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TrumpNeue Air Force One? Was hinter dem Boeing-Geschenk aus Katar steckt

Der US-Präsident bekommt möglicherweise ein Flugzeug von Katars Herrscherhaus geschenkt. Das außergewöhnliche Präsent könnte sich aber noch als ziemlich teuer herausstellen.Thomas Bürgerhausen 16.05.2025 - 19:30 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Eine katarische Boeing 747: Die Herrscherfamilie Katars schenkt Trump einen Jet. Foto: AFP

Düsseldorf. 400 Millionen Dollar im Wert, mehr als 70 Meter lang: US-Präsident Donald Trump soll ein besonderes Geschenk von der katarischen Herrscherfamilie bekommen – ein Flugzeug. Neu ist der Luxusflieger, eine Boeing 747-8I, nicht. Er wurde von der Familie im November 2023 aus dem Betrieb genommen – nachdem sie seit fünf Jahren versuchen, die Maschine zu verkaufen.

Das Flugzeug steht bereits in den USA. Damit Trump die Maschine als Regierungsflieger nutzen könnte, sind allerdings umfangreiche Nachrüstungsarbeiten nötig – die das dreifache des Wertes des Fliegers umfassen. Trotzdem freut sich der US-Präsident über das mögliche Geschenk. So sagte er vor Beginn seiner Nahost-Reise: „Ich könnte ein dummer Mensch sein und sagen: Nein, wir wollen kein kostenloses, sehr teures Flugzeug. Aber ich fand, es war eine großartige Geste.“

Warum solle er das Geschenk nicht annehmen, fragte Trump in einem Interview mit dem US-Sender Fox News. „Wir machen doch auch ständig Geschenke.“ Die gleiche Ansicht vertritt Katars Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani und bezeichnete das Vorgehen im Gespräch mit dem Fernsehsender CNN als ein „ganz einfaches Geschäft von Regierung zu Regierung“.

Experten und Politiker sehen dies jedoch anders. So betont Richard Aboulafia, Experte für Militärflugzeuge und Geschäftsführer einer Luft- und Raumfahrtberatung, dass ein solches Flugzeug ein großes Sicherheitsrisiko darstellt. Auch aus den eigenen Reihen gibt es Kritik am Vorgehen des US-Präsidenten. So äußert sich Trump-Unterstützer und Podcaster Ben Shapiro zum Thema mit der Aussage: „Das ist nicht America First“.

Wie geht es jetzt mit der Luxusmaschine weiter? Was sind die Unterschiede zur jetzigen Air Force One? Und gefährdet Trump durch das Geschenk die innere Sicherheit der USA? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Warum hat das katarische Herrscherhaus das Flugzeug aus dem Betrieb genommen?

Mehr als zehn Jahre war die Luxus-Boeing im Besitz der Herscherfamilie. Viel geflogen ist die Familie in dieser Zeit damit aber nicht. Insgesamt hat das Flugzeug weniger als 300 Flüge und nur rund 1100 Flugstunden absolviert.

Eine ähnliche Maschine hatte Katar 2018 im Besitz und versuchte diese ebenfalls erfolglos zu verkaufen. Damals verschenkte Katar das Flugzeug an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan.

Im jetzigen Fall dürfte die Familie von Sheikh Tamim bin Hamad Al Thani ebenfalls froh sein, wenn sie nicht mehr Eigentümer der Maschine ist. John Goglia, ehemaliger Flugzeugmechaniker und Mitglied des U.S. National Transportation Safety Board, mutmaßte im Gespräch mit dem US-Magazin Forbes, dass durch die Abgabe der Boeing die Kataris Wartungskosten vermeiden würden.

Was soll mit dem Flugzeug jetzt passieren?

Seit gut einem Monat befindet sich die Maschine auf dem Flughafen von San Antonio in Texas. Dort rüstet Boeing Flugzeuge zu Präsidentenmaschinen auf. Dafür sind jedoch umfangreiche Maßnahmen nötig. „Es ist ein enormer Aufwand, die Kommunikation zu verschlüsseln und das Militär sowie die Regierung von überall auf der Welt und unter allen Umständen zu steuern“, erklärt Aboulafia.

Ob es jetzt tatsächlich zu der Schenkung kommt, steht noch aus. Rechtlich halten US-Justizministerin Pam Bondi und Anwälte im Weißen Haus das Geschenk für zulässig. Auch einen Bestechungsversuch sehen sie nicht.

Nach Trumps Ausscheiden aus dem Amt soll der Luxus-Jet seiner Präsidentenstiftung gespendet werden, berichteten US-Medien. Dies würde ermöglichen, dass Trump die Maschine auch nach seiner Amtszeit privat nutzen dürfte.

Was für ein Flugzeug ist die Boeing 747-8 aus Katar?

Die Boeing 747-8 der katarischen Herrscherfamilie ist eines der edelsten Flugzeuge seiner Art. Die Maschine ist etwa 76 Meter lang. Zur aktuellen Ausstattung gehören nicht nur mehrere Schlafzimmer und Wohnzimmer, sondern auch ein eigener Kinderspielbereich, Suiten, Badezimmer, Esszimmer, Büros und Konferenzräume.

Der Luxus-Jet von innen: Eine der vielen Aufenthaltsmöglichkeiten. Foto: Cabinet Alberto Pinto
Der Luxus-Jet von innen: Das mögliche Schlafzimmer des Präsidenten. Foto: Cabinet Alberto Pinto
Der Luxus-Jet von innen: Ein großer Fernseher und eine Couch würden ebenfalls in Trumps möglichen Schlafzimmer stehen. Foto: Cabinet Alberto Pinto
Der Luxus-Jet von innen: Das große Badezimmer, ausgestattet unteranderem mit einer begehbaren Dusche. Foto: Cabinet Alberto Pinto
Der Luxus-Jet von innen: Das Hauptbüro könnte zu Trumps möglichen Arbeitsplatz werden. Foto: Cabinet Alberto Pinto
Der Luxus-Jet von innen: Das Flugzeug verfügt über viele bequeme Sitzmöglichkeiten. Foto: Cabinet Alberto Pinto
Der Luxus-Jet von innen: Der Innenraum verteilt sich über zwei Etagen. Foto: Cabinet Alberto Pinto
Der Luxus-Jet von innen: Der Wohnbereich im Oberdeck. Foto: Cabinet Alberto Pinto
Der Luxus-Jet von innen: Das Flugzeug verfügt über mehrere Schlafräume. Foto: Cabinet Alberto Pinto
Der Luxus-Jet von innen: Insgesamt 420 Quadratmeter Wohnfläche würden dem Präsidenten zur Verfügung stehen Foto: Cabinet Alberto Pinto

Drei Jahre haben das Schweizer Unternehmen AMAC und das Pariser Designbüro Cabinet Alberto Pinto die Boeing für die katarische Herrscherfamilie umgebaut. Die französische Firma ist spezialisiert darauf, Jachten, Villen und Privatjets von extrem wohlhabenden Personen einzurichten. Für die katarische Boeing wählten sie ein edles, pompöses, cremefarbenes Innendesign.

Was sind die Unterschiede zu den bestehenden Air Force One?

Die Präsidentenmaschinen sind wesentlich funktionaler aufgebaut und auf die Sicherheit des Präsidenten und seiner Gäste ausgerichtet. Im vorderen Bereich des Flugzeugs befindet sich die Präsidenten-Suite. Neben dem Schlafzimmer gibt es dort noch ein Ankleidezimmer, ein Badezimmer, ein Büro und einen Fitnessraum.

Die Air Force One von innen. Foto: The White House

Um für medizinische Zwischenfälle vorbereitet zu sein, verfügt die Air Force One über ein voll ausgestattetes medizinisches Zentrum. Auf jeder Reise fliegt ein Arzt mit, der im Notfall auch Patienten operieren kann. Für die mitreisenden Journalisten und den Regierungsstab ist ein Bereich im hinteren Teil des Flugzeugs vorgesehen.

Was muss in der Boeing aus Katar nachgerüstet werden?

Deutlich mehr Aufwand als im Umbau des Innenbereichs des geschenkten Luxusfliegers dürfte in der technischen Nachrüstung stecken. Zwar kann das neuere Modell etwas weiter fliegen, denn die katarische Maschine ist mehr als 20 Jahre jünger als die aktuellen Präsidentenmaschinen. Aber sie kann nicht in der Luft betankt werden.

Das Flugzeug müsste außerdem auch in Krisensituationen wie einem nuklearen Angriff einsatzbereit sein, dafür müssten Sicherheits- und Kommunikationsfunktionen nachgerüstet werden. Gleiches gilt für die Notstromversorgung und Selbstverteidigungssysteme.

Im Falle eines Angriffs muss der US-Präsident im Inneren der Air Force One sicher sein. Um das zu gewährleisten, ist die Maschine mit hochleistungsfähigen Systemen ausgestattet. Dazu gehört etwa die Möglichkeit, aus der Luft mit dem Militär und dem Geheimdienst zu kommunizieren. Störsender am Flugzeug senden pulsierende Infrarotstrahlen aus, um Raketen abzulenken.

Die Air Force One von innen: der Bereich für VIP-Gäste. Foto: The White House

Selbst gegen den Fall einer explodierenden Atombombe haben die Bauer der Air Force One Vorkehrungen getroffen. Die Elektronik des Flugzeuges ist gegen elektromagnetische Strahlungen geschützt, wie sie bei Atomexplosionen auftreten. Dagegen ist die Luxus-Maschine aus Katar nicht gerüstet. Die US-Regierung müsste sie aufwendig umbauen, um die Sicherheitsstandards einer Air Force One zu erfüllen.

Aus der Politik gibt es dazu Kritik. So äußerte John Cohen, ehemaliger stellvertretender Minister für innere Sicherheit, im Gespräch mit ABC News: „Selbst unter den besten Umständen muss das Militär erhebliche Anstrengungen unternehmen, um sich davon zu überzeugen, dass das Flugzeug sicher konstruiert ist.“

Kommt es durch das Flugzeug zu einer Sicherheitslücke für den Geheimdienst?

Experten und Politiker warnen zudem vor möglichen Spionage- und Überwachungsrisiken. Der Demokrat Jack Reed warnt besonders eindringlich vor den Gefahren. Er sieht „immense Risiken für die Spionageabwehr, da einem fremden Staat potenziell Zugang zu sensiblen Systemen und Kommunikationsmitteln gewährt wird“.

Auch der ehemalige CIA-Agent Darrell Blocker kritisiert den Aufwand: „Wenn man auf alle Geschenke einer ausländischen Regierung zurückblickt, gibt es Vorschriften, Einschränkungen und Richtlinien, um sicherzustellen, dass keine Abhörung stattfindet. Bei einem Flugzeug wäre es ein absoluter Albtraum, dies bestätigen zu können.“ Um dies zu überprüfen, muss das Flugzeug ihm zufolge komplett zerlegt und gründlich untersucht werden.

Wie teuer sind die erforderlichen Nachrüstungen und welche Firma soll die Arbeiten durchführen?

Die Umbauarbeiten sollen voraussichtlich von der Firma L3 Harris in Texas übernommen werden. Die Firma hat bereits in der Vergangenheit mit Boeing zusammengearbeitet und Kommunikationssysteme für mehrere Präsidentenmaschinen hergestellt.

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Die Kosten werden auf 1,2 Milliarden Dollar geschätzt. Das ist das dreifache des aktuellen Schätzwertes des katarischen Luxus-Jets. Experten warnen, dass dies viel zu kostspielig und zeitintensiv ist. Trumps Wunsch, schon in diesem Jahr das neue Flugzeug nutzen zu können, ist demnach nicht realistisch.

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