Serie: Das bessere Wachstum: China steckt in einem Klima-Dilemma
Ein Feldarbeiter in der Anhui-Provinz.
Foto: HandelsblattPeking. Menschen stehen dicht an dicht gedrängt in einem U-Bahn-Wagon, das Wasser steht ihnen buchstäblich bis zum Hals. Auf der Straße tun sich unter strömenden Wassermassen Löcher auf und reißen Menschen in die Tiefe – es waren dramatische Szenen, die sich Mitte Juli in der zentralchinesischen Provinz Henan abspielten. Nach extremen Regenfällen hatten sich die Straßen der Provinzhauptstadt Zhengzhou in reißende Bäche verwandelt und U-Bahnen überflutet. Laut offiziellen Angaben starben mindestens 300 Menschen in den Wassermassen.
Die Überschwemmungen in Zentralchina werden einen großen Einfluss darauf haben, wie die Menschen in China über den Klimawandel denken, sagt Yan Qin, Analystin bei Refinitiv. In den vergangenen Jahren war China zurückhaltend beim Klimaschutz, in den Ministerien der Volksrepublik hatte das Thema kaum noch Relevanz.
Doch das änderte sich vor knapp einem Jahr. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping kündigte bei der virtuellen Generaldebatte der Vereinten Nationen in New York an, dass die Volksrepublik „vor 2060“ klimaneutral werden wolle, und versprach, dass der Ausstoß von Kohlendioxid noch „vor 2030“ den Höhepunkt erreichen würde.