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USAMöglicher IS-Terroranschlag in New Orleans

Der Täter tötete 14 Menschen bevor er von Polizisten erschossen wurde. Er hatte zuvor beim Militär gedient und wurde mutmaßlich vom Islamischen Staat inspiriert. 02.01.2025 - 21:14 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Polizeiabsperrung in New Orleans: Die Tat wird als terroristischer Angriff gewertet. Foto: AP

New Orleans. Die US-Südstaatenmetropole New Orleans ist in der Silvesternacht zum Schauplatz eines mutmaßlichen Terrorakts geworden. Nur wenige Stunden nach Mitternacht raste ein Mann mit seinem Pick-up-Truck durch die feiernden Passanten im beliebten Ausgehviertel French Quarter und tötete dabei nach jüngsten Angaben 14 Menschen.

Die Polizei meldete zudem 35 Verletzte. Der Täter habe sich einen Schusswechsel mit den Polizisten geliefert und zwei Beamte verletzt. Der Angreifer kam bei dem Gefecht ums Leben. Zum jetzigen Zeitpunkt gehen die Ermittler davon aus, dass der Täter alleine gehandelt habe.

Augenzeugen beschreiben im US-Fernsehen Horrorszenen und sprechen von Leichen auf Straßen und Bürgersteigen. Viele Menschen seien schreiend geflohen. Videoaufnahmen zeigten Blutspuren auf dem Asphalt und eilig Helfende. Behörden meldeten schnell, dass die Tat als Terrorakt untersucht werde.

Am Mittag (Ortszeit) veröffentlichte das FBI Details zum Täter: Demnach handelt es sich bei dem Täter um einen 42-jährigen in Texas geborenen US-Staatsbürger namens Shamsud-Din J. Er diente in der US-Armee und wurde danach jahrelang weiter als Reservist geführt. Das FBI vermutet, dass er nicht allein handelte.

Die „New York Times“ berichtete, J. habe nach seinem Ausscheiden aus dem Militär Schwierigkeiten gehabt, sich im zivilen Leben zurechtzufinden. Dem Blatt zufolge geht dies aus einem Interview aus dem Jahr 2015 hervor, das J. mit der Studentenzeitung der Georgia State University geführt habe.

Während seiner militärischen Laufbahn sei er demnach vor allem als IT-Spezialist tätig gewesen. Er habe von 2007 bis 2015 im US-Militär gedient und sei einmal nach Afghanistan entsandt worden, berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf Angaben des US-Militärs.

Motivation durch den Islamischen Staat

Ermittler fanden an Bord des Tatfahrzeugs eine Flagge der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Im Tatfahrzeug seien auch Waffen gefunden worden, dort und in dem Viertel entdeckten die Ermittler zudem mehrere mögliche selbstgebaute Sprengkörper. Es werde derzeit geprüft, ob diese wirklich hätten gezündet werden können. Laut FBI handelt es sich bei dem Tatfahrzeug um einen über den Vermittlungsdienst Turo privat angemieteten Wagen.

US-Präsident Joe Biden bestätigte am frühen Donnerstagmorgen, dass der IS den Täter zu seinem Angriff bewegt habe. Das habe er nur wenige Stunden vor der tödlichen Attacke in Videos mitgeteilt, die in sozialen Netzwerken gepostet worden seien, sagte Biden unter Berufung auf Informationen der Bundespolizeibehörde FBI. Der Attentäter habe auf den Aufnahmen davon gesprochen, dass er getrieben gewesen sei „vom Verlangen zu töten“.

Der US-Präsident bekräftigte außerdem Erkenntnisse der Ermittler, dass im Pick-up-Truck, mit dem der Mann am Neujahrsmorgen in die Menschenmenge in New Orleans gerast war, sowie außerhalb des Fahrzeugs mögliche Sprengsätze gefunden worden seien. In dem Wagen habe sich zudem eine Flagge des IS befunden.

Schon am frühen Morgen hatte die Polizei das Geschehen als „sehr absichtliches Verhalten“ bezeichnet. „Er versuchte, so viele Menschen zu überfahren wie möglich“, sagte New Orleans’ Polizeichefin Anne Kirkpatrick in einer ersten Einschätzung. Später ergänzte sie: „Das war nicht nur ein Terrorakt. Das war teuflisch.“

Tat ereignet sich, als Tausende auf der Feiermeile sind

Der Vorfall ereignete sich laut Polizei um 3.15 Uhr am Morgen in einem Teil der Stadt, den bei vielen Events Zehntausende besuchen. Im French Quarter feiern die Menschen im März auf Balkonen und in den Straßen den berühmten Karneval Mardi Gras, auch ein Jazzfestival im späten Frühling zieht dort die Massen an.

Der Tatort, die Hauptstraße Canal Street und die kleinere Bourbon Street, ist an Neujahr auch weit nach Mitternacht noch sehr belebt. Es fehlten einem Bericht zufolge allerdings Poller, die den mutmaßlichen Täter am Neujahrsmorgen hätten aufhalten können. Er habe ein Polizeiauto umfahren, das den Zugang stattdessen versperren sollte, berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf Behördenangaben vom Mittwoch (Ortszeit).

Die Poller, die normalerweise in New Orleans bei Großereignissen die Durchfahrt etwa in die Bourbon Street in dem beliebten Ausgehviertel versperren, seien in der Silvesternacht nicht im Einsatz gewesen. Sie sollten in Vorbereitung auf den Super Bowl, den New Orleans Anfang Februar ausrichtet, ausgetauscht werden. Als Ersatz parkte an der Stelle demnach ein Polizeiauto. Auch weitere Barrieren und Polizeipatrouillen seien zum Schutz der Fußgänger eingesetzt worden.

„Wir hatten tatsächlich einen Plan, doch der Terrorist hat ihn zerschlagen“, sagte New Orleans’ Polizeichefin Anne Kirkpatrick demzufolge. Die Möglichkeit, dass jemand das Polizeiauto umfahren könnte, sei „nichts gewesen, von dem wir annahmen, es berücksichtigen zu müssen“, ergänzte der Polizeivorsteher des betroffenen Bezirks, Lejon Roberts. Wie genau es dem Täter gelang, einen Pick-up-Truck an den Schutzvorkehrungen vorbei in die Menschenmenge hineinzulenken, werde untersucht.

Mehr als 300 Einsatzkräfte seien bereits zu Silvester in dem Viertel gewesen, berichteten US-Medien. Die Polizei ergänzte am Mittag, dass mehr als 400 Ermittler vor Ort an der Aufarbeitung der Tat beteiligt seien.

In der Silvesternacht ist ein Mann mit einem Mietwagen durch die Menschenmenge auf einer Partymeile in New Orleans gerast. Mindestens 15 Menschen kamen ums Leben. Neben Waffen und einem möglichen Sprengsatz wurde auch eine IS-Flagge gefunden.

Schon 2017 hatte es im French Quarter einen ähnlichen Vorfall gegeben. Ein Autofahrer war beim Karneval in die Zuschauermenge eines Umzugs gerast. Er sei „stark alkoholisiert“ gewesen und habe zwei Autos gerammt, bevor er in die Menge gefahren sei, hatte damals Polizeichef Michael Harrison vor Journalisten gesagt. 28 Menschen waren verletzt worden, fünf von ihnen schwer.

Am Abend des 1. Januar sollte die Stadt zudem traditionell den „Sugar Bowl“ ausrichten, ein Football-Spiel mit College-Mannschaften, das ebenfalls Zehntausende Menschen aus dem ganzen Land anzieht. Es wurde wegen der Tat um einen Tag verschoben.

Louisianas Gouverneur ruft Notstand für New Orleans aus

Der Gouverneur von Louisiana rief den Notstand für die Stadt und anstehende Großereignisse aus. „Die Notstandserklärung ist lebenswichtig, da sie uns erlaubt, schnell zusätzliche Versorgung zu erhalten, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten“, schrieb Gouverneur Jeff Landry auf der Nachrichtenplattform X, wo er die Erklärung am Mittwoch (Ortszeit) teilte.

Der Erklärung zufolge geht es darum, im Fall von Katastrophen, die mit dem Verlust von Leben oder starken Schäden einhergingen, schnell mit Anordnungen wie etwa Evakuierungen reagieren und auch Hilfe auf US-Bundesebene anfordern zu können. Der Schritt erfolgt mit Blick auf anstehende Veranstaltungen speziell in New Orleans.

Biden, Trump, Scholz reagieren

„Mein Herz geht an die Opfer und ihre Familien, die einfach nur feiern wollten“, teilte US-Präsident Joe Biden mit. „Es gibt keine Rechtfertigung für jegliche Art von Gewalt, und wir werden keinen Angriff auf die Gesellschaft unseres Landes tolerieren“, erklärte er.

Auch sein designierter Nachfolger Donald Trump drückte Trauer aus. „Unsere Herzen sind mit allen unschuldigen Opfern und ihren Lieben, inklusive der mutigen Beamten der Polizei in New Orleans“, schrieb der Republikaner auf seiner Onlineplattform Truth Social. Die Generalstaatsanwältin des Bundesstaats, Liz Murrill, wählte bei X harsche Worte und schrieb vom „brutalen, absichtlichen Abschlachten unschuldiger Menschen“.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat bestürzt auf den mutmaßlichen Terroranschlag reagiert. „Das sind schlimme Nachrichten aus New Orleans, die uns erreichen: Fröhlich feiernde Menschen werden durch sinnlosen Hass aus dem Leben gerissen oder verletzt“, schrieb Scholz auf der Plattform X. „Wir trauern mit den Familien und Freunden der Opfer und wünschen allen Verletzten schnelle Genesung.“

Rettungskräfte waren mit einem massiven Aufgebot vor Ort. Laut einem Reporter des Senders WWLTV ließ die Polizei Restaurants und Bars auf der Bourbon Street räumen und sperrte die Straße weiträumig ab.

US-Medien berichteten, dass in mehreren US-Städten Bundesermittler im alten Jahr die lokalen Behörden vor Angriffen mit Fahrzeugen gewarnt hätten. Solche Taten seien generell möglich, und es gelte, sich darauf vorzubereiten. Dabei sollen die Behörden auch über den Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg vom 20. Dezember mit fünf Toten und mehr als 200 Verletzten gesprochen haben.

Behörden dementieren möglichen Zusammenhang mit Explosion eines Tesla-Cybertrucks in Las Vegas

Es ist nicht das einzige Ereignis, das derzeit die USA erschüttert: Stunden nach dem Terroranschlag von New Orleans explodierte ein Tesla-Cybertruck vor dem Trump International Hotel in Las Vegas. US-Ermittler prüfen einen etwaigen Zusammenhang zwischen beiden Vorfällen.

Laut Christopher Raia von der Antiterroreinheit des FBIs gebe es keine Verbindung zwischen den Attentätern in Las Vegas und New Orleans. Trotzdem werde die Möglichkeit weiter überprüft.

Bei der Explosion war den Angaben zufolge ein Mensch in dem Fahrzeug ums Leben gekommen, sieben andere wurden leicht verletzt. Auf der Ladefläche des abgebrannten Teslas fanden Ermittler verkohlte Reste von Benzinkanistern und Feuerwerkskörpern. Beide Fahrzeuge waren laut US-Medien über ein und denselben US-Autovermittler gemietet worden.

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US-Medien hatten Hinweise auf eine mögliche Verbindung der beiden Fahrer über die Arbeit für das US-Militär gefunden. Der Sender Denver7 berichtete unter Berufung auf Behördenquellen, die beiden Fahrer hätten auf derselben US-Militärbasis gearbeitet. Allerdings sei völlig scheinen sich die Zeiten nicht überschnitten zu haben, in denen die Männer in einem Militärgebiet – oder einem anderen Ort – tätig waren.

Außerdem mieteten beide Täter ihre Autos – nach Angaben des Unternehmens – über dieselbe Auto-Vermietungs-App, Turo.

dpa, rtr
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