Oscars 2025: „Es hätte jeden von uns treffen können“
Salvador. Als am 22. April 1970 Militärs das Haus von Bia Farkas und ihren Eltern betreten, macht sich die damals 18-jährige Studentin nicht wirklich Sorgen. Zwar haben willkürliche Verhaftungen und Folter in diesen Tagen, sechs Jahre nach einem Militärputsch, zugenommen. Andererseits: Bia Farkas verkehrt mit keiner Guerilla, hat keine politisch gefährlichen Kontakte.
Dennoch soll sich ihre erste Einschätzung als falsch erweisen. Die Militärs nennen weder Gründe noch zeigen sie einen Haftbefehl, nehmen die junge Frau aber mit in die Rua Tutóia. Dort steht eines der berüchtigsten Foltergefängnisse jener Zeit.
Vertreter des Regimes befragen Farkas immer wieder, foltern sie aber anders als ihre Zellennachbarinnen nicht. Ihre Mutter darf ihr tagsüber Essen bringen. Von ihr erfährt sie, dass auch Vater Tomás, der später ein berühmter Fotograf werden soll, in Haft sitzt. Er kommt nach wenigen Tagen frei, wie auch die Tochter. „Wir hatten Glück“, sagt sie, heute Bia Farkas Bitelman, als sie dem Handelsblatt ihre Geschichte erzählt. „Es hätte uns viel schlimmer treffen können.“