Ukraine-Krieg: Ukraine will mehr als 100 Kampfjets aus Schweden kaufen
Berlin. Die Ukraine bestellt in großem Stil Kampfflugzeuge des Typs JAS 39 Gripen in Schweden. Geplant sei, mindestens 100 Maschinen anzuschaffen, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf der Plattform X. Die Jets seien eines der zentralen Elemente für die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit seines Landes, schrieb Selenskyj weiter. Er erwarte die ersten Auslieferungen bereits im kommenden Jahr.
Der ukrainische Präsident hatte am Mittwoch im schwedischen Linköping Premierminister Ulf Kristersson getroffen und dabei eine Absichtserklärung zum Erwerb der Kampfjets unterzeichnet. Kristersson sprach sogar von 100 bis 150 Jets, dämpfte allerdings die Erwartung, was den Liefertermin angeht. Er rechne damit, dass die ersten Maschinen wohl innerhalb von drei Jahren ausgeliefert werden könnten, sagte er laut der Deutschen Presse-Agentur auf der gemeinsamen Pressekonferenz.
Geliefert werden soll die modernste Variante Gripen E, deren Serienproduktion gerade erst anläuft. Die ersten beiden von 60 bestellten Maschinen sind soeben an die schwedische Luftwaffe geliefert worden. Die E-Variante verfügt über stärkere Triebwerke, eine größere Reichweite, ein fortschrittlicheres Radar und modernere Elektronik als die Vorgängermodelle. Am Saab-Standort in Linköping wurde Selenskyj eines der Flugzeuge vorgeführt.
„Das beste Kampfflugzeug der Welt“
Kristersson nannte die Gripen „das beste Kampfflugzeug der Welt“. Allerdings fand der Erstflug der ersten Generation der Jets schon Ende 1988 statt, gut fünf Jahre vor dem des Eurofighters. Die Maschine ist als Jagdbomber konzipiert, kann also sowohl im Luftkampf als auch gegen Bodenziele eingesetzt werden.
Der Konzern hat gerade erst einen Auftrag von der Bundeswehr über 20 weitere Maschinen erhalten, die in den Jahren 2031 bis 2034 ausgeliefert werden sollen. Die Produktionsrate soll von zehn auf 20 Maschinen pro Jahr verdoppelt werden. Auch die Türkei und Saudi-Arabien wollen Eurofighter ordern.
Doch jetzt feiert Saab mit dem Auftrag aus der Ukraine einen Exporterfolg. Bisher ist die Gripen in den Versionen C und D neben Schweden auch in den Nato-Ländern Tschechien und Ungarn sowie in Südafrika und Thailand im Einsatz. Brasilien lässt die Gripen beim Hersteller Embraer in Lizenz fertigen, die brasilianische Luftwaffe hat insgesamt 36 der Jets bestellt.
Saab-Chef Mikael Johansson hatte im Frühjahr erklärt, dass sein Unternehmen auch mit Kanada, Portugal und mehreren lateinamerikanischen Ländern über einen Kauf der Gripen im Gespräch sei. Unklar ist bisher, wie die Maschinen für die Ukraine finanziert werden sollen. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Ohne ausländische Hilfe dürfte das Land, das sich seit fast vier Jahren im Krieg gegen den Angreifer Russland behauptet, den Kauf kaum stemmen können.