US-Wahlkampf: So reagieren Top-Demokraten auf Bidens Rückzug – und Harris' Kandidatur
Düsseldorf. Nach dem Rückzug von US-Präsident Joe Biden als Spitzenkandidat im US-Wahlkampf hoffen die US-Demokraten auf eine Wende im Wahlkampf gegen den Republikaner Donald Trump. Als aussichtsreichste Ersatzbewerberin vor der Abstimmung im November gilt die von Biden und zahlreichen weiteren Parteigrößen unterstützte gegenwärtige Vizepräsidentin Kamala Harris.
Einem Bericht der „New York Times“ zufolge sprach sich bereits eine Mehrheit der Demokraten im Kongress für Harris aus – sowie fast die Hälfte der demokratischen Gouverneure des Landes. Auch die Nachrichtenagentur Reuters berichtete davon, dass ein Großteil der US-Demokraten Harris bereits ihre Unterstützung versprochen hat.
Viele gaben schnell ihre Erklärungen zu dem Rückzug des US-Präsidenten ab – und lobten Biden und Harris in diesen. Dem Bericht zufolge unterstützen Harris zehn Gouverneure, 32 Senatoren und 153 Abgeordnete öffentlich. 72 Demokraten gaben allerdings Erklärungen ab, ohne Harris zu nennen – davon 12 Gouverneure.
So reagieren Top-Demokraten – und mögliche Konkurrenten von Harris auf ihre Bewerbung
Josh Shapiro und Pete Buttgieg
Harris erhält wichtige Unterstützung für ihre Kandidatur als demokratische Kandidatin für die US-Präsidentschaftswahlen 2024. Sowohl der Gouverneur von Pennsylvania, Josh Shapiro, als auch US-Verkehrsminister Pete Buttigieg sprachen sich öffentlich für Harris aus.
In separaten Erklärungen auf dem Kurznachrichtendienst X betonten beide Politiker Harris' Erfahrung und ihre Führungsqualitäten.
Sowohl Shapiro als auch Buttigieg werden als mögliche Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten gehandelt.
Gavin Newsom
Der einflussreiche Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, unterstützt Kamala Harris als demokratische Präsidentschaftskandidatin.
„Stark. Furchtlos. Hartnäckig. Wenn unsere Demokratie auf dem Spiel steht, ist niemand besser geeignet, sich der dunklen Vision von Donald Trump entgegenzustellen und unser Land in eine gesündere Richtung zu führen, als die Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten, Kamala Harris“, schrieb Newsom auf der Plattform X.
Auch zu Biden verfasste der Gouverneur ein Posting – voller Lob. „Präsident Biden war ein außergewöhnlicher, geschichtsträchtiger Präsident – eine Führungspersönlichkeit, die hart für die arbeitenden Menschen gekämpft und erstaunliche Ergebnisse für alle Amerikaner erzielt hat“, schrieb er auf X. Er werde als einer wirkungsvollsten und selbstlosesten Präsidenten in die Geschichte eingehen.
Gretchen Whitmer
Als mögliche Ersatzkandidatin im US-Wahlkampf wird die die Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer, gehandelt. Ihre Unterstützung für Harris hat die Politikerin bislang noch nicht öffentlich bekundet. Laut Informationen der Finanznachrichtenagentur „Bloomberg“ beabsichtige Whitmer allerdings nicht, selbst anzutreten. Bloomberg bezieht sich auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person.
Wes Moore
Der erste schwarze Gouverneur von Maryland gilt als einer der möglichen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten. Nach dem Einsturz der Francis-Scott-Key-Brücke in Baltimore in diesem Jahr arbeitete er eng mit dem Weißen Haus zusammen.
Zum Rückzug von Biden äußerte sich Moore auf der Plattform X mit viel Lob – allerdings fiel in dem Statement kein Wort zu Harris' Interesse an der Kandidatur.
» Lesen Sie auch: Kamala Harris’ Weg zur Nominierung und die Hindernisse
Barack Obama
Trotz der breiten Unterstützung innerhalb der Partei haben sich einige führende Demokraten nicht offiziell zu Harris' Kandidatur geäußert. Dazu gehört der ehemalige Präsident Barack Obama. Dieser verfasste zwar ein langes Statement zu Bidens Rückzug. Er erwähnte Harris' Bewerbung allerdings nur vage.
Dem scheidenden US-Präsidenten brachte Obama viel Wertschätzung entgegen. „Joe Biden ist einer der bedeutendsten Präsidenten Amerikas und ein guter Freund und Partner für mich“, schrieb er auf seinem auf der Plattform X verbreitetem Statement.
Die Zukunft nannte er ungewiss: „Wir werden in den nächsten Tagen unbekannte Gewässer durchqueren. Aber ich habe außerordentliches Vertrauen, dass die Führung unserer Partei einen Prozess gestalten wird, aus dem ein herausragender Kandidat hervorgeht“
Nancy Pelosi und Chuck Schumer
Die frühere Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, rückte Bidens politisches Vermächtnis in den Vordergrund. „Präsident Joe Biden ist ein patriotischer Amerikaner, der unser Land immer an die erste Stelle gesetzt hat“, schrieb die weiterhin einflussreiche demokratische Kongressabgeordnete auf der Plattform X.
„Sein Vermächtnis an Visionen, Werten und Führungsqualitäten macht ihn zu einem der bedeutendsten Präsidenten in der amerikanischen Geschichte“, schrieb Pelosi weiter. Sie dankte Biden dafür, „immer an das Versprechen Amerikas geglaubt“ zu haben. „Gott hat Amerika mit der Größe und Güte von Joe Biden gesegnet“, schrieb die Demokratin abschließend. Zu der Bewerbung von Harris hat sie sich allerdings bislang nicht geäußert.
Auch der Fraktionschef im Senat, Chuck Schumer, schrieb auf sozialen Medien viel zu US-Präsidenten Joe Biden. Zur Vizepräsidentin äußerte er sich hingegen bislang noch nicht.
Harris braucht die Stimmen von 1969 der 3936 demokratischen Delegierten, um auf dem Parteitag vom 19. bis 22. August in Chicago für die Präsidentschaftswahl am 5. November nominiert zu werden. Der US-Bundesstaat Tennessee habe Harris als erster seine 70 Delegierten zugesagt, hieß es weiter.
Die meisten Delegierten hatten sich nach den diesjährigen Vorwahlen für Biden mit Harris als Vizepräsidentin ausgesprochen. Nach Bidens Rückzug sind sie nicht mehr daran gebunden. Biden war zwar der designierte Kandidat der Partei, hat aber nicht die Befugnis, den offiziellen Kandidaten der Demokraten zu bestimmen.
Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und Reuters