1. Startseite
  2. Politik
  3. Konjunktur
  4. Ifo-Studie: Wiedereinführung der Wehrpflicht könnte bis zu 70 Milliarden Euro kosten

Ifo-StudieWiedereinführung der Wehrpflicht könnte bis zu 70 Milliarden Euro kosten

Die Kosten entstehen vor allem, weil junge Menschen erst später beginnen, Vermögen sowie wirtschaftlich nutzbare Fähigkeiten aufzubauen. Die Ifo-Analyse beleuchtet drei Szenarien. 10.07.2024 - 10:19 Uhr
Die Kosten einer Wehrpflicht wären der Studie zufolge nicht gleichmäßig in der Gesellschaft verteilt. Foto: Michael Jungblut/laif

Berlin. Die Wiedereinführung einer Wehrpflicht in Deutschland könnte dem Ifo-Institut zufolge gesamtwirtschaftliche Kosten in Milliardenhöhe verursachen. Dies geht am Mittwoch aus einer Studie des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts für das Bundesfinanzministerium hervor.

Die Analyse untersucht die Kosten der Wehrpflicht in drei Szenarien. Betrifft die Wehrpflicht einen gesamten Jahrgang (100 Prozent), wäre mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,6 Prozent oder knapp 70 Milliarden Euro zu rechnen.

Falls ähnlich wie bei der alten Wehrpflicht knapp ein Viertel eines Jahrganges eingezogen würde, könnte die Wirtschaftskraft um 0,4 Prozent oder 17 Milliarden Euro zurückgehen. Werden nur fünf Prozent eines Jahrganges eingezogen und damit ähnlich wie in Schweden, beträgt der Rückgang laut Ifo 0,1 Prozent oder drei Milliarden Euro.

„Eine Wehrpflicht im Rahmen eines sozialen Pflichtjahres würde jährlich wirtschaftliche Kosten verursachen, die in etwa so groß sind, wie die Mittel aus dem Verteidigungshaushalt und dem Sondervermögen Bundeswehr im Jahr 2024 zusammen“, sagte Ifo-Militärexperte Marcel Schlepper.

Die Kosten entstehen vor allem, weil junge Menschen erst später beginnen, Vermögen sowie wirtschaftlich nutzbare Fähigkeiten und Kenntnisse etwa durch Ausbildung aufzubauen. Fachleute sprechen hier von Humankapital.

Verteilung der Kosten

„Als Alternative zur Wehrpflicht wäre es sinnvoller, die Bundeswehr mit mehr Mitteln auszustatten, um sie als Arbeitgeber attraktiver zu machen“, erklärte Ifo-Forscher Panu Poutvaara, Leiter des Ifo Zentrums für Internationalen Institutionenvergleich und Migrationsforschung. „Denkbar wäre, den Wehrdienstleistenden höhere Gehälter zu bezahlen.“

Verteidigungsminister Boris Pistorius will ein neues Wehrpflichtmodell etablieren. Demnach sollen alle 18-jährigen Männer einen Fragebogen zu ihrer Bereitschaft und Fähigkeit zum Dienst ausfüllen. Zur Musterung werden die Bestgeeigneten eingeladen.
Verwandte Themen
Bundeswehr
Deutschland
Konjunktur

Dies würde zwar den Staatshaushalt stärker belasten, die gesamtwirtschaftlichen Kosten seien aber gleichmäßiger verteilt und fielen um fast die Hälfte geringer aus als bei der Wehrpflicht: 37 statt 70 Milliarden Euro (im 100-Prozent-Szenario), neun statt 17 Milliarden Euro (im 25-Prozent-Szenario) und zwei statt drei Milliarden Euro (im 5-Prozent-Szenario). Die militärischen Fähigkeiten der Bundeswehr würden bei der Marktlösung in jedem Szenario im gleichen Maße wie bei der Wehrpflicht wachsen.

Die Kosten einer Wehrpflicht wären zudem nicht gleichmäßig in der Gesellschaft verteilt, sondern fielen primär bei den Wehrpflichtigen selbst an. Denn der Wehrdienst zwingt diese Personen, ihre Bildungs- und Berufsplanung anzupassen. „Bei einer Wehrpflicht entstehen für die Nicht-Wehrpflichtigen kaum Kosten. Das mag erklären, warum eine Wehrpflicht insbesondere bei jenen Altersgruppen so beliebt ist, die nicht selbst betroffen wären“, erläuterte Ifo-Experte Schlepper.

rtr
Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt