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Ökonomie-NobelpreisWarum arme Länder arm sind und arm bleiben

Die diesjährigen Preisträger Acemoglu, Johnson und Robinson wurden für ihre Forschung über den Zusammenhang von gesellschaftlichen Institutionen und den Wohlstand eines Landes ausgezeichnet.Helmut Steuer und Norbert Häring 14.10.2024 - 14:46 Uhr Artikel anhören
Bekanntgabe der Preisträger: Der Wirtschaftsnobelpreis geht in diesem Jahr an Wohlstandsforscher in den USA. Foto: IMAGO/TT

Stockholm, Frankfurt. Für ihre Forschung zu Wohlstand und Ungleichheit zwischen Ländern sind Daron Acemoglu, Simon Johnson und James A. Robinson mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet worden. „Bei dem diesjährigen Preis geht es um das Verständnis der Wohlstandsunterschiede zwischen den Ländern“, erklärte der Ständige Sekretär der Wissenschaftsakademie, Hans Ellegren.

Die Preisträger hätten gezeigt, dass sich Unterschiede im Wohlstand ehemaliger Kolonien dadurch erklären lassen, welche Art von sozialen Einrichtungen in der Zeit der Kolonisierung eingeführt wurden, heißt es weiter in der Begründung. Vor allem gesellschaftliche Institutionen seien wichtig für den Wohlstand eines Landes. Ihr berühmtes Papier zu dieser Forschung zählt zu den meistzitierten Arbeiten überhaupt im Feld der Wirtschaftswissenschaften.

Auf den ersten Blick haben Acemoglu, Johnson und Robinson nur das bestätigt und in die Sprache der Ökonomen übersetzt, was Politikwissenschaftler und Soziologen schon lange annehmen: dass Kolonialismus und Imperialismus der Europäer für die Armut der kolonisierten Länder verantwortlich sind.

Doch mit ihren Methoden der Ökonomik kamen sie zu noch präziseren Aussagen. Und zwar zeigten sie systematische Unterschiede zwischen den kolonisierten Ländern in Bezug auf die Intensität und Hartnäckigkeit der Verarmung. Sie erklärten auch, wie diese Unterschiede zustande kommen.

Solche Gebiete, in denen die Bewohner zur Zeit der Kolonialisierung fortschrittliche Kulturen und Reichtum hatten, litten der Analyse nach besonders dauerhaft und stark unter der Kolonialisierung.

Auszeichnung

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Die Erklärung der drei Ökonomen dafür sind die von den Kolonisatoren errichteten Institutionen: In wenig besiedelten Gebieten mit guten klimatischen Bedingungen für Europäer errichteten sie Institutionen, die der Entwicklung wirtschaftlicher Aktivität förderlich waren.

An Orten, an denen es eine große einheimische Bevölkerung gab, die billige Arbeitskräfte versprach, und wo die klimatischen Bedingungen für Europäer ungünstig waren, war das anders. In den Tropen etwa waren die Institutionen darauf ausgerichtet, die Bevölkerung und die natürlichen Ressourcen des Landes auszubeuten. Denn eine wirtschaftliche Entwicklung dort war für die Europäer eher bedrohlich, weil sie es auf Dauer schwerer gemacht hätte, eine große, reicher werdende einheimische Bevölkerung der Kolonie zu beherrschen.

Armut in Afrika: Das Kolonialzeitalter wirkt nach. Foto: Brian Inganga/AP/dpa

Sascha Steffen, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management, sprach von „bahnbrechenden Beiträgen zum Verständnis der Rolle gesellschaftlicher Institutionen bei der Gestaltung des nationalen Wohlstands.

„Die Preisträger haben gezeigt, dass Gesellschaften mit inklusiven Institutionen – also solchen, die geteilte Macht und langfristige wirtschaftliche Chancen fördern – Wachstum und Wohlstand begünstigen“, sagte er. „Im Gegensatz dazu sind Gesellschaften, die in extraktiven Institutionen gefangen sind, die nur den Mächtigen dienen, mit Stagnation und Ungleichheit konfrontiert.“

Acemoglu (57), Johnson (61) und Robinson (64) forschen in den USA. Acemoglu hat die türkische und die amerikanische Staatsbürgerschaft und lehrt am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge. Johnson stammt aus Großbritannien und lehrt ebenfalls am MIT. Von März 2007 bis August 2008 war er Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF). Der ebenfalls in Großbritannien geborene Robinson ist an der Yale University in New Haven tätig.

„Ich bin völlig überrascht“, erklärte ein sichtlich überrumpelter Johnson im schwedischen Rundfunk. Er hoffe, dass die Kunde aus Stockholm auch tatsächlich stimmt, sagte er.

Economic Challenges

Wirtschaftsnobelpreis 2024: Welchen Einfluss Institutionen auf den Wohlstand eines Landes haben

25.10.2024
Abspielen 26:24

Der Stifter der Nobelpreise, der schwedische Industrielle Alfred Nobel, hatte keinen Wirtschaftspreis vorgesehen. Insofern zählt dieser Preis auch nicht zu den „richtigen“ Nobelpreisen. Er wurde erst 1968 von der schwedischen Reichsbank „im Gedenken an Alfred Nobel“ gestiftet.

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Mit der Auszeichnung der Wirtschaftspreise geht der diesjährige Nobelpreisreigen zu Ende. In der vergangenen Woche waren bereits die Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden bekanntgegeben worden.

Die mit knapp 970.000 Euro dotierten Preise werden am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, in Stockholm und Oslo überreicht.

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