fähigkeiten demonstriert. Rund zwei Dutzend Attacken haben die Vereinten Nationen im Roten Meer dokumentiert.
Ausgeführt wurden diese mit Raketen, Drohnen oder durch Überfälle mit Schnellbooten. Hinzu kamen noch Raketenangriffe auf Israel, die allerdings allesamt abgewehrt werden konnten.
Die Huthis begründen die Überfälle mit dem Gazakrieg. Schiffe, die mit Israel in Verbindung stünden, würden angegriffen, erklärte der Sprecher der Terrorgruppe, Jihia Saree. Beschossen wurden auch US-Marineschiffe im Roten Meer, allerdings wurden diese Angriffe ebenfalls abgewehrt.
Am Freitag nun griffen die USA und Großbritannien mit Kampfflugzeugen und Marschflugkörpern Stellungen der Huthis im Jemen an, um deren militärische Fähigkeiten einzuschränken. Im Fokus standen Kommandostrukturen und Abschussstationen für Raketen und Drohnen.
Die Angriffe waren massiv, wie Filmaufnahmen zeigten, die in sozialen Medien verbreitet wurden. Nachhaltig geschwächt dürfte die Terrormiliz damit aber nicht sein, wie es in Sicherheitskreisen hieß. Die Gruppe verfüge über ein breites Arsenal an Drohnen und Raketen, das nicht auf einen Schlag vernichtet werden könne.
Das Waffenarsenal der Huthis
Die Systeme stammen zum Teil aus dem Iran und Nordkorea, allerdings haben die Huthis diese in einigen Fällen aufgerüstet, wie sie selbst auf eigenen Waffenmessen betont haben. Mit iranischer Technologie wurde nach Angaben eines Militärexperten Reichweite und Präzision bei den aus Nordkorea gelieferten Scud-Raketen verbessert.
Diese Raketen sind gefährlicher als die Flugkörper aus dem Arsenal der Hamas. So verfügen die Huthis auch über weitreichende Systeme mit großer Durchschlagskraft. Der Flugkörper Typhoon, ein Nachbau der iranischen Qadr, hat eine Reichweite von bis zu 1950 Kilometern, wie Analysten berichten. Saudi-Arabien und Teile von Israel sind damit erreichbar.
Im Bürgerkrieg nahmen die Huthis den westlichen Teil des Jemen mit der Hauptstadt Saana ein, aus dem sie nicht so leicht vertrieben werden können. In dem Konflikt erbeuteten die Islamisten zudem gepanzerte Fahrzeuge und Ausrüstung der regulären jemenitischen Armee, wodurch ihre Kampfkraft gesteigert wurde.
Über wie viele Soldaten die Gruppe verfügt, darüber existieren unterschiedliche Angaben. Die Schätzungen reichen von einigen Zehntausend bis zu 120.000 Kämpfern.
„Achse des Widerstands“
Die Unterstützung der Huthis für die Hamas war zu erwarten. Wie ihr Pendant im Gazastreifen gehören sie zu der von Iran ausgerufenen „Achse des Widerstands", die im Kern gegen die USA und Israel ausgerichtet ist. Zu diesem Bündnis gehören noch die im Libanon operierende Hisbollah sowie der im Irak und in Syrien agierende Islamische Dschihad. Auch diese Gruppen haben Streitkräfte Israels und der USA im Nahen Osten angegriffen.
Die Huthis werden zwar vom Iran mit Geld und Waffen unterstützt, allerdings agiert die Miliz auch eigenständig. Wie bei der Hamas werde nicht jeder Schritt mit Teheran abgesprochen, berichtet ein westlicher Sicherheitsexperte, der über tiefe Kenntnisse der Strukturen verfügt.
Die Huthis seien für den Iran vor allem als Gegengewicht zu Saudi-Arabien wichtig, dem regionalen Rivalen. Die Terroristen hatten in den vergangenen Jahren mehrfach vom Jemen aus Ölanlagen im Nachbarland angegriffen.
Die Gruppe geht auf Hussein Badreddin al-Huthi zurück, der die Gruppe ab den 90er-Jahren religiös und militärisch geführt hatte. Nach seinem Tod im Jahr 2004 übernahm dessen Bruder Abdul-Malik al-Huthi die Leitung der Miliz.