Ukraine-Krieg: Bauen gegen das Kriegstrauma in Irpin – „Das hilft mir, all das hier zu überleben“
Hier zeigt sich jetzt, welche Herausforderungen der Kleinstadt noch bevorstehen – so wie vielen Orten in der Ukraine.
Foto: HandelsblattIrpin, Kiew. Alexey Titov steht am Abgrund. Einst führte die Straße, auf der er steht, über den Fluss Irpin in Richtung Kiew. Doch einen Meter hinter ihm reißt der Asphalt plötzlich ab, die Brücke ist zerstört, die Straße führt ins Nichts.
Titov ist eigentlich Physiotherapeut. Seit seine Stadt von der russischen Besatzung befreit wurde, dokumentiert er den Wiederaufbau mit dem Handy. „Von da sind die Russen gekommen“, erklärt der 33-Jährige und zeigt auf ein Waldstück am Horizont. Während er redet, schluckt immer wieder Baulärm seine Worte: Im Auftrag einer türkischen Firma arbeiten Bauarbeiter schon daran, den Abgrund wieder zu schließen. Der Ersatz für die Brücke soll schon in wenigen Monaten stehen.
Überall in der ukrainischen Kleinstadt, die vor Beginn des Krieges rund 63.000 Einwohner hatte, hört man Menschen hämmern, schweißen, sägen. Handwerker reparieren Bürgersteige, Anwohner tragen Bretter zu ihren Häusern, Arbeiter reißen zerstörte Häuser ab, bauen andere wieder auf. Längst hat die Ukraine mit dem Wiederaufbau begonnen – obwohl sich das Land weiterhin im Krieg befindet. Russland greift die Ukraine mit Raketen und Drohnen an, hält Teile besetzt und versucht an der Front, die Befreiung zu verhindern.