US-Wahlkampf: Der Präsident ist krank – und seine Gegner sind im Siegesrausch
Milwaukee. Jeden Abend gegen 20 Uhr verändert sich die Stimmung in der Parteitagshalle der Republikaner in Milwaukee. Die Band setzt neu an, das Geschnatter der Menge verstummt, dann kreischen die ersten Fans: „Er kommt!“ Donald Trump bahnt sich zu „It’s a man’s world“ seinen Weg auf die Tribüne. Dort warten schon sein Sohn Eric, seine Tochter Tiffany, Vizepräsidentschaftskandidat J. D. Vance und andere loyale Mitglieder der Entourage.
Ab diesem Zeitpunkt muss Trump nichts mehr tun außer dazusitzen und zu nicken. Wenn ihm danach ist, streckt er einen Daumen nach oben. Es ist völlig egal, was er da oben in seinem Klappsitz macht, denn die Republikaner liegen ihm sowieso zu Füßen.
Delegierte verneigen und bekreuzigen sich, schließen die Augen zum Gebet. Der Personenkult um Trump wurde noch nie so spürbar wie auf dem Parteitag der Republikaner, der in der Nacht zum Freitag mit einer Abschlussrede des Spitzenkandidaten zu Ende gehen wird.
Knapp 16 Wochen vor den US-Präsidentschaftswahlen haben sich die Republikaner auf dem Parteitag endgültig dem Trump-Jüngertum ergeben. Der Kontrast zwischen einer hochmotivierten republikanischen Basis und einer demokratischen Partei, die ihren Präsidenten aus dem Amt putschen will, hätte in dieser Woche größer nicht sein können.