Seltene Erden: Wie China Laos zur kritischen Ressource umbaut
Luang Prabang, Kunming, Shanghai. Fast lautlos gleitet der moderne chinesische Zug durch das laotische Bergland. In Leuchtschrift erscheinen die Anzeigen für die Passagiere – auf Chinesisch, Laotisch und Englisch. Reisfelder ziehen vorbei, dichte Dschungelwälder, dazwischen zeichnen sich Hügel aus roter Erde ab. An Bord des Zugs, der von der laotischen Hauptstadt Vientiane bis zur Metropole Kunming in Südchina fährt, sitzen vor allem chinesische Touristen und Geschäftsleute – und der Handelsblatt-Reporter.
Zug und Technik sind chinesisch, im Abteil wähnt man sich in China, auch wenn draußen das schwüle Südostasien an einem vorbeizieht. Ein älterer Mann steht im Mittelgang und übt bei Tempo 160 Tai Chi, jüngere Frauen holen sich aus der kleinen Zugküche heißes Wasser für ihre Instant-Nudelbecher. Vor wenigen Tagen erst hat China die Zahl der eingesetzten Züge auf dieser Strecke erhöht. Nachts rollen dort die Güterzüge.
Und es werden immer mehr, berichtet ein laotischer Arbeiter vor dem Bahnhofsgebäude auf halber Strecke in Luang Prabang. Der Mann trägt ein ausgewaschenes Fußballtrikot, die Baseballkappe schützt vor der brennenden Sonne an diesem Julitag: „Tagsüber kommen die Touristen, später die Fracht“, erzählt er.
Die Bahnstrecke erlebt einen Aufschwung – so berichten auch chinesische Staatsmedien. An diesem Morgen stehen mehrere Züge mit Containern auf Nebengleisen, mit der Aufschrift: „China Railway Express“.
Fest steht: Das kleine Laos mit gerade einmal rund 7,5 Millionen Einwohnern – das sind weniger, als in einer durchschnittlichen chinesischen Großstadt leben – gewinnt rasant an Bedeutung für den großen Nachbarn. Nicht nur als logistische Drehscheibe auf dem Weg ins weiter südliche Thailand, sondern vor allem im geopolitischen Wettbewerb um kritische Rohstoffe in der Region. Für Laos ist das Fluch und Segen zugleich, doch dazu später mehr.