Taiwan: China setzt Kopfgeld auf zwei Influencer aus
Peking/Taipeh. Die chinesische Polizei hat zwei taiwanesische Social-Media-Influencer wegen „Separatismus“ zur Fahndung ausgeschrieben und eine Belohnung ausgesetzt. Für Hinweise, die zur Ergreifung von Pa Chiung und dem Rapper Chen Po-yuan führen, werde eine Belohnung von bis zu 250.000 Yuan (rund 30.300 Euro) gezahlt, teilte die Polizei am Donnerstag in Guangzhou mit. Die beiden hätten sich seit langem an der Veröffentlichung und Anstiftung „zu separatistischen Ansichten“ beteiligt, hieß es zur Begründung.
Die Regierung in Taipeh wertete den Schritt als Versuch Pekings, die Taiwaner einzuschüchtern. China betrachtet das demokratisch regierte Taiwan als eigenes Territorium.
Ein Sprecher des für die China-Politik der Insel zuständigen Ministeriums kritisierte das Vorgehen. China versuche mit den Maßnahmen gegen die Influencer, den Nationalismus im eigenen Land zu schüren, sagte er vor Journalisten und fügte hinzu: „Diese Fahndungsausschreibungen dienen nur der Show“.
Die beiden Männer, die für ihre öffentliche Kritik an China bekannt sind, zeigten sich unbeeindruckt. „Je stärker der Wind, desto stabiler bin ich“, schrieb Chen auf seinem Konto auf der Plattform Threads. Pa Chiung erklärte, er habe die Nachricht erst nach dem Aufwachen gesehen. „Es scheint also, dass ich zu Puma Shen geworden bin“, fügte er hinzu. Er bezog sich damit auf den Abgeordneten der taiwanesischen Regierungspartei DPP, Puma Shen, gegen den China im vergangenen Monat wegen angeblicher „separatistischer“ Aktivitäten zu ermitteln begann.
Die taiwanesische Regierung wirft China vor, mit seiner „langarmigen Rechtsprechung“ sogenannten „roten Terror“ zu verbreiten. Der Abgeordnete Shen hielt sich am Mittwoch in Berlin auf, um bei einer Anhörung des Bundestages zum Thema Desinformation auszusagen. Er erklärte, er lasse sich nicht einschüchtern.
„China versucht seit langem, das Volk von Taiwan durch Einschüchterung zum Schweigen zu bringen“, sagte Shen. „Ich möchte allen sagen, dass wir als mutige Taiwaner deswegen nicht zurückweichen werden.“
Die Regierung in Taipeh lehnt die Souveränitätsansprüche Pekings ab. Sie vertritt den Standpunkt, dass nur die Bevölkerung der Insel über ihre Zukunft entscheiden könne.