Wahlniederlage: Britische Konservative streiten um die Zukunft ihrer Partei
London. Rishi Sunak bleibt im Regen stehen. Als der jetzt abgewählte britische Premierminister vor sechs Wochen Neuwahlen ausrief, stand er ohne Schirm im Londoner Dauerregen. Am Freitag hielt Sunak nach der vernichtende Wahlniederlage vor seinem Amtssitz 10 Downing Street seine Abschiedsrede – erneut bei Regenwetter.
„Es tut mir leid“, eröffnet er seine Rede an Großbritannien. „Sie haben ein klares Signal gesendet. Ich übernehme die Verantwortung für diese Niederlage“, erklärte er weiter. Sunak sagte, er trete als Parteivorsitzender zurück, sobald der Prozess für die Wahl eines Nachfolgers geregelt sei. Er wünschte seinem Nachfolger Keir Starmer Erfolg im Amt und drückte seinen Respekt für ihn aus.
Nach wenigen Minuten verabschiedete Sunak sich und stieg in eine Limousine, um König Charles offiziell über seine Entscheidung zu informieren. Danach wird Charles Starmer empfangen, um ihn mit der Bildung einer neuen Regierung zu beauftragen.
Die Tories erlitten bei der Parlamentswahl die größte Niederlage in ihrer Geschichte. Die Partei verlor nicht nur rund 250 Sitze und wird im neu gewählten Unterhaus in Westminister nun noch mit voraussichtlich 119 Abgeordneten vertreten sein. Auch etliche Prominente verloren ihr Mandat. Darunter Penny Mordaunt, bislang Mehrheitsführerin der Konservativen im Parlament, und Verteidigungsminister Grand Shapps.
Aber auch der frühere Wirtschaftsminister Jacob Rees-Mogg sowie die ehemalige Premierministerin Liz Truss vom rechten Parteiflügel wurden nicht wiedergewählt. Finanzminister Jeremy Hunt konnte seinen Sitz südwestlich von London dagegen knapp verteidigen.
Insbesondere die Niederlage von Mordaunt ist bitter für die Tories, galt die resolute 51-Jährige doch als mögliche Nachfolgerin Sunaks an der Parteispitze. Wie es mit den Konservativen weitergehen wird, ist noch unklar. Insbesondere der früheren Innenministerin Suella Braverman und Handelsministerin Kemi Badenoch werden gute Chancen eingeräumt, Sunak zu beerben. Braverman forderte die Tories auf, insbesondere in der Einwanderungspolitik härter vorzugehen.
Spekuliert wurd aber auch über eine Rückkehr von Ex-Premier Boris Johnson. Möglicherweise wird der abgewählte Premier Sunak noch für eine Übergangszeit die Partei weiter führen.
Shapps machte den Dauerstreit in seiner Partei für die vernichtende Wahlniederlage verantwortlich. „Wir haben den fundamentalen Grundsatz vergessen, dass die Wähler nicht für zerstrittene Parteien votieren“, sagte er noch in der Wahlnacht.
Richtungsstreit über künftigen Kurs
Die Niederlage löste jedoch direkt neuen Streit aus. Während Parteirechte wie Rees-Mogg forderten, die Tories müssten sich stärker um die Wähler bemühen, die zur nationalpopulistischen Reform-UK-Partei übergelaufen seien, warnte Moderate in der Partei vor einem Rechtsruck. „Die Konservativen stehen vor einem Armageddon", sagte der Tory-Politiker Robert Buckland der BBC, „es wird wie eine Gruppe glatzköpfiger Männer sein, die sich um einen Kamm streiten".