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Global ChallengesDie Rückkehr der Imperialisten

US-Präsident Donald Trump will Grönland und den Panamakanal kontrollieren – und beruft sich auf die Monroe-Doktrin. Was aus seinen Drohungen folgt, erklärt Hendrik Simon. Ein Gastkommentar. 30.01.2025 - 12:21 Uhr Artikel anhören
Der Autor: Hendrik Simon ist Historiker und Politikwissenschaftler am Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) und am Peace Research Institute Frankfurt (PRIF). Foto: IMAGO/imagebroker [M]

Manchmal leben Totgesagte länger. Donald Trumps Wiederwahl ist ein gutes Beispiel dafür: Hatte die „New York Times“ nach seiner Niederlage gegen Joe Biden 2020 vom Ende eines schrecklichen Experiments gesprochen, wissen wir heute: Das Experiment geht weiter. Ausgang? Ungewiss.

Neu ist, dass Donald Trump zum Erreichen seiner Ziele militärische Gewalt einsetzen könnte

Trump 2.0 könnte (auch) außenpolitisch noch radikaler werden. So erklärte der US-Präsident Anfang 2025, Grönland und den Panamakanal kontrollieren zu wollen. Die Begründung: der zunehmende Einfluss Russlands und Chinas in der Arktis und in Lateinamerika. Donald Trumps Interesse an Grönland ist nicht neu. Neu ist allerdings, dass er nicht ausschließt, zum Erreichen seiner Ziele militärische Gewalt einzusetzen.

Grönland

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Ob der selbsternannte Dealmaker nur blufft, ist unklar. Diese Unklarheit zeichnet Trumps aggressive Verhandlungsstrategie aus. Bei seiner Antrittsrede vom 20. Januar 2025 hat der 45. und 47. US-Präsident seine Drohung gegenüber Panama wiederholt – gegenüber Grönland nicht.

Aber selbst wenn Trump bluffen sollte: Seine Worte sind nicht folgenlos. Aus ihnen spricht eine tiefe Missachtung internationaler Normen wie die Unverletzbarkeit von Staatsgrenzen oder die Selbstbestimmung der Völker. Bereits eine Androhung militärischer Gewalt verstößt zudem gegen das Gewaltverbot der UN-Charta. Angesichts der russischen Aggression gegen die Ukraine und Chinas Säbelrasseln gegenüber Taiwan ist das ein fatales politisches Signal.

Die Monroe-Doktrin diente als Rechtfertigung des US-Imperialismus in Lateinamerika

Trumps Rhetorik signalisiert die Wiederbelebung einer der einflussreichsten Doktrinen in der Geschichte der US-Außenpolitik: die Monroe-Doktrin. Erstmals 1823 von US-Präsident James Monroe formuliert, hatte sie zunächst eine antiimperiale Ausrichtung: Monroe erklärte den amerikanischen Doppelkontinent für die weitere europäische Kolonisierung und Einmischung für tabu.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts aber wurde die Doppeldeutigkeit der Doktrin immer deutlicher. Nach der Venezuelakrise von 1902/03 stellte Theodore Roosevelt klar: „Wenn wir den Mächten Europas sagen wollen: ‚Hände weg‘, dann müssen wir früher oder später selbst für Ordnung sorgen.“

Die Monroe-Doktrin wurde so zur zentralen Rechtfertigung des US-amerikanischen Imperialismus in Lateinamerika. Bis heute hat sie zur Gewaltrechtfertigung von Großmächten in „ihren“ Hinterhöfen gedient. Adolf Hitler bezog sich auf die Monroe-Doktrin, um die Zerschlagung der Tschechoslowakei zu begründen und eine Einmischung der USA als „raumfremde Macht“ (Carl Schmitt) zurückzuweisen.

Dass die Monroe-Doktrin heute bei neu-rechten und autoritären Politikern und ihren Beratern nicht nur in den USA, sondern auch in Russland, China, und Europa beliebt ist, mag kaum überraschen. Denn das Denken in Hemisphären steht in eklatantem Widerspruch zu jeglicher Idee einer universellen Völkerrechtsordnung.

Der rechte US-Vordenker Sumantra Maitra schrieb in „The American Conservative“, dass „die US-Sicherheitsinteressen auch in der Expansion und der hegemonialen Vorherrschaft liegen, zumindest in der westlichen Hemisphäre“. Trump solle, erklärt Maitra, sich diesem Wunsch nach Größe hingeben: „Möge das Zeitalter des kastrierten, impotenten Managements ein für alle Mal vorbei sein.“

Weil die US-Regierung unter Barack Obama den antiliberalen Kern der Monroe-Doktrin erkannt hatte, erklärte sie US-Außenminister John Kerry 2013 für obsolet. Aber auch diese Totgesagte lebte länger: 2018 behauptete Donald Trump vor den Vereinten Nationen, dass es „die formelle Politik unseres Landes seit Präsident Monroe ist, dass wir die Einmischung ausländischer Nationen in dieser Hemisphäre ablehnen“.

Donald Trumps Äußerungen haben eine neue Qualität, weil er nun mit Einmischung und territorialer Vergrößerung der USA droht.
Hendrik Simon

Trumps Äußerungen zu Beginn seiner zweiten Amtszeit haben eine neue Qualität, weil er nun mit Einmischung und territorialer Vergrößerung der USA droht. Auf kurze Sicht mag es Trump mit seinem aggressiven Stil gelingen, Deals zu erzwingen.

Auf lange Sicht aber wäre eine Politik der guten Nachbarschaft ratsamer. Sie würde internationales Vertrauen durch regionale Institutionen stärken und damit geostrategischen Konkurrenten wie Russland und China demokratisch begegnen.

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Für einen besonnenen Politikstil jedoch ist Trump bekanntlich der falsche Mann. Eine Wiederbelebung der Monroe-Doktrin wird Alliierte verprellen und die internationale Rechtsordnung untergraben – und damit auch US-Interessen schaden.

Der Autor: Hendrik Simon ist Historiker und Politikwissenschaftler am Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) und am Peace Research Institute Frankfurt (PRIF).

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