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Corona-RezessionKonjunkturprognosen: Laut Ökonomen beginnt die Erholung der Wirtschaft

Mit den Mai-Lockerungen hat die Erholung der Wirtschaft in Deutschland begonnen – wenn auch langsam, sagen die Ökonomen von drei Spitzeninstituten.Donata Riedel 28.05.2020 - 11:54 Uhr Artikel anhören

Unter anderem Shopping-Malls sind unter Auflagen wieder geöffnet. Der Tiefpunkt der Krise dürfte überwunden sein, prognostizieren Experten.

Foto: dpa

Berlin. Die Rezession in diesem zweiten Quartal 2020 wird so tief ausfallen wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Doch auf das ganze Jahr 2020 gesehen werden die schlimmsten Szenarien für die deutsche Wirtschaft wohl nicht eintreten. Diese Hoffnung jedenfalls lässt sich aus den Prognose-Aktualisierungen des Ifo-Instituts, des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus dieser Woche herauslesen.

2020 wird demnach das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 6,6 Prozent (Ifo) bis 7,1 Prozent (IfW) schrumpfen. Das wäre zwar ein stärkerer Jahresrückgang als nach der Finanzkrise 2009, als die Wirtschaft hierzulande um 5,7 Prozent einbrach. Aber: Die aktualisierten Zahlen sind weit entfernt von den Horrorszenarien, die Ende März, etwa beim Ifo-Institut, bis minus 20 Prozent reichten.

Die aktualisierten Prognosen liegen auch nah an der jüngsten Regierungsprognose von minus 6,3 Prozent und der des Internationalen Währungsfonds (IWF) von minus sieben Prozent. Die wieder größere Übereinstimmung von Prognosen könnte ebenfalls ein Zeichen für die Bodenbildung sein.

Tatsächlich zeigten zuletzt auch die Frühindikatoren aus Umfragen – der ZEW-Index, der IHS-Markit-Einkaufsmanagerindex und das Ifo-Geschäftsklima –, dass der Tiefpunkt der Corona-Rezession mit Beginn der Mai-Lockerungen höchstwahrscheinlich überwunden wurde. Allerdings: „Der Aufholprozess zieht sich noch bis weit in das kommende Jahr“, sagt IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths. Davon gehen auch sein Ifo-Kollege Timo Wollmershäuser und sein DIW-Kollege Claus Michelsen aus.

Der Absturz-Monat war nach der übereinstimmenden Analyse der April, in dem die durchschnittliche Wirtschaftsleistung wohl um 17 Prozent (Ifo), jedenfalls um mehr als 15 Prozent (IfW) eingebrochen sein dürfte. Für das laufende zweite Quartal erwarten die Institute jetzt ein Minus von „mindestens zehn Prozent“ (DIW), von minus 11,3 Prozent (IfW) oder gar minus 12,4 Prozent (Ifo).

Ab dem dritten Quartal werde es wieder Wachstum geben. 7,3 Prozent, meint Wollmershäuser vom Ifo, mindestens fünf Prozent, sagt Kooths vom IfW. Für das Jahr 2021 rechnet das IfW mit einem Wachstum von 7,2 Prozent, das Ifo sogar mit einem Plus von 10,2 Prozent. Allerdings: Die Voraussetzung dafür ist, dass es keine zweite große Infektionswelle mit einem erneuten Shutdown geben wird.

Steiniger Weg zurück zur Normalität

Die Erholung hängt zudem stark davon ab, wie schnell die Unternehmen zurück zur Normalität finden. Ifo-Experte Wollmershäuser geht auf Basis der Antworten von 9000 für das Ifo-Geschäftsklima befragten Unternehmen davon aus, dass sich die Lage innerhalb von neun Monaten normalisiert. Sollte dies schneller gelingen – etwa in fünf Monaten, dann würde das BIP 2020 nur 3,9 Prozent verlieren und 2021 um 7,4 Prozent steigen.

Sollte die Normalisierung durchschnittlich aber 16 Monate dauern, würde die Wirtschaft dieses Jahr um 9,3 Prozent schrumpfen und im nächsten um 9,5 Prozent wachsen. Auch im wahrscheinlichsten Fall, dass die durchschnittliche Erholung neun Monate dauert, unterscheidet sich der Wiederaufschwung in einzelnen Branchen deutlich: Die am wenigsten betroffenen Lebensmittel-nahen Wirtschaftszweige dürften laut Ifo nur sechs Monate bis zur Rückkehr in die Normalität brauchen, die Reisebranche 20 Monate, die Autobranche gar 26 Monate.

Der Konsum schwächelt bis auf Weiteres

Normalerweise erweisen sich private Konsumausgaben in Krisen als stabilisierender Faktor. „Das ist in der Coronakrise anders“, befürchtet Kooths vom IfW. Die Verbraucher werden erst dann wieder kräftig konsumieren, wenn sie „wieder Klarheit über ihre beruflichen Perspektiven haben“, sagte er. Das Ziel der Politik müsse es daher sein, „Unternehmen mit grundsätzlich marktfähigen Geschäftsmodellen über die nächsten drei bis sechs Quartale zu bringen“, so Kooths. Das IfW rechnet damit, dass die Zahl der Arbeitslosen dieses Jahr auf drei Millionen steigen wird.

Staatliche Hilfen müssten da ansetzen, wo die Corona-bedingten Ausfälle am größten seien. Gastronomen wäre mit einem staatlichen Investitions- oder Digitalisierungsprogramm wenig geholfen, meint er. Bis 2021 dürfte die Krise nach seiner Schätzung Deutschland 300 Milliarden Euro an Wertschöpfung kosten.

Die Forschungsinstitute gehen davon aus, dass die Erholung nicht nur in Deutschland, sondern weltweit im Sommer einsetzen wird. Für die deutsche Industrie wird dabei entscheidend sein, dass auch die anderen großen EU-Staaten schnell aus der Krise kommen. Ein EU-Hilfsprogramm, das Italien und Spanien schneller aus der Krise bringt, würde auch der deutschen Wirtschaft Rückenwind verschaffen.

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