US-Notenbank: Trump hat Entscheidung über neuen Fed-Chef getroffen
Washington. US-Präsident Donald Trump hat nach eigenen Angaben seine Entscheidung über den nächsten Vorsitzenden der Notenbank Federal Reserve (Fed) getroffen. Auf dem Rückflug nach Washington sagte er vor Reportern, er wisse, wen er nominieren werde. Einen Namen nannte er nicht, stellte aber eine baldige Bekanntgabe in Aussicht.
Trump macht seit Monaten Druck auf den amtierenden Fed-Chef Jerome Powell, dem er vorwirft, die Zinsen nicht schnell genug zu senken. Entsprechend deutlich signalisiert der Präsident, dass er eine Führung der Notenbank sucht, die aggressiver auf Zinssenkungen hinarbeitet.
Nach Informationen der Finanznachrichtenagentur Bloomberg gilt Kevin Hassett, Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats im Weißen Haus und einer der engsten wirtschaftspolitischen Berater Trumps, als Favorit für den Posten. Hassett selbst wies Spekulationen am Sonntag als „Gerücht“ zurück, verwies jedoch auf eine positive Marktreaktion nach ersten Berichten über seine mögliche Nominierung.
» Lesen Sie auch: Fed-Protokolle signalisieren Uneinigkeit über weiteren Zinskurs
Die Aussicht auf einen von Trump bevorzugten Zinssenkungskurs hatte unter anderem die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kurzzeitig unter vier Prozent gedrückt.
Hassett sagte, die Amerikaner könnten erwarten, dass Trump jemanden auswähle, der für günstigere Kredite sorge – von Autodarlehen bis zu Hypotheken.
Was macht die Wall Street?
Ebrahim Rahbari, Makrostratege beim Analysehaus Absolute Strategy, hält Hassett schon seit Wochen für den aussichtsreichsten Kandidaten. „Er arbeitet gut mit Präsident Trump zusammen und gilt als loyal“, schrieb Rahbari in einer Analyse vom Oktober. „Hassett ist auch glaubwürdig genug, um vom Kongress bestätigt zu werden und die Finanzmärkte nicht übermäßig zu beunruhigen.“
Hassett war bereits in Trumps erster Amtszeit ein wichtiger ökonomischer Berater des Präsidenten und arbeitete in den 1990er- Jahren als Ökonom bei der US-Notenbank. Beobachter erwarten, dass die Wall Street uneindeutig reagieren wird. Einerseits sind niedrigere Zinsen gut für die Aktienkurse. Doch sollte die Notenbank die Zinsen zu stark senken und damit eine neue Inflationswelle riskieren, könnte sich die Stimmung drehen, sagte ein Portfolio-Manager.
Unklar ist auch, ob Hassett eine einhellige Meinung im Offenmarktausschuss herstellen kann. Dieses zentrale Gremium legt etwa das Zinsziel fest. Die Notenbanker arbeiten darin traditionell auf einstimmige Entscheidungen hin. Sollte die Fed gespalten sein, würde dies ein Signal der Unsicherheit an die Märkte senden.
Das sind die anderen Kandidaten
US-Finanzminister Scott Bessent hatte zuletzt angekündigt, dass eine Entscheidung noch vor Weihnachten fallen könnte. Neben Hassett stehen auch die Fed-Gouverneure Christopher Waller und Michelle Bowman, der frühere Notenbanker Kevin Warsh sowie Blackrock-Manager Rick Rieder auf der Shortlist. Trumps Favorit Bessent hat eine Übernahme des Postens bislang abgelehnt.
Die Nominierung muss vom Senat bestätigt werden. Sollte Trump einen externen Kandidaten benennen, würde dieser voraussichtlich zugleich für eine volle 14-jährige Amtszeit als Fed-Gouverneur vorgeschlagen. Powells Amtszeit an der Spitze der US-Notenbank endet im Mai.
Mit Material von Bloomberg.