Ukraine-Krieg: Europäer misstrauen offenbar USA bei Friedensgesprächen
Düsseldorf. Europäische Regierungschefs misstrauen den Vereinigten Staaten in den laufenden Friedensgesprächen mit Russland und der Ukraine offenbar deutlich. Darüber berichtete der „Spiegel“ am Donnerstag.
Dem Bericht zufolge sollen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in einer vertraulichen Telefonschalte mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sowie mehreren europäischen Spitzenpolitikern vor Alleingängen der USA gewarnt haben.
Sie äußerten demnach die Sorge, Washington könnte die Ukraine und Europa in zentralen Fragen übergehen. Der Bericht bezieht sich auf eine englischsprachige Mitschrift, die dem Spiegel vorliegt.
Das Magazin zitiert Macron demnach: „Es besteht die Möglichkeit, dass die USA die Ukraine beim Thema Territorium verraten, ohne Klarheit über Sicherheitsgarantien.“ Für Selenskyj bestehe laut Bericht „eine große Gefahr“.
Merz soll gefordert haben, der ukrainische Präsident müsse in den kommenden Tagen äußerst wachsam sein, da man aus Washington „taktisches Vorgehen“ erkenne – dem Bericht zufolge offenbar mit Blick auf die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner, die US-Präsident Donald Trump nahestehen.
Strategie in Russland und Venezuela: Widerspruch oder kohärente Sicherheitslogik?
Auch andere europäische Teilnehmer sollen dem Bericht zufolge erhebliche Vorbehalte gegenüber den beiden US-Emissären geäußert haben. Finnlands Präsident Alexander Stubb habe darauf hingewiesen, dass die Ukraine bei den Gesprächen nicht allein gelassen werden dürfe. Nato-Generalsekretär Mark Rutte soll diese Einschätzung unterstützt haben.
USA verhandeln in Florida
Das Telefonat der europäischen Staats- und Regierungschefs mit Selenskyj fand am Montag statt, unmittelbar nach Gesprächen zwischen dem ukrainischen Sicherheitsberater Rustem Umjerow und Vertretern der US-Regierung in Florida, an denen auch US-Außenminister Marco Rubio sowie Witkoff und Kushner teilgenommen hatten. Mehrere Beteiligte hätten dem „Spiegel“ bestätigt, dass die Schalte stattgefunden habe.
Aus dem Bundeskanzleramt hieß es dem Bericht zufolge, man kommentiere „kolportierte Gesprächspassagen“ grundsätzlich nicht. Merz habe öffentlich lediglich die Bedeutung der Zusammenarbeit mit den USA und die Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte betont. In Paris wurde bestritten, dass Macron von einem möglichen Verrat durch Washington gesprochen habe, ohne jedoch eigene Formulierungen offenzulegen. Auch aus dem Umfeld Selenskyjs wurde keine Stellungnahme zu den Inhalten der Schalte abgegeben.