US-Zölle: So trifft Trumps Zollhammer Europas Luxuskonzerne
Düsseldorf. Für die berühmte Leinentasche im Louis-Vuitton-Muster müssen Kundinnen in den USA nun mehr bezahlen: 2200 Dollar verlangt die Luxusmarke für die „Neverfull GM“ – ein Aufschlag von fünf Prozent. Seit Anfang Mai sind auch die Birkin-Handtaschen des Edelanbieters Hermès zwischen sechs und sieben Prozent teurer geworden – dabei hatten sie schon vorher teils deutlich über 10.000 Dollar gekostet.
Die Luxusindustrie reagiert damit auf die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump, der alle Einfuhren mit zehn Prozent Zoll belegt hat. Nach Ablauf der 90-tägigen Schonfrist droht den großen Luxuslabels, die vor allem aus der EU stammen, ein zusätzlicher Strafzollsatz von 20 Prozent.
Die Preiserhöhungen sind heikel. Selbst Kunden, die sich eigentlich teure Handtaschen und Uhren leisten können, sind angesichts einer möglichen US-Rezession gerade nicht in der Stimmung für Luxuskäufe. Die jüngsten Kursverluste an den Börsen haben die Kaufkraft vieler Amerikaner geschwächt, weil in den USA ein wichtiger Teil des Vermögens aus Aktien besteht.
Durch Trump droht der rund 1,5 Billionen Euro schweren Luxusindustrie damit die längste Flaute seit Jahrzehnten. In der Branche hat sich der Boom nach der Pandemie, als Konsumenten viel Geld für hochwertige Waren ausgaben und für Wachstumsraten jenseits der 20 Prozent sorgten, mittlerweile abgeschwächt – sogar unter die vor Corona üblichen rund sechs Prozent Wachstum pro Jahr.
Luxus war Jahrzehnte lang eine verlässliche Wachstumsbranche – bis jetzt. Europas Edelmarken stehen vor ihrer größten Herausforderung seit Jahrzehnten: Strafzölle, Handelskrieg und wackelige Märkte in den USA und China treffen die Luxuskonzerne hart.
Louis Vuitton, Gucci oder Hermès müssen plötzlich mit erheblichen Kostenaufschlägen jonglieren, während US-Kunden in Rezessionsangst geraten. Wer kann sich in dieser Situation noch durchsetzen – und welchen Marken droht in der größten Luxuskrise seit langem der Abstieg?