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Ukraine-KriegNordkorea soll Soldaten aus Russland abgezogen haben

Tausende Männer aus Kim Jong-uns Armee kämpften nach Geheimdienst-Informationen für Russland, viele starben. Demnächst soll Nordkorea weitere Kräfte schicken – mit mehreren Zielen.Mareike Müller, Martin Kölling 05.02.2025 - 20:33 Uhr Artikel anhören
Nordkoreas Staatsoberhaupt Kim Jong-un: Er beaufsichtigt Artillerie-Schießübungen in seinem Heimatland im vergangenen Frühjahr. Foto: AP

Berlin, Tokio. Nordkoreanische Soldaten, die an Russlands Seite gegen die Ukraine kämpfen, sind offenbar zum Teil von der Front abgezogen worden. Die Soldaten des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong-un sollen in ihren Reihen bereits große Verluste erlitten haben.

Über das Geschehen berichtete zunächst die „New York Times“. Am Dienstag dann bestätigte der südkoreanische Geheimdienst, dass die besagten Soldaten schon seit Mitte Januar nicht mehr an Kämpfen an der Front im russischen Gebiet Kursk teilgenommen hätten.

Im vergangenen August waren Teile der ukrainischen Streitkräfte auf russisches Staatsgebiet vorgedrungen. Seither hält die Ukraine ein Gebiet in der Region Kursk besetzt, das sich direkt hinter der Grenze befindet. Um die russischen Streitkräfte dort zu unterstützen, erreichten Schätzungen zufolge im vergangenen November etwa 11.000 nordkoreanische Truppen den Frontabschnitt.

„Prekäre“ Lage an der Front

Doch die nordkoreanischen Truppen erlitten schnell massive Verluste. So verweist Südkoreas Geheimdienst darauf, dass 300 der nordkoreanischen Kämpfer schon gefallen seien, weitere 2700 seien verwundet. Und dabei haben bislang weder die nordkoreanische Führung noch der Kreml den Einsatz der nordkoreanischen Truppen in Russland überhaupt bestätigt.

Experten der US-Organisation Institute for the Study of War verweisen außerdem auf einen dem Kreml nahestehenden russischen Militärblogger. Laut seinen Aussagen legen die russischen Streitkräfte in Kursk eine „vorübergehende Operationspause“ ein.

Das jedoch sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahl der kämpfenden Truppen schon bald wieder ansteigen könnte: So teilte ein hochrangiger US-Verteidigungsbeamter der „New York Times“ mit, dass weitere nordkoreanische Streitkräfte „innerhalb der nächsten zwei Monate“, etwa Mitte März, in Russland eintreffen würden.

Schon zuvor hatte auch Südkorea gemeldet, dass sich Nordkorea vermutlich darauf vorbereite, weitere Truppen nach Russland zu schicken. Die erlittenen Verluste und die Gefangennahme einiger Soldaten spielten dabei keine Rolle.

Als „prekär“ hatte der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer, die Lage an der Front in der Ukraine Anfang der Woche im Handelsblatt-Interview bezeichnet. Und er fügte hinzu: Das Land gerate „immer stärker unter Druck“. Russland würde eigene und nordkoreanische Soldaten „verheizen“.

Motive für Nordkorea: mehr als Freundschaft

Ukrainische Beobachter gehen davon aus, dass Nordkorea seine Soldaten nicht nur in die Ukraine schickt, um Russland als Verbündeten zu unterstützen.

Was damit gemeint ist, formulierte die ukrainische Politikanalystin Alina Hrytsenko vom Nationalen Institut für Strategische Studien der Ukraine Ende Januar wie folgt: Der Einsatz ermögliche den Nordkoreanern, „unbezahlbare Kampferfahrung zu sammeln, Waffensysteme zu testen, Zugang zu russischer Militärtechnologie zu erhalten und sich weitere Unterstützung Moskaus im Kampf gegen die UN-Sanktionen zu sichern“.

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Nordkorea steht wegen seiner Entwicklung von Atomwaffen und Trägerraketen seit Jahren unter massiven westlichen Sanktionen. Hrytsenko kommt daher zu dem Schluss, dass die Präsenz der Nordkoreaner eine „gefährliche Eskalation“ darstelle. Sie warnte vor „potenziell alarmierenden Folgen für die globale Sicherheit“.

Klar sei aber auch, dass die nordkoreanischen Streitkräfte durch ihre Präsenz auf dem Gefechtsfeld die Lage „nicht dramatisch“ zugunsten Russlands ändern könnten, fügte die Expertin hinzu.

Umgang mit Gefangenen sorgte für Kritik

Für Schlagzeilen hatte gesorgt, als im Januar ukrainische Truppen zwei verwundete nordkoreanische Soldaten in der Region Kursk gefangen nahmen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte daraufhin, dass sie die „nötige medizinische Versorgung“ erhielten. Des Weiteren gab er an, die Gefangenen seien in der Obhut des ukrainischen Geheimdienstes SBU. Ukrainische Behörden beteuerten, die Haftbedingungen entsprächen internationalem Recht.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj: Verstößt der Umgang mit Gefangenen gegen die Genfer Konvention? Foto: dpa

Allerdings veröffentlichte Selenskyj ein Video, das die gefangenen Soldaten mutmaßlich bei einem Verhör zeigte, obwohl die  Veröffentlichung von Bildmaterial von Kriegsgefangenen gegen die Genfer Konvention verstößt. Das Regelwerk soll Menschen schützen, die nicht oder nicht mehr an Kampfhandlungen beteiligt sind.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) stellt klar, dass Kriegsgefangene „unter allen Umständen menschlich und mit Respekt für ihre Ehre“ zu behandeln seien. Sie seien gegen „jegliche Gewalttaten sowie gegen Einschüchterung, Beleidigungen und die öffentliche Neugierde“ zu beschützen. „Selbst wenn es den Anschein hat, dass Kriegsgefangene freiwillig öffentliche Erklärungen abgeben oder bereitwillig an der Aufzeichnung von Bildern teilnehmen, bleibt die Veröffentlichung an die Öffentlichkeit rechtswidrig“, betont das IKRK.

Experten wie Hrytsenko vermuten, dass nordkoreanische Soldaten dazu angehalten sein könnten, sich bei drohender oder tatsächlicher Gefangennahme das Leben zu nehmen.

Experte: Nutzen von Kursk für Ukraine begrenzt

Weiterhin ist der Nutzen der ukrainischen Operation in Kursk sehr umstritten. So kritisiert etwa der ukrainische Sicherheitsexperte Ivan Stupak, dass die ukrainische Seite sich mit der Invasion in Kursk langfristig keinen großen Vorteil verschaffe.

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Er räumt gegenüber dem Handelsblatt auf der Tagung „Sicherheit und Verteidigung“ allerdings ein: Man könne das eroberte Gebiet auf russischem Territorium möglicherweise eines Tages als Verhandlungsmasse in Friedensverhandlungen oder Gesprächen über einen Waffenstillstand einbringen. Es könne aber auch sein, dass der Kreml den möglichen Verlust des Gebiets in der Region Kursk nicht als schmerzhaft empfinde.

Stupak weist auch darauf hin, dass die ukrainischen Truppen derzeit vor allem rund um die Ortschaften Pokrovsk und Tschassiw Jar unter Druck stehen. Seiner Ansicht nach könnten die Truppen, die nun in Kursk eingebunden sind, in diesen strategisch wichtigeren Ortschaften besser eingesetzt werden.

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